Der Motorsportclub Wernigeröder Oldtimerfreunde möchte ein Technikmuseum in den historischen Gatterhallen auf dem Ochsenteich schaffen. Mitglied André Elpel hat sich mit einem Konzept bei der Stadtverwaltung beworben.

Wernigerode l André Elpel hat mit den sanierungsbedürftigen Gatterhallen auf dem Ochsenteich in Wernigerode Großes vor: Er möchte in einer der beiden Hallen mit seinen Vereinskollegen vom Motorsportclub Wernigeröder Oldtimerfreunde ein Zentrum für Liebhaber klassischer Fahrzeuge und alter Technik schaffen.

Das Museum soll - in Verbindung mit der geplanten Lok-Werkstatt der Harzer Schmalspurbahnen (HSB) - ein Besuchermagnet auf der Brache zwischen Altstadtkreisel und Westerntorbahnhof werden. Eine historische Wasserkraftanlage, die sich in der Gatterhalle befindet, möchte der Verein aufarbeiten und in Verbindung mit einem Sägegatter in Aktion zeigen. So soll an die Geschichte des Sägewerkes Ochsenteich erinnert werden. Die Wiederbelebung alter Technik könnten Besucher derweil in einer Werkstattecke erleben, in der Exponate aufgearbeitet werden. Spezielle Führungen sind geplant, auch in Zusammenarbeit mit der HSB, sagt Elpel. "Die zweite Gatterhalle könnte für Erlebnisgastronomie genutzt werden", sagt der Wernigeröder.

Viele Stunden hat André Elpel über dem Konzept gesessen, mit dem sich der Verein im Rathaus für die Nutzung der Gatterhallen beworben hat. Schwer gefallen ist ihm das nicht. "Ich beschäftige mich persönlich schon seit zehn Jahren mit Ideen für den Ochsenteich", sagt er. Zahlreiche Leserbriefe in der Volksstimme zeugen von Elpels Engagement.

"Als ich die Ergebnisse gelesen habe, dachte ich zuerst: Die haben doch bei mir abgeschrieben."

André Elpel, MC Oldtimerfreunde

Seit 1977 besteht der Verein. André Elpel ist Mitglied, seitdem er 1979 sein erstes Motorrad kaufte. In all den Jahren habe der Motorsportclub nie ein eigenes Domizil besessen. Die Gatterhalle sei für die Gruppe der ideale Ort, um sich ihrer Leidenschaft für Technik zu widmen und andere daran teilhaben zu lassen. Die Oldtimerfreunde versuchen nicht nur, historische Maschinen vor dem Verschrotten zu retten - sie restaurieren auch eigene Fahrzeuge. Alle zwei Jahre richten sie zudem die Rathausrallye aus, die nächste findet 2015 statt. "Ein Teil der Ausstellung wird sich der Fahrzeuggeschichte widmen", sagt Elpel. Für wechselnde Ausstellungen verfügen die Mitglieder über mehr als 100 Fahrzeuge.

Einige davon gehören Vereinschefin Heike Herre und ihrem Mann. Die Silstedterin steht hinter dem ehrgeizigen Projekt. "Wir warten nur noch auf die Zustimmung aus dem Rathaus", sagt sie. Die Voraussetzung: Die Stadt müsste die Hallen zunächst sanieren. Eine Kostenschätzung für die Sanierung der Hallen liegt laut Verwaltungssprecher Andreas Meling noch nicht vor. Vor einer Entscheidung müsse zudem der Stadtrat in die Debatte einbezogen werden.

Ideen für den Ochsenteich hat es in der Vergangenheit viele gegeben: Einkaufsarkaden, städtischer Festplatz, grüne Oase, öffentlicher Großparkplatz. Aufmerksam hat André Elpel die Ergebnisse der Planungszelle studiert, die 2013 eine Empfehlung für die Nutzung erarbeitet hatte. "Als ich die Ergebnisse gelesen habe, dachte ich zuerst: Die haben doch bei mir abgeschrieben", sagt er und lacht. "Ich war froh, dass die Gruppe unsere Pläne unbewusst unterstützt." Die Empfehlungen der Bürgergutachter: Ein Teil des Areals soll mit der Gläsernen Werkstatt touristisch genutzt werden. Der zweite Bereich rund um die historischen Gatterhallen soll kulturell ausgerichtet, ein dritter Teil parkähnlich gestaltet werden.

Im Bauamt stimmt man mit dieser Aufteilung überein. Der erste Schritt ist bereits getan: So gab der Stadtrat im September für den Verkauf eines etwa 22000 Quadratmeter großen Teilstücks an die HSB grünes Licht. Derzeit werden die Vertragsdetails zwischen Stadt und HSB verhandelt, sagte HSB-Geschäftsführer Matthias Wagener auf Nachfrage.

Es ist nicht das erste Mal, dass sich die Oldtimerfreunde auf dem Gelände engagieren: Mit Liebe zum Detail restaurierten sie 2008 die 70 Jahre alte Dampflokomobile. Sie befand sich in dem Maschinenhaus, das 2003 samt 40 Meter hohem Schornstein gesprengt wurde.

1865 arbeitete bereits eine Sägemühle der Vereinigten Harzer Holzwerke auf dem Ochsenteich. Zu DDR-Zeiten wurden Schnittholz, Besenstile und Parkett gefertigt. 1991 wurde es nach über 125 Jahren still auf dem Gelände. Und: Schon 2003 plante die Verwaltung eine dem heutigen Konzept ähnliche Aufteilung des Geländes (wir berichteten).

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