Stephan Hemp hat ein besonderes Hobby. Neben seiner Arbeit gestaltet der Wernigeröder Feuerwerke. Was ihn an der Pyrotechnik fasziniert und wieso es manchmal brenzlig wird, das verrät der 36-Jährige im Gespräch mit der Harzer Volksstimme.

Wernigerode l Wenn in der Silvesternacht Raketen in den Himmel steigen, wenn die Explosionen von Böllern durch die Stadt hallen, dann zuckt Stephan Hemp nicht einmal. "Silvesterfeuerwerk aus dem Supermarkt reizt mich schon lange nicht mehr", sagt der 36-Jährige. Dabei ist er Pyrotechniker aus Leidenschaft. "Wissen Sie, ich habe das ganze Jahr über Feuerwerk. Da habe ich es zum Jahreswechsel gerne ruhig."

Das war früher anders. "Als Kind war für mich Silvester der Höhepunkt des Jahres", erinnert sich der Wernigeröder. "Am 1. Januar war ich immer tieftraurig, weil ich nicht mehr knallern durfte." Nicht nur von Raketen und Böllern sei er seit jeher begeistert gewesen. "Auch Feuer an sich fasziniert mich nach wie vor." So war es nur eine Frage der Zeit, bis er sich selbst als Feuerwerker versuchen würde.

"Ich habe das ganze Jahr über Feuerwerk. Da habe ich es zum Jahreswechsel gerne ruhig."

"Mein Onkel hat mich dafür begeistert". Dieser habe sich nach der Wende aus Spaß an der Freude zum Pyrotechniker ausbilden lassen, um Feuerwerke zu gestalten. "Irgendwann fragte er mich, ob ich ihm nicht helfen wolle. Ich durfte mit aufbauen, Einzelelemente verbinden, aber eben nicht zünden." 26 Mal unterstützte er seinen Onkel. Erst danach durfte er sich selbst zum allgemeinen Lehrgang anmelden. "Der Kurs dauerte fünf Tage." Dabei sei unter anderem vermittelt, wie sich Schwarzpulver zusammensetzt und wie man Effekte einsetzt. Am Ende stand eine Prüfung.

Was als Hobby begann, hat sich für Stephan Hemp inzwischen zu einem kleinen Nebenverdienst entwickelt. "Leben könnte ich davon nicht", sagt der 36-Jährige, der hauptberuflich für einen Automobilzulieferer tätig ist. "Aber es ist ein nettes Zubrot." So verschönerte er mit seinen Effekten in diesem Jahr beispielsweise das 150-jährige Jubiläum der Wernigeröder Feuerwehr und regelmäßig das Forellenfest in Ilsenburg. Auch für Hochzeiten und für Silvesterfeuerwerke von Hotels werde er gern gebucht.

Was macht für ihn ein gutes Feuerwerk aus? "Es ist ein Leichtes, eine Batterie hinzustellen, anzuzünden und dann auf Applaus zu warten." Das sei nur Geknalle und sehe gut aus. "Aber mir gefällt das nicht." Er halte mehr davon, die Einzeleffekte wie Sterne und Leuchtkugeln selbst zusammenzustellen.

"Die Arbeit darf niemals Routine werden. Es kann immer etwas schiefgehen."

Wichtig sei es, als Feuerwerker Respekt vor seiner Arbeit zu haben. Deshalb verzichte er bei seinen Einsätzen komplett auf Alkohol. "Das ist das Hauptproblem bei Silvester. Mit Alkohol im Blut agiert man anders, schätzt Dinge anders ein, als wenn man nüchtern ist." Außerdem halte er Sicherheitsabstände penibel ein und trage seinen Schutzanzug mit Helm und brandfester Kleidung. Bei Großfeuerwerken schütze er darüber hinaus immer sein Gesicht. Für einen Pyrotechniker dürfe die Arbeit niemals Routine werden. "Es kann immer etwas schiefgehen. Man muss mit allem rechnen."

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