Der Immobilienmarkt in Wernigerode ist wie leergefegt. Besonders Familien verzweifeln bei der Suche nach einer Bleibe. Die Volksstimme berichtet über die Wohnungssuche in Wernigerode in einer neuen Serie. Heute Teil 2: Die Wohnungsgenossenschaft reagiert auf den Trend und schafft größere Wohnungen im Stadtfeld.

Wernigerode l Aus 30 kleinen werden 20 große Wohnungen: Im Walther-Grosse-Ring 26 bis 28 in Wernigerode schafft die Wernigeröder Wohnungsgenossenschaft (WWG) großzügige Einheiten mit 53 bis 77 Quadratmetern Wohnfläche. Damit reagiert das Unternehmen auf einen Trend, der sich in den vergangenen fünf Jahren abzeichnete. "Bis vor 2008 waren kleine Wohnungen begehrt. Damals standen einige große leer, die wir zu kleineren Einheiten umgebaut haben, darunter in der Minslebener Straße", sagt Hans-Jürgen Lange, der kaufmännische Vorstand.

Mittlerweile habe sich das Bild komplett gewandelt, die Nachfrage nach großem Wohnraum sei aktuell enorm. "Vor allem Vier- bis Sechs-Raumwohnungen sind beliebt", sagt Lange. Derzeit sind in Wernigerode lediglich zwei Vier-Raumwohnungen frei. "Wernigerode ist schon immer eine Insel der Glückseligen gewesen", sagt Lange. "Die Menschen möchten da wohnen, wo Arbeit ist. Industrie und Touristik schaffen Jobs. Dementsprechend hoch ist die Nachfrage nach Wohnungen in der Stadt."

Er vermutet, dass der Trend zu den größeren Wohnungen auch mit den guten Renten zusammenhängt. "Ältere können sich die höheren Mieten durchaus leisten", sagt Lange. Aufgrund der drohenden Altersarmut glaubt er jedoch, dass sich die Lage auf dem Immobilienmarkt erneut ändern wird.

Wichtig sei Mietern heutzutage eine große Küche, sagt der technische Vorstand Christian Linde. "Die Menschen wünschen sich mehr Komfort."

"Die GWW hat das Stadtfeld mit der `Welle` entscheidend aufgewertet. Diesen positiven Trend möchten wir fortsetzen."

Christian Linde, WWG-Chef

Nachdem die Gebäude- und Wohnungswirtschaft (GWW) ihre Mietshäuser im Walther-Grosse-Ring aufwendig zur "Welle" umbauen ließ (Volksstimme berichtete mehrfach), habe sich die WWG entschlossen, ihren einzigen Block in der Straße ebenfalls zu modernisieren. "Die GWW hat das Stadtfeld mit der `Welle` entscheidend aufgewertet. Diesen positiven Trend möchten wir fortsetzen", so der WWG-Chef.

Zunächst wurden Teile des Gebäudes abgerissen. Die Grundrisse der 30 kleineren Wohnungen werden aufgelöst und 20 größere geschaffen. Jede der Wohnungen erhält einen Balkon. Der Block wird mit einem Aufzug ausgestattet. Eines der drei Treppenhäuser entfällt. Über den Haupteingang erreichen die Bewohner ein Café. "Das Café ist ein gemeinsames Projekt von WWG und GWW", verrät Linde. "Es soll Treffpunkt im Quartier werden, kann zum Beispiel vom Stadtfeldverein genutzt werden." Die Renovierung wird mindestens bis ins nächste Jahr andauern, sagt Linde. Die Miete wird etwa 10Euro warm pro Quadratmeter betragen.