Das Zentrum Harzkultur ist um ein Stück Kulturgeschichte reicher. Bei der Folklorewerkstatt in Wernigerode haben die Töchter des Komponisten und Musikers Georg Faulhaber die Originalunterlagen zu seinem Harz-Oratorium an das Archiv übergeben.

Wernigerode l Die gelb-braun verfärbten Blätter sind brüchig, die Noten, mit Bleistift geschrieben, an vielen Stellen verblasst. Kein Wunder, denn die Partituren für sein Harz-Oratorium hat der Komponist und Musiker Georg Faulhaber Ende der 1950er Jahre geschrieben. Helga Nieke und Gudrun Pierstorff, zwei der Töchter Faulhabers, haben die Originalnoten, das Textbuch sowie umfangreiche Notizen ihres Vaters am Sonntag an das Zentrum Harzkultur in Wernigerode weitergegeben.

Gebürtig stammt Faulhaber aus Berlin, doch seit Anfang der 1950er Jahre war der Lehrer, Kantor und Organist eng mit Wernigerode verbunden. 1953 erhielt er den Auftrag, die Kreis-Volksmusik-Schule aufzubauen. Daneben leitete er zahlreiche Chöre und Harzer Volkskunstensembles.

Sein Harz-Oratorium mit dem Titel "Heilige Berge - Insel des Friedens" hatte er bereits 1946/1947 begonnen. "Mein Vater hat in den schlechten Jahren nach dem Krieg daran gearbeitet. Wahrscheinlich brauchte er eine Ablenkung von den Lebensumständen der Zeit", sagte Helga Nieke aus Dresden, die die Unterlagen zusammen mit ihrer Schwester Gudrun Pierstorff bei der diesjährigen Folklorewerkstatt in der Wernigeröder Jugendherberge überreichte.

Öffentlich gespielt wurde das 17 Sätze umfassende Werk mit einer Spieldauer von rund 130 Minuten noch nie. "Vermutlich hat er damals gar nicht an eine Aufführung gedacht", erklärte Helga Nieke. Allerdings habe er später notiert, dass eine Darbietung schön wäre - "damit die Menschen dadurch zur Natur zurückfinden".

Dass ein Ensemble sich des Werkes für Solisten, Chor und großes Orchester annimmt, das ist das Ziel von Beate Grüning vom Zentrum Harzkultur. "Wir stellen die Unterlagen zunächst ins Internet, sodass sie für alle zugänglich sind", erklärte sie. Vielleicht wäre es möglich, bei einer künftigen Folklorewerkstatt zumindest Auszüge des Oratoriums auf die Bühne zu bringen.

Aber auch vom Standpunkt des Historikers betrachtet seien die Unterlagen wichtig, sagt Kathrin Pöge-Alder, Referentin beim Landesheimatbund Sachsen-Anhalt in Halle. "Sie sind ganz wertvolle Zeugnisse ihrer Zeit."