695 000 Buchen-Winzlinge werden in diesen Wochen im Nationalpark Harz gepflanzt. Gleichzeitig mussten 16 000 Festmeter vom Borkenkäfer befallenes Fichtenholz aus dem Schutzgebiet transportiert werden. Doppelt so viel wie 2013.

Sankt Andreasberg l In diesem Jahr habe die Fällaktion relativ zeitig begonnen, berichtet Sabine Bauling. Sie ist Fachbereichsleiterin für Waldentwicklung und Wildbestandsregulierung in der Verwaltung des Nationalparks Harz, Außenstelle Oderhaus in Sankt Andreasberg (Niedersachsen).

Die erste Generation der Borkenkäfer sei bereits Ende April geflogen, bedingt durch das milde Wetter. Zwischen Ankunft und Eiablage würden in der Regel ohnehin nur sechs Wochen liegen. Je wärmer es aber werde, desto wohler fühlten sich die Insekten. Wichtig sei es deshalb, das geschlagene Holz möglichst schnell aus dem Wald zu bergen. Sabine Bauling: "Unser einziges Mittel ist die Geschwindigkeit." Im Schutzgebiet würden grundsätzlich keine Pestizide zur Bekämpfung der Schädlinge eingesetzt. Dafür allerdings moderne Technik wie Seilkran und Harvester (spezielle Holz-ernte-Maschinen/die Red.).

Die geschlagenen Fichten stammten aus der zur Abwehr des Buchdruckers (eine Borkenkäferart, d. Red.) angelegten bis zu 500 Meter breiten Schutzzone am Rande des Nationalparks. Darüber hinaus werde ein Kilometer breiter Streifen überwacht. Dazu gebe es zwischen Ilsenburg und Wolfstein 31 Claims. Speziell geschultes Personal habe dort die Aufgabe, frisch befallene Bäume rechtzeitig zu erkennen und die Käferfallen zu kontrollieren.

Sabine Bauling: "Interessant sind für uns die über 50 Jahre alten Fichten." Normal seien 300 dieser Nadelgewächse auf einem Hektar Fläche, zu DDR-Zeiten wären allerdings 4000 gepflanzt worden. Weil diese Art schnell wachse und dadurch hohe Erträge garantiere. Die so entstandenen gleichmäßig strukturierten Bestände "sind ein gefundenes Fressen für den Käfer".

Die Fällaktion diene vor allem dem Schutz der rund 11 700 Hektar umfassenden Waldentwicklungszone des Parks. Dabei handele es sich um Höhenlagen unter 750 Meter, wo die Fichte nicht hingehöre. Deshalb würden dort derzeit etwa 695 000 Buchen-Winzlinge gepflanzt. Außerdem in geringem Maße andere Laubhölzer wie zum Beispiel Ahorn, Erle, Hasel und verschiedene Weidenarten.

Alle fünf Jahre finde eine Gebietsanpassung statt. Die Wernigeröderin: "Die nächste ist am 1. Januar 2016 fällig." Das Schutzgebiet besitze im Übrigen den Status eines Entwicklungsnationalparkes. Ziel sei es, den jetzt laufenden Prozess 2022 abzuschließen. Sabine Bauling: "Danach soll auf 75 Prozent der Fläche die Natur die Regie übernehmen."

Den Borkenkäfer werde es dennoch weiter geben. Ebenso wie die Fichte. Es sei nicht das Ziel, beide auszurotten, sondern vielmehr, deren Vorkommen unter Kontrolle zu behalten.

Die Erfahrungen mit dem Schädlingsbefall aus 2013 und 2014 zeigten, "dass wir im kommenden Jahr sehr wachsam sein müssen". Zuletzt seien rund 16 000 Festmeter Schadholz abtransportiert worden. Doppelt so viel wie im Vorjahr.

Aber nicht immer sei der Buchdrucker Schuld. Im Frühjahr habe es an der B 4 bei Marienbruch ein plötzliches massives Absterben der Nadelbäume gegeben. Des Rätsels Lösung hätten die Daten des Deutschen Wetterdienstes für die Station Braunlage geliefert. Danach seien zwischen Dezember 2013 und März Abweichungen beim Niederschlag von bis zu minus 66 Prozent registriert worden. Dieser akute Wassermangel habe den sonst feuchten Standort austrocknen lassen. Sabine Bauling: "Das hat die Fichten unter Stress gebracht."

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