Hochbeete für Pflanzen, die verschiedene Böden brauchen, ein Kräuterbeet und ein Insektenhotel - im Umweltgarten an der Thomas-Müntzer-Schule in Wernigerode kann man einiges über die Natur lernen. Dafür haben die Schüler der Klasse 9b und ihr Lehrer Michael Hartung den Umweltpreis der Stadt erhalten.

Wernigerode l Hinter dem Zaun auf dem Pausenhof der Thomas-Müntzer-Schule kommt die Natur zu ihrem Recht. Wo früher Asphalt den Boden bedeckte, stehen Bänke neben Hochbeeten. In der Mitte thront ein großer, runder Pflanzkübel. "Das war früher eine Feuerschale", erläutert Michael Hartung. Der Klassenlehrer der 9b hat zusammen mit seinen Schülern den Umweltgarten gestaltet. Idee und Umsetzung überzeugten die Jury, die dem Projekt den Umweltpreis der Stadt zuerkannte (Volksstimme berichtete).

Für das Areal haben sich Michael Hartung und seine 17Schüler einiges einfallen lassen. In der ehemaligen Feuerschale wachsen winterharte Freilandkakteen und Pflanzen, die in Steingärten gedeihen. In den vier Hochbeeten sind Gewächse zu Hause, die ganz unterschiedliche Bodenverhältnisse brauchen. "Wir haben Kalksteinboden vom Galgenberg, Sandboden, der aus Abbenrode stammt, und Waldboden aus Drei Annen Hohne", erklärt der Pädagoge. Er nutzt die Beete für den Biologieunterricht, der bei Bedarf nach draußen verlagert wird. "Hier kann ich zeigen, wie diese Pflanzen aussehen." Im vierten Beet wurden winterharte Kübelpflanzen eingesetzt.

Zu Schuljahresbeginn im September hat die Klasse drei Projekttage damit verbracht, die Beete in einem Winkel des Pausenhofs herzurichten. "Wir haben auch das Kräuterbeet bepflanzt", berichtet Schülerin Annika Braukhoff. Seitdem muss die 14-Jährige mit ihren Klassenkameraden regelmäßig für Ordnung sorgen - die Blätter wegharken, den Rasen mähen und die Hecken schneiden. Auch um das übrige Schulhof-Grün kümmern sich die Schüler. Was selbst gepflegt wird, wird geschätzt, so die Erfahrung von Michael Hartung. "Da geht niemand ran, es wird nichts zerstört." Ergänzt wird das Ensemble durch den alten Ernst-Thälmann-Gedenkstein der Schule. Zu Füßen des Pflanz-kübels liegen Granitsteine, die einst einen Brunnen auf dem Gelände eingerahmt haben.

Tatkräftig mitgeholfen bei dem Projekt hätten Mitarbeiter der KoBa und des Teutloff-Bildungszentrums, die den Asphalt von diesem Teil des Schulhofs entfernt und den Zaun gebaut haben, sowie der Schulhausmeister Andreas Hebecker, erklärt Hartung.

Bereits im Juli hatten die Schüler das dazugehörige Insektenhotel gebaut. In dem rechteckigen Holzkasten befindet sich ein buntes Durcheinander unterschiedlicher Materialien. Verschiedene Zapfenarten, Stroh, Äste, Schilf und Bambus sollen ein Zuhause für Wildbienen, Wespen, Käfer und Spinnen schaffen. "In die Fichtenstämme haben wir Löcher hineingeschnitten", berichtet Jeremy Modemann. Ob bereits Tiere eingezogen sind, sei schwer zu beantworten. "Zwei bis drei Jahre muss das hier stehen, bis etwas kommt", weiß Michael Hartung aus Erfahrung. Der Steinhaufen, der daneben aufgetürmt ist, liegt dort ebenfalls nicht zufällig. "Hier können sich Kleinstlebewesen ansiedeln", so der Lehrer. "Was noch fehlt, ist ein Vogelhaus", sagt Schüler Jeremy.

Mit dem Preisgeld, das die Klasse für ihr Projekt gewonnen hat, haben die Schüler sich übrigens einen Wunsch erfüllt. "Sie wollten gerne zum Weihnachtsmarkt nach Leipzig fahren", so Hartung.