Wernigerode l Für Ralf Glaese ist es ein "Schildbürgerstreich", der sich vor der Tür seines Computerladens an der Schönen Ecke in Wernigerode abspielt. Dort befinden sich vier Parkboxen, die laut Schild für Anwohner reserviert sind. Dort parkt der 58-Jährige häufig - einen Ausweis hat er. Vor den ausgewiesenen Parkplätzen gibt es aber noch eine gepflasterte Fläche, auf der ebenfalls häufig Fahrzeuge abgestellt werden.

Auch Ralf Glaese hat dort hin und wieder für kurze Zeit sein Auto geparkt und dafür immer wieder Strafmandate kassiert. Diese hat er klaglos bezahlt. "Doch dann habe ich eines Tages eine Politesse beobachtet, die an einem dort parkenden Fahrzeug einfach vorbeiging", schildert der Wernigeröder. Als er die Frau ansprach, erhielt er nach eigenen Angaben die Auskunft, dass auf diesem Parkplatz geparkt werden dürfe und dass es "Ermessenssache" sei, ob Knöllchen verteilt werden oder nicht.

Der Ladenbesitzer war empört. Er wandte sich ans Ordnungsamt, erhielt aber ausweichende Antworten. "Die eine Hand weiß nicht, was die andere tut", sagt er.

Auf Volksstimme-Anfrage sagte Ordnungsamtschef Gerald Fröhlich zunächst: "Das müssen wir prüfen." Das Ergebnis ist nun eindeutig: "Auf dieser Fläche ist das Parken nicht erlaubt. Wenn es in der Vergangenheit Irritationen gab, dann bedauern wir das", so Fröhlich. Die Mitarbeiter seien angewiesen, das Parken dort abzustrafen.

Ausnahmen gelten nur für Einsatzfahrzeuge des Rettungsdienstes, der Feuerwehr und der Polizei. Damit ist auch die Frage hinfällig, ob Glaese Geld zurückerhält. Zehn Euro für das letzte Knöllchen hatte ihm die Wernigeröder Stadtverwaltung erstattet - aus Kulanz und weil der Status der Fläche noch nicht geklärt war.

Das städtische Ordnungsamt hat nun bei der Straßenverkehrsbehörde des Harzkreises beantragt, dort Poller aufstellen zu dürfen - ähnlich wie an der Forckestraße. Darüber schüttelt wiederum Ralf Glaese den Kopf. "Nun wird dafür auch noch Geld ausgegeben. Für mich ist das absolute Steuerverschwendung."