Halberstadt/Wernigerode/Wegeleben l Feuerwehrleute mit Kettensägenschein waren am Freitag heiß begehrte Experten und praktisch im Dauereinsatz. Flächendeckend im Harzkreis entwurzelte Sturmtief "Elon" Bäume, die anschließend fachgerecht zerlegt werden mussten. Bis zum Abend kamen die Floriansjünger zwar kaum zum Luftholen - alle Einsätze gingen jedoch glimpflich aus. Meldungen über Verletzte oder größere Schäden wurden nicht bekannt.

Am Vormittag legte das Orkantief im Harz richtig zu. Passanten mussten sich gegen die Böen stemmen, in vielen Innenstädten "spielte" der Sturm mit leeren Mülltonnen und Gelben Säcken. Und nicht nur mit ihnen. In der Halberstädter Spiegelstraße wurde kurz nach 11 Uhr ein massiver Baum entwurzelt und krachte gegen die Fassade eines Hauses der Halberstädter Wohnungsgesellschaft (HaWoGe). Auch hier war eine ordentliche Portion Glück im Spiel: Passanten oder Autos wurden nicht tangiert, es blieb bei einem demolierten Fenster und Putzschäden.

Die Halberstädter Wehrleute leisteten Maßarbeit und zerlegten den gegen das Haus drückenden Baum ohne weitere Schäden. Für Kettensägenführer Guido Nücklaus war es der erste Dienst-Tag bei der hauptberuflichen Wachbereitschaft. "Super gemacht, Feuertaufe bestanden", bilanzierte Wachführer Uwe Pötsch nach erledigter Arbeit.

"Wir hatten heute hier oben Spitzen von 162 Kilometer pro Stunde."

Matthias Glenk, Wetterbeobachter auf dem Brocken

Der Einsatz in der Spiegelstraße war ein Mosaiksteinchen im stürmischen Gesamttageswerk. Immer wieder gingen die Alarmpieper. Am Bullerberg war ebenfalls ein Baum auf ein Gebäude gekippt. Im Kirchfeldring drohten Dachziegel von einem Haus zu fallen. Auch in Taubenstraße, Südstraße und der Plantage hielten Bäume dem Sturm nicht stand, sagte Einsatzleiter Bodo Fuckert. An der Hochschule Harz mussten lose Bleche vom Dach entfernt werden.

Auf der B 6 wurde der Sturm zwischen Wernigerode-Nord und -Zentrum einem Lkw-Fahrer zum Verhängnis. "Gegen 10.10 Uhr erfasste eine Windböe den leeren Hänger, der 22 Jahre alte Fahrer konnte nicht verhindern, dass sich das gesamte Gespann auf der Fahrbahn drehte, der Hänger umkippte und die Zugmaschine in den Graben rutschte", so Polizeisprecherin Anja Hempel. Der Fahrer kam mit dem Schrecken davon.

Einen gehörigen Schrecken bekam auch die Mieterin, die im Schützenhaus in Wegeleben wohnt. Am Mittag stürzte ein massiver Baum und sorgte für Schäden an Dach, Regenrinne und Fenster. "Kaum waren wir hier fertig, mussten wir zu einem umgestürzten Telefonmast und danach zur Unterstützung nach Harsleben", berichtete Wehrleiter Ulrich Müller. Dort hatte der Sturm ein Pappdach erwischt. 15 Kameraden aus Wegeleben hatten bis 15 Uhr gut zu tun.

Das galt auch für die Wehrleute in Wernigerode. Im Tagesverlauf fuhren sie 13 Einsätze, davon elf sturmbedingte, berichtete Sprecher Marco Söchting. Immer wieder auch hier: Bäume und lose Dachziegel. Von Bäumen und Probleme mit Dächern berichtete auch der Ballenstedter Ortswehrleiter Holger Kohl. "Wir hatten reichlich zu tun heute."

Zwischen Harzgerode und Mägdesprung kippte gegen 11 Uhr erst ein Baum um und ragte auf die Fahrbahn, wenig später stürzte eine große Fichte auf eine Oberleitung und ließ einen Strommast umknicken. Am Nachmittag galt es einen aus der Verankerung gerissenen Fahnenmast zu sichern.

Laut Einsatz-Leitstelle konzentrierten sich die Einsätze auf das gesamte Kreisgebiet - angefangen im Osten in der Stadt Falkenstein/Harz bis hinauf in den Oberharz. Entscheidend dabei: "Es gab keinerlei Personenschäden", so ein Sprecher am Abend.

In Halberstadt - und nicht nur dort - richten sich die Feuerwehren auf ein stürmisches Wochenende ein. "Wir haben den Einsatzleitwagen wie immer startklar", so Bodo Fuckert von der Wehrleitung.

Die Meteorologen rechnen mit weiteren Stürmen und orkanartigen Böen - auch im Flachland und schlimmstenfalls bis zum Ende kommender Woche. "Wir hatten heute hier oben Spitzen von 162 Kilometer pro Stunde", berichtete Wetterbeobachter Matthias Glenk von der Station auf dem Brocken. Auch am heutigen Sonnabend rechnet er dort oben mit bis zu 150 Kilometer pro Stunde und Spitzen von 100 Kilometer pro Stunde im Flachland. Im langjährigen Vergleich ist das freilich keine "Nummer": 1984 fauchte der Orkan mit 263 Sachen über die Brockenkuppe.

Schuld am aktuellen Wetter ist Orkantief "Elon", dem ab heute der stürmische "Felix" folgt. Für die kommenden Tage macht Wetterexperte Glenk der Region wenig Hoffnung: "Wir stehen vor einer wind- und niederschlagsreichen Woche."

   

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