In Kürze wetteifern Sänger aus aller Welt um die Rollen bei den Wernigeröder Schlossfestspielen. Im Volksstimme-Gespräch gibt Organisator Christian Fitzner einen Ausblick und schaut auf die Saison 2014 zurück.

Wernigerode l 3116 Musikinteressierte haben im vergangenen Sommer die Wernigeröder Schlossfestspiele besucht, informiert Organisator Christian Fitzner. Die Veranstaltungen seien im Schnitt zu 90 Prozent ausgelastet gewesen.

"Es war eine gute Saison", so der Chef des Philharmonischen Kammerorchesters. Und das, obwohl es das Wetter mit den Musikern und den Sängern nicht so gut meinte. Wegen der unbeständigen Temperaturen und des hohen Regenrisikos hätten nur zwei der sechs Opern-Vorstellungen auf dem Schlosshof unter freiem Himmel stattfinden können. Die anderen Male musste in den Fürstlichen Marstall umgezogen werden. "Der Marstall ist eine adäquate Ausweichstätte, aber die Leute wollen die Oper in der Atmosphäre des Schlosses erleben. Deshalb bin ich froh, dass wir die Zahlen aus den Vorjahren halten konnten."

Vor allem das Eröffnungskonzert, die Oper "Die verkaufte Braut" und die Wandelkonzerte seien gut angekommen. Auch die Familienangebote wurden gut genutzt.

"Im 20. Jahr der Schlossfestspiele wollen wir einen Reißer bieten."

Dagegen sei das Orgelkonzert auf weniger Resonanz gestoßen. "Das war ein bisschen schade", so Fitzner rückblickend.

Wie der Orchesterchef bereits im Dezember verraten hat, wird in der kommenden Saison die Oper "Martha" von Friedrich von Flotow im Mittelpunkt der Schlossfestspiele stehen (wir berichteten). "Im 20. Jahr der Schlossfestspiele wollen wir den Zuschauern einen Reißer bieten." Die Entscheidung sei ihm nicht leicht gefallen, nachdem beliebte Stücke wie "Die Zauberflöte", "Don Giovanni" und "Zar und Zimmermann" bereits gespielt worden sind. Mehrere Opern seien vorher in Betracht gezogen und dann wieder verworfen worden. "`Carmen` wäre eine Nummer zu groß, was die Besetzung der Sänger betrifft. Neben den Hauptrollen gibt es viele mittlere Rollen." Der Aufwand sei dafür einfach zu groß. "La Bohème" sei eine Winteroper, in der es schneit. "Und wir wollen im Sommer das Wetter nicht herausfordern", so der Orchesterchef schmunzelnd. "Die lustigen Weiber von Windsor" und "Martha" standen ebenso zur Debatte.

"Wir haben schon viele Anfragen für das Vorsingen im Frühjahr."

Letztlich habe man sich für "Martha" entschieden. "Die Zuschauer erwarten nicht Mord und Totschlag, sondern gute Unterhaltung und schöne Musik", sagt Christian Fitzner. Die Regie wird wie im vergangenen Jahr Karin Seinsche übernehmen.

Nachdem bei der "Verkauften Braut" die Solistenrollen an Studenten und Absolventen der Musikhochschule Hannover gingen, soll es in diesem Jahr wieder ein Vorsingen geben, kündigt Christian Fitzner an. "Würde ich erneut mit der Hochschule zusammenarbeiten, wäre der Stamm fast der gleiche." Er wolle die Sänger aber neu mischen, Talente aus der ganzen Welt nach Wernigerode holen. Die Solopartien seien eine große Herausforderung, teilweise sehr schwierig zu singen. "Wir haben schon viele Anfragen für das Vorsingen im Frühjahr. Ich hoffe auf 150 bis 200 Bewerbungen." Den Sängern aus Hannover habe er dennoch angeboten, sich zu bewerben.

Das Programm für die First Night und Last Night stehe noch nicht fest. "Ich bin gerade dabei, die einzelnen Bausteine zusammenzufügen", sagt Fitzner. "Auf jeden Fall soll es bunt werden."

Viele Farben verspricht auch das Kinderprojekt. Maximilian Ponader wird mit dem Orchester das Märchen "Der goldene Vogel" aufführen - als Regisseur und Schauspieler in einem. "Ein lustiger Typ. Er schlüpft dafür in verschiedene Rollen. Das Ganze ist eine Mischung aus Puppen- und Schauspiel." Ponader ist den Wernigerödern übrigens kein Unbekannter. Der Hamburger inszenierte "Don Giovanni" bei den Schlossfestspielen 2013.

Darüber hinaus seien in der kommenden Saison wie immer Wandelkonzerte und ein Serenadenkonzert geplant.

Eine Neuerung gibt es trotzdem: Christian Fitzner wird in Kürze die Opern für die Jahre bis 2018 verkünden. "Das haben wir bisher noch nie so gemacht. Aber dadurch können wir früher ausschreiben und uns längerfristig auf die jeweilige Oper vorbereiten."

   

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