Schierke l Auf dem Weg liegen Felsbrocken, Baumwurzeln ragen aus der Erde. Wanderer, die auf der Alten Bobbahn Richtung Brocken unterwegs sind, müssen aufpassen, nicht zu stürzen. "So sehen alle Wege aus", sagt Schierkes Bürgermeisterin Christiane Hopstock (CDU). Ihrer Meinung nach würden die Strecken nicht genügend gepflegt. Seit etwa fünf Jahren ist die Lage kritisch, sagt die Schierkerin. Für Ältere seien die Wege schwer zu bewältigen und auf der Brockenstraße herrsche großes Gedränge. Neben Wanderern seien Mountainbiker, Segwayfahrer und Kutschen unterwegs, die sich ins Gehege kommen. "Wären die Wanderwege in einem besseren Zustand, könnte das für Entlastung sorgen."

Das sieht Friedhart Knolle anders. "Es sind wilde, naturnahe Wege, die über Stock und Stein gehen", sagt der Sprecher des Nationalparks Harz. Viele Besucher würden gerade das lieben. Unstrittig sei aber, dass die Wege sicher sein müssten. "Wir nehmen unsere Verkehrssicherungspflicht sehr ernst", betont Knolle. Meldungen über Gefahrenstellen würden aufgegriffen, zweimal im Jahr sämtliche Wege kontrolliert. "Wir reparieren ständig."

Durch starke Regenfälle am Brocken komme es oft zu Ausspülungen, sagt Revierförster Olaf Eggert. "Bei Starkregen sind die Schäden oft so groß, dass wir die Wege grundhaft ausbauen müssten." Gerade am Eckerlochstieg sei das notwendig, doch die Technik dafür lasse sich am Berg nicht einsetzen. "Man merkt immer noch, dass 40Jahre Wegebau gefehlt haben", sagt Eggert.

Beschwerden hört Friedhart Knolle häufig über Matschlöcher, die Mountainbiker hinterlassen. Doch wenn Wanderer deshalb neben den Wegen gingen, sei das vorschriftswidrig und gefährlich. Handläufe helfen nur bedingt und gehen schnell kaputt. Deshalb würden sie teilweise abgebaut. "Wir lenken jetzt mit Totholz. Das ist eine pfiffige Idee", so Knolle.

In Christiane Hopstocks Augen bietet der Wald ein bedenkliches Bild. Sie zeigt auf abgebrochene Baumstümpfe und gekappte Spitzen, die kreuz und quer am Wegesrand liegen."Das tut weh", sagt sie - auch mit Blick auf den Tourismus. Der Zustand von Wegen und Wald könnte auf Dauer Urlauber abschrecken. "Das kann ich keinem als Nationalpark verkaufen. Ich verbinde mit dem Begriff schöne, heile Natur."

Das jedoch sei eine ästhetische Frage, entgegnet Knolle. "Unser Harzer Blick ist durchden preußischen Försterwald geprägt, in dem Bäume in Reih und Glied stehen." In der Kernzone bleibe totes Holz liegen und diene als natürlicher Dünger. "Es ist nicht die heile, sondern die ehrliche Natur."

Doch auch der Mensch hat natürliche Bedürfnisse. Weil die Toiletten an der Brockenstraße geschlossen sind, gehen Wanderer in die Büsche, um ihre Notdurft zu verrichten - davon zeugen zahlreiche Taschentücher am Wegesrand. "Das geht einfach nicht", sagt Christiane Hopstock. Die fehlenden Toiletten seien ein Problem, bestätigt Friedhart Knolle. "Wir bekommen ständig Beschwerden, obwohl wir aus unserer Sicht nicht zuständig sind."

Zeitweilig habe der Nationalpark zwar die Toiletten an der Kreisstraße verwaltet, er bekomme jedoch kein Geld mehr dafür. "Diese Toiletten zu betreiben, ist richtig teuer", sagt Knolle. Zudem habe sich keine Firma gefunden, die die Anlage mitten im Wald reinigen wollte. Das Gesundheitsamt des Harzkreises habe letztlich die Schließung der Toiletten verlangt. Abgerissen werden könne das Häuschen nicht, da es mit Fördergeld errichtet wurde und vom Abwasserverband als Pumpstation genutzt wird.

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