Wernigerode l Rosenkohlblätter, Möhrenschalen, Radieschen, Weißbrot - die Leute meinen es gut und werfen Futter für die Enten und Schwäne in die Wernigeröder Teiche. Die Mitglieder des Vereins für Angler und Naturfreunde, die die Gewässer hegen und pflegen, sehen das sehr kritisch. "Enten fressen normalerweise keine Küchenabfälle", sagt Vereinschef Andreas Kempa. "Und mit einem Laib Brot haben die Wasservögel ebenfalls Schwierigkeiten."

Die Schalen und das aufgeweichte Brot würden stattdessen Ratten anlocken. Am Schreiberteich, wo Andreas Kempa regelmäßig angelt, sei es besonders schlimm. "Es ist normal, wenn nachts mal eine Ratte vorbeihuscht. Aber die Schädlinge sieht man inzwischen sogar tagsüber am Teich. Und an dieser Stelle spielen jeden Tag Kinder."

Wegen des Überangebots an Futter hätten sich nicht nur die Ratten in den letzten Monaten rasant vermehrt, sondern auch die Wasservögel selbst. Durch das ökologisch unsinnige Füttern würden sich die Tiere meist an wenigen Stellen konzentrieren, sagt Sabine Willgeroth vom Ordnungsamt. "Der immer enger werdende Lebensraum führt zu Dauerstress bei den Tieren. Durch den ständigen Kontakt mit verdorbenem Futter und Kot erhöht sich zudem das Risiko von Infektionen." Die mit Brot- und Speiseresten überfütterten Vögel könnten qualvoll an Fehlernährung, Stress und Krankheiten verenden.

Gefahr für Ökosystem

Der vermehrte Kot birgt noch weitere Risiken. Das gesamte Ökosystem des Gewässers sei in Gefahr. Durch die Exkremente werde der Teich überdüngt. "Es entsteht ein Überangebot an Nährstoffen, welche eine Eutrophisierung zur Folge haben kann", erklärt die Ordnungsamtsmitarbeiterin. Das Gewässer gehe dabei von einem nährstoffarmen in einen nährstoffreichen Zustand über. "Ist der Teich nicht mehr in der Lage, sich selbst zu reinigen, kippt er um und stirbt", so Sabine Willgeroth.

Wegen des Sauerstoffmangels könnten die Lebewesen im Wasser nicht überleben. Ein Fischsterben wäre programmiert. Deshalb weist Sabine Willgeroth darauf hin, das Füttern der Wasservögel an stehenden Gewässern zu unterlassen. Den Tieren stehe ausreichend natürliche Nahrung zur Verfügung stehen.