In das Tauziehen um die geschlossene Toilettenanlage an der Brockenstraße kommt Bewegung. Nach der Berichterstattung in der Volksstimme gibt es von mehreren Seiten die Bereitschaft, an einem Runden Tisch mitzuwirken. Unklar ist jedoch, wer Initiator sein soll.

Wernigerode/Schierke l Ja, auf jeden Fall. Das sollten wir machen. Möglichst bald. So oder so ähnlich lauteten am gestrigen Mittwoch Reaktionen auf die nach der Volksstimme-Berichterstattung in Gang gekommene Debatte um die öffentliche Toilette an der Brockenstraße. Sowohl die Touristiker vor Ort als auch die Verantwortlichen in der Stadtverwaltung Wernigerode und in der Chefetage der Nationalparkverwaltung sind grundsätzlich bereit, sich an einen Tisch zu setzen, um gemeinsam nach Lösungen zu suchen. "Ich sehe da auf jeden Fall Gesprächsbedarf und werde mich kommende Woche darum kümmern", kündigte die Wernigeröder Tourismus-Chefin Erdmute Clemens an.

Die Geschäftsführerin der Tourist-Information hatte schon zuvor klare Worte gefunden und zum Handeln aufgerufen: "Wenn es darum geht, die sanitäre Situation insbesondere an der Hauptstraße rauf zum Brocken zu verbessern, müssen wir nicht übereinander reden, sondern miteinander." Am besten an einem Runden Tisch mit allen Beteiligten. Schließlich gehe es um nicht weniger als einen Imageschaden.

Hintergrund der Diskussion ist das Häuschen an der Brockenstraße. Es beherbergt eine Pumpstation, um Frischwasser zum Brocken zu pumpen. Zugleich wurde im Zuge der infrastrukturellen Erschließung des Brockens in den 1990-er Jahren darin eine öffentliche Toilette untergebracht. Diese wurde viele Jahre vom Nationalpark betrieben und im Herbst 2013 geschlossen (die Volksstimme berichtete am Mittwoch).

"Wir werden uns einer gemeinsamen Lösungssuche nicht verschließen."

Andreas Pusch, Leiter Nationalpark

Warum, versuchte Nationalparkchef Andreas Pusch am Mittwoch im Detail zu beleuchten: "Wir haben die Anlage damals wöchentlich reinigen lassen. Das war zu selten und wurde vom Kreis-Gesundheitsamt moniert. Nach Ansicht der dort Verantwortlichen müssten wir zweimal pro Tag putzen", so Pusch. Schon der Versuch, dafür Angebote zu bekommen, sei erfolglos geblieben. Deshalb habe die Nationalparkverwaltung die Anlage Ende 2013 geschlossen. Das sorgt bei vielen Wanderern für Kritik. Sowohl bei der Nationalparkverwaltung als auch bei Touristikerin Clemens gibt es Proteste.

Anders als Erdmute Clemens, die daraus einen klaren Bedarf für das WC-Häuschen ableitet, ist Pusch in der Bewertung eher vorsichtig. "Wir haben im ganzen Harz an Wanderwegen keine Toiletten." Gleichwohl räumt auch er ein, dass der Weg zum Brocken einen gewissen Sonderstatus habe, der nicht mit einem klassischen Wanderweg vergleichbar sei. Daher ist auch Andreas Pusch gesprächsbereit: "Wenn es darum geht, gemeinsam eine Lösung zu finden, werden wir uns dem nicht verschließen", betont er. Keineswegs könne es aber sein, dass der Nationalpark allein in der Pflicht sei.

Ähnlich die Reaktion im Rathaus Wernigerode: "Die Anlage gehört dem Nationalpark und liegt an einer Kreisstraße" - damit seien schon mal die grundsätzlichen Zuständigkeiten erkennbar, so Stadtsprecher Andreas Meling. Die Kommune mache in Sachen Tourismus schon sehr viel und unterhalte allein in Schierke drei Toiletten sowie WCs in öffentlichen Gebäuden. Einer Lösungssuche wollen sich auch die Wernige- röder nicht verschließen: "Man hat sich damals ja was dabei gedacht, als die Anlage gebaut wurde. Und wenn sie existiert, sollte sie auch offen sein. Und eigentlich wollen ja alle Beteiligten dasselbe", so Meling. Das sieht auch Schierkes Ortsbürgermeisterin Christine Hopstrock (CDU) so.

Wenn es um die Initiative für einen Runden Tisch geht, gehen die Blicke in Richtung Kreisverwaltung. Schließlich, so der Tenor, seien dort alle tangierten Ämter konzentriert. Aus der Kreisverwaltung war dazu am Mittwoch keine Stellungnahme zu bekommen.