Zum Volkstrauertag ist am Wernigeröder Harzmuseum eine Gedenktafel für die Opfer von Krieg und Vertreibung eingeweiht worden. Stadtchef Peter Gaffert mahnte bei der Veranstaltung, die Schicksale der Vertriebenen nicht zu vergessen.

Wernigerode l "Den Opfern von Krieg, Flucht, Gewalt und Vertreibung zum Gedenken" - steht auf schwarzem Glas geschrieben. "Den Lebenden zur Erinnerung, Mahnung und Versöhnung", heißt es weiter. Diese Gedenktafel ist am Volkstrauertag an der Brandmauer des Harzmuseums in Wernigerode eingeweiht worden.

"Vieles von dem, was damals geschah, wurde vergessen", sagte Dieter Fuhrmann vom Bund der Vertriebenen. Mehr als 12 000 Heimatlose fanden nach dem Zweiten Weltkrieg Zuflucht in Wernigerode, im Kreis waren es sogar 76 000. Diese Menschen wurden gezwungen, ihre Heimat in Schlesien, im Sudetenland, in Ostpreußen oder Pommern zu verlassen. "Vertrieben wurden sie von Hitlers Freunden." Unvergessen sei jedoch die Liebe zur Heimat und die Sehnsucht nach Frieden und Gerechtigkeit geblieben, so Fuhrmann.

Oberbürgermeister Peter Gaffert (parteilos) dankte Dieter Fuhrmann für sein jahrelanges Engagement. "Unserer Stadt steht es gut zu Gesicht, der Vertriebenen zu gedenken." Wernigerode habe viele Flüchtlinge aufgenommen. "Für die Menschen hier und für die Infrastruktur war das eine große Herausforderung." Die Flüchtlinge hätten nach dem Krieg viel zum Aufbau der Stadt beigetragen. Im Hinblick auf das aktuelle Weltgeschehen mahnte der Rathauschef: "Uns ist bewusst, was Kriege anrichten können. Es liegt in unserer Verantwortung zu verhindern, dass sich solches Leid wiederholt."

"Unvergessen ist die Liebe zur Heimat."

Dieter Fuhrmann, Bund der Vertriebenen

"14 Jahre lang haben wir gemeinsam um eine größere Anerkennung der Vertriebenen gerungen", sagte Angela Gorr, Chefin des CDU-Stadtverbandes. "Uns war es wichtig, einen Ort des Gedenkens im Stadtzentrum zu schaffen." Viele junge Leute hätten keinen Bezug zur Zeit des Zweiten Weltkrieges. "Wir müssen diese Themen in die Zukunft tragen, damit sie nicht in Vergessenheit geraten."

Die gläserne Tafel war ein Geschenk der CDU-Stadtratsfraktion an den Bund der Vertriebenen. Mehr als zwei Jahre hat es gedauert, um einen geeigneten Ort für die Platte zu finden. Dieter Fuhrmann wand sich deshalb sogar hilfesuchend an den Kulturausschuss (Volksstimme berichtete). Dem Rentner lag am Herzen, dass die Tafel von vielen Leuten wahrgenommen wird - nicht wie der Gedenkstein hinter dem Arbeitsamt, der kaum Beachtung findet. Sein Vorschlag, die Glasplatte direkt am Rathaus anbringen zu lassen, fand jedoch keine Zustimmung. Weitere Ideen, wie die Glashütte in Derenburg und das Areal vor der Blumenuhr, wurden ebenfalls verworfen.

"Jetzt haben wir es doch noch geschafft", sagte Angela Gorr nach der Einweihung zu Dieter Fuhrmann. Jedoch zeigten sich nicht alle Teilnehmer der Gedenkveranstaltung begeistert von dem nun gewählten Ort am Harzmuseum. Die Schrift auf der dunklen Tafel sei wegen der Lichtverhältnisse an dieser Stelle nur schwer lesbar, hieß es. Außerdem hänge die Tafel genau über einem Regenwasserabfluss. Es sei unschön, dort einen Kranz niederzulegen.

Anlässlich des Volkstrauertages fanden am Sonntagvormittag weitere Gedenkveranstaltungen statt, so auf dem Wernigeröder Zentralfriedhof und auf dem Friedhof Schierke.

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