Wernigerode/Schierke l Sie sorgen dafür, dass die Wege durch die Harzer Wälder ausgeschildert sind und Bänke bereitstehen. Bei geführten Wanderungen zeigen sie die Schönheit ihrer Heimat. Doch den Zweigvereinen fehlt oft der Nachwuchs. "Wir sind überaltert", sagt etwa Günter Seidel, Vorsitzender des Schierker Harzklubs, auf Volkstimme-Nachfrage. Im Brockenort hat das Konsequenzen. Aller Voraussicht nach wird sich der Verein im Frühjahr 2015 auflösen.

Nach mehr als zehn Jahren gibt Günter Seidel den Vorsitz ab. Die Belastung durch Beruf und Ehrenamt sei zu hoch. "Man kann nicht auf allen Hochzeiten tanzen", so der Klubchef. Stellvertreter Gustav Witte stellt sich aus gesundheitlichen Gründen ebenfalls nicht mehr zur Wahl. Bisher haben sich keine Kandidaten für ihre Nachfolge gefunden.

Das verweist auf ein grundsätzliches Problem. "Wir sind überaltert", sagt Seidel. 57 Mitglieder zählt der Zweigverein im Brockenort, sie sind überwiegend im Rentenalter. "Bestimmt 40von uns haben die 70 bereits überschritten. Was uns fehlt, ist die Generation um die 60", sagt Seidel, selbst 57 Jahre alt.

Das hat Folgen. "Wir können zum Teil unsere satzungsgemäßen Aufgaben nicht mehr erfüllen", erklärt der Klubchef. Wegewart Harry Jander etwa arbeite sehr engagiert, doch auch der 76-Jährige spürt seine Grenzen. "Früher habe ich ganze Wege repariert und Tonnen von Split aufgebracht. Das geht nicht mehr", sagt er. Zwar zählten etwa 75 Prozent der Wege um Schierke zum Nationalpark. Doch die Pflege von Bänken und Schildern im Ort liegt bei Jander und seinen Helfern. "Wenn es schwierig wird, bekomme ich Unterstützung", sagt er.

Anfang März soll voraussichtlich die nächste Vereinsversammlung stattfinden, auf der die Mitglieder über die Auflösung beraten, so Seidel. Ein Jahr würde es dauern, den Verein abzuwickeln. Zunächst hatten die Schierker eine Fusion mit dem Zweigverein Wernigerode erwogen. "Doch das ist aus vereinsrechtlichen Gründen nicht möglich." Die Mitglieder könnten dem Wernigeröder Harzklub beitreten.

Dort sind die Schierker willkommen. "Wir sind für jedes Mitglied offen, egal, woher es kommt", sagt Volker Friedrich, Vorsitzender des Wernigeröder Harzklub-Zweigvereins. Unabhängig davon, wie sich die Wanderfreunde im Brockenort entscheiden, können sie ohnehin mit Hilfe aus der Stadt rechnen. "Wir werden entsprechend unserer Möglichkeiten Schierke bei den Aufgaben unterstützen", sagt Friedrich.

Nachbarschaftshilfe sei unter den Zweigvereinen gang und gäbe, sagt Wegewart Herbert Riemeier. "Wir streiten uns nicht um Gemarkungsgrenzen. Wer die Möglichkeit hat, packt mit an."

Die Probleme, die die Schierker plagen, sind den Wernigerödern jedoch nicht fremd. Der Zweigverein der bunten Stadt zähle 180Mitglieder, der Altersdurchschnitt liege mit geschätzt 67 Jahren niedriger als in Schierke, so Friedrich. Ein harter Kern von 30 bis 50 Aktiven trage die Vereinsarbeit. "Wie lange das noch so ist, steht aber in den Sternen", sagt Friedrich.

Zwar melden sich immer wieder Neumitglieder im Alter von Anfang bis Mitte 60. Dennoch werde es schwierig, wenn langjährige Mitstreiter aus Altersgründen ausscheiden. Auch Jüngere würden sich für Natur und Wandern interessieren. Ob sie aber im Verein mitarbeiten wollen, sei fraglich. "Vor dem Problem stehen viele Harzklubs. Patentlösungen gibt es nicht", so Friedrich.