Während andere gemütlich Weihnachten feiern und ihre freien Tage genießen, hat Pfarrerin Heide Liebold aus Wernigerode in der Adventszeit Hochkonjunktur. Was ihre drei Kinder dazu sagen, und was sie sich selbst zu Weihnachten wünscht, verrät sie im Interview mit Volksstimme-Volontärin Sandra Reulecke.

Selten sind die Kirchen so gut gefüllt wie in der Weihnachtszeit. Für Pfarrer ist das viel Arbeit. Wie viele Gottesdienste halten Sie?

Dr. Heide Liebold: Zum Glück habe ich Unterstützung durch Kollegen, die Vertretungsdienste in den Seniorenheimen und auch einmal in der Johanniskirche leisten. So bleiben für mich vier Gottesdienste am Heiligen Abend - um 10, 15, 17 und 23 Uhr in der Wernigeröder Johanniskirche - sowie am zweiten Feiertag um 10 Uhr.

Welche Aufgaben haben Sie in der Adventszeit neben der Gestaltung der Gottesdienste?

Bei uns in der Johannisgemeinde startet die Adventszeit mit unserem großen Basteln für Kinder am Vortag des ersten Advents. Danach konzentrieren wir uns auf das Proben für das Krippenspiel. Bei der Anfertigung der Requisiten und Kostüme helfen begabte Mütter und unsere Mitarbeiterin im Bundesfreiwilligendienst. Bereits seit Wochen bereiten einige Gemeindemitglieder die Christnacht vor. Sie schreiben Texte, wählen Musikstücke aus und basteln die kleinen Geschenke, die am Ausgang verteilt werden.

Empfinden Sie den Advent als Stress oder genießen Sie ihn?

Weil so viele mithelfen, empfinde ich die Adventszeit mit ihren Vorbereitungen eher als Zeit der Vorfreude. Ein bisschen Stress gehört natürlich dazu.

Aber das hat Sie nicht davon abgehalten, Pfarrerin zu werden.

Nach dem Abitur habe ich zuerst Jura studiert. Irgendwann habe ich gemerkt, dass dies für mich persönlich noch nicht ganz die Erfüllung ist. Mit dem Wechsel zur Theologie hat sich dann alles richtig angefühlt. Das Theologiestudium und der Beruf der Pfarrerin sind sehr vielseitig, das finde ich besonders schön.

Und wie feiert eine Pfarrerin Weihnachten?

Mein Mann, unsere drei Kinder und die Großeltern helfen ganz viel mit, so dass trotz meiner Arbeit zu Hause alles schön geschmückt und ein festliches Essen vorbereitet ist. Bei uns gibt es am Heiligen Abend immer Kartoffeln, Sauerkraut und Würstchen, das lässt sich gut vorbereiten. Die Bescherung ist bei uns nach der zweiten Christvesper, vor der Christnacht.

Was sagt Ihre Familie eigentlich dazu, dass Sie an Weihnachten arbeiten müssen?

Die Familie kennt das nun schon seit einigen Jahren und hat sich darauf eingestellt. In meiner Kindheit war es nicht viel anders, nur mit dem Unterschied, dass meine Eltern keine Pfarrer, sondern Ärzte waren. So waren auch sie oft an den Feiertagen beruflich eingespannt, hatten Bereitschaftsdienst oder waren zu Hausbesuchen unterwegs.

Zum Thema Geschenke: Schenken Sie gern? Und was legen Sie unter den Tannenbaum?

Ich bereite anderen gern eine Freude, am liebsten mit solchen Geschenken, die zu einer gemeinsamen Unternehmung führen. Karten für ein Konzert, einen Kinobesuch oder einen Gutschein für einen gemeinsamen Stadtbummel mit Shopping - so etwas mögen unsere Kinder, die mittlerweile im Teenageralter sind. Was es genau dieses Jahr zu Weihnachten gibt, kann ich mit Rücksicht auf meine Kinder jetzt natürlich nicht erwähnen. Das weiß allein das Christkind.

Was wünschen Sie sich selbst zum Fest?

Wenn alle Gottesdienste gut gelungen sind, wünsche ich mir eine gemütliche Zeit mit meiner Familie. An einem der Feiertage nachmittags wünsche ich mir einen schönen Spaziergang durch den Wald oder ein Tennismatch mit meinem Mann.

Welche Weihnachtstraditionen wollen Sie Ihren Kindern vermitteln?

Die Botschaft der Engel lautet: "Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden." Ich denke, das ist eine ganz tiefe Sehnsucht aller Menschen, die auch Kinder schon spüren: Dass es zu Hause und in der Welt friedlich zugeht. Dass man mit sich selbst und der Umwelt im Reinen ist, so dass Frieden einziehen kann in die Herzen. Jeder kann in seinem Leben dazu beitragen, dass die Welt ein friedlicherer Ort wird.