Der Stadtrat hat die neue Friedhofsgebührensatzung beschlossen. Ab wann die Wernigeröder tiefer in die Tasche greifen müssen und ob eine Verlegung des Zentralfriedhofs eine kostengünstige Alternative wäre - darüber hat die Volksstimme mit Ordnungsdezernent Volker Friedrich und Gartenamtschef Frank Schmidt gesprochen.

Wernigerode l Im kommenden Jahr müssen sich die Wernigeröder und die Bewohner der Ortsteile auf veränderte Friedhofsgebühren einstellen. Der Stadtrat hat die neue Gebührensatzung am 3. Dezember beschlossen. Die Kosten für Bestattungen werden sich im Schnitt erheblich erhöhen. Ab welchem Datum die Gebührenänderung gilt, steht noch nicht fest. "Die Kommunalaufsicht des Harzkreises muss unsere neue Satzung zuerst genehmigen", informiert Ordnungsdezernent Volker Friedrich im Volksstimme-Gespräch.

Die Kommunalaufsicht war es auch, die eine Gebührenangleichung gefordert hatte (wir berichteten). Problem: Bisher sorgten die städtischen Friedhöfe stets für ein dickes Minus. Das heißt, für die Bewirtschaftung der Begräbnisstätten wurde deutlich mehr Geld ausgegeben, als durch Gebühren eingenommen wurde. Der Kostendeckungsfaktor lag in den vergangenen Jahren bei knapp über 50 Prozent. Fehlbeträge wurden durch Geld aus dem Stadtsäckel ausgeglichen. Das war von der Kommunalaufsicht angemahnt worden. Auftrag an die Verwaltung: Die Friedhöfe müssen kostendeckend bewirtschaftet werden.

"Wir haben die Friedhofsgebühren acht Jahre lang nicht verändert", sagt Volker Friedrich. "Deshalb fallen die Kostensteigerungen dementsprechend hoch aus." Das sei vielen Wernigerödern nicht bewusst. Auch die Mitglieder des Stadtrats taten sich schwer, eine neue Gebührensatzung zu verabschieden. Die Erhöhungen seien den Bürgern nicht zuzumuten, hieß es aus dem Gremium. Ein Jahr lang wurde in den Fachausschüssen diskutiert, zwei unterschiedliche Kalkulationen verworfen und sich letztendlich auf einen Kompromiss geeinigt.

Der größte Kostenpunkt ist nach wie vor die Bewirtschaftung des Wernigeröder Zentralfriedhofs an den Hängen des Eichbergs. "Mit dem heutigen Wissen würde man dort niemals einen Friedhof anlegen", sagt Gartenamtschef Frank Schmidt. Der Untergrund besteht aus Tonschiefer, die Schicht aus Mutterboden ist gerade einmal 30 Zentimeter tief. "Gruben müssen dort mit schwerem Gerät ausgehoben werden", sagt Schmidt. Dazu kommt ein 14 Kilometer langes Netz aus unbefestigten Wegen. "Unsere Fahrzeuge fahren dort immer nur bergauf und bergab. Kein Wunder, dass sie schneller verschleißen."

Weil zu erwarten sei, dass sich die "Gebührenspirale" immer weiter nach oben dreht, regten Sabine Wetzel (Grüne) und Dieter Kabelitz (Linke) in der jüngsten Stadtratssitzung an, über eine Verlegung der Begräbnisstätte nachzudenken. "Die Idee ist nicht neu", so Volker Friedrich. Schon nach der Wende und zuletzt im Jahr 2005 hatten die Stadtpolitiker darüber beraten. Sogar eine geeignete Fläche war damals gefunden worden: das Areal gegenüber Hagebau. "Die Pläne wurden jedoch nach langen Diskussionen wieder verworfen", sagt Volker Friedrich. "Wir hätten für 25 bis 40 Jahre zwei Friedhöfe parallel bewirtschaften müssen, bis alle Nutzungsrechte abgelaufen wären. Über Jahrzehnte hätten wir das nicht stemmen können. Die erhöhten Kosten hätten wir auf die Nutzergebühren umlegen müssen. Und das können wir keinem verkaufen."

Statt eine Verlegung voranzutreiben, sei damals versucht worden, die Kosten für den Zentralfriedhof einzudämmen. Unter anderem wurde die zu bewirtschaftende Fläche verkleinert. "Die Grabfelder zur Himmelpforte haben wir nicht neu belegt", informiert Frank Schmidt. Insgesamt seien zehn Prozent der Gesamtfläche stillgelegt worden. Die Wege wurden mit Kies und Schotter befestigt, einige gepflastert. Auch personell sei die größtmögliche Straffung erreicht worden.

"Darüber hinaus versuchen wir, preiswertere Angebote zu unterbreiten", so der Gartenamtschef. Anonyme Beerdigungen auf der Grünen Wiese hätten in den vergangenen Jahren ein enormes Wachstum verzeichnet. Der Trend gehe zudem zu pflegearmen Bestattungsformen. "Darauf haben wir reagiert und bieten Grabanlagen inklusive Pflege an."

Dagegen ist das Verstreuen der Asche eines Verstorbenen, so wie es beispielsweise in Bremen möglich ist, in Wernigerode nach wie vor undenkbar. "In Sachsen-Anhalt ist das nicht gestattet", sagt Frank Schmidt. Die Achtung der Totenruhe sei ein wichtiges Gut, das in der Gesetzgebung hohe Beachtung finde.