Eine offenbar von Atomkraftgegnern auf einem B-6-Parkplatz inszenierte Protestaktion hat am Donnerstagmorgen bei Autofahrern und Polizei für Rätselraten und Irritationen gesorgt.

Von Dennis Lotzmann

und Jörg Niemann

Stapelburg l Ein Autofahrer war im Morgengrauen auf dem Weg zur Arbeit in Richtung Vienenburg unterwegs und hatte den Parkplatz Brockenblick angesteuert. Als er dort seinen Pkw verließ, staunte er nicht schlecht: Neben dem Abfallbehälter stand eine knallgelbe Blechtonne mit einem Atomsignet und auf den Bänken der Raststelle saßen zusammengesunken zwei offenbar verstrahlte "Opfer" in Form von Strohpuppen. Obwohl die Inszenierung offensichtlich war, erschrak der Mann erst einmal. Sekunden später griff er zum Telefon und kontaktierte die Autobahnpolizei.

Auch die Beamten, die kurz nach 8.15 Uhr vor Ort waren, reagierten erst einmal irritiert. Wenig später stand jedoch fest: Im vermeintlich mit strahlendem Atommüll bestückten Fass befand sich nichts außer eiskalter Luft. "Der Boden unten fehlte", berichtete Peter Pogunke, Pressesprecher des Harzer Polizeireviers in Halberstadt. Folglich sei binnen kürzester Zeit klar gewesen, dass vom Fass keinerlei Gefahr ausgeht und die vorsorgliche Sperrung des Parkplatzes wieder aufgehoben werden kann.

Gleichwohl tappt die Polizei bei den Hintergründen der seltsamen Aktion bislang im Dunkeln: Eine der Strohpuppen trug um den Hals ein Schild mit der Aufschrift "nicht-rückholbare Endlagerung". Ob dies möglicherweise mit der umstrittenen Atommüll-Endlagerung in Bergbauschächten in Niedersachsen zu tun haben könnte, ist unklar. "Uns sind weder Demonstrationen noch andere Aktionen bekannt, die irgendwelche Parallelen erkennen lassen", so Mike von Hoff von der Polizeidirektion Nord zur Volksstimme. Nach Pogunkes Worten ist formell der Tatbestand der illegalen Abfallbeseitigung erfüllt. Gleichwohl gehen die Ermittler eher von Schabernack aus. Die Gegenstände seien sichergestellt worden, hieß es.

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