Die Ausflugsgaststätte Harburg soll zwangsversteigert werden. Das Gebäude ist in einem verwahrlosten Zustand. Ein Investor muss, wenn er das Lokal wiederbeleben will, die Abwasserprobleme in den Griff bekommen.

Wernigerode l "Ich war mit meinen Eltern früher oft hier." Markus Petermann hat mit seiner Familie einen Ausflug zur Harburg unternommen. Dass die frühere Ausflugsgaststätte oberhalb des Zwölfmorgentals in verwahrlostem Zustand ist, bedauert der 42-Jährige. Das könnte sich jedoch ändern. Die Harburg soll unter den Hammer kommen. Das Wernigeröder Amtsgericht bestätigt auf Volksstimme-Nachfrage, dass die Zwangsversteigerung eingeleitet wurde, das Verfahren aber noch am Anfang steht. Ein Termin sei frühestens im Frühjahr, eher zur Jahresmitte zu erwarten.

Die Stadtverwaltung Wernigerode rechnet damit, dass die Immobilie binnen sechs Monaten aufgerufen wird. "Wir betreiben die Zwangsversteigerung und hoffen, auf diesem Weg einen Investor zu finden", sagt Rüdiger Dorff, Wernigerodes Justiziar. Die bisherige Eigentümerin habe Schulden bei der Stadt - wofür und in welcher Höhe, darf Dorff nicht sagen.

Das Grundstück, auf dem die im 19. Jahrhundert erbaute Ausflugsgaststätte steht, gehört der Stadt. Das Gebäude selbst ist in Privateigentum. Nach der Wende wechselte es mehrfach den Eigentümer, bevor die Familie eines Wernigeröder Unternehmers die Harburg kaufte. Der 48-Jährige wollte die Traditionsgaststätte wieder beleben. Die Familie investierte nach seinen Angaben viel Geld in das Gebäude inklusive Ausstattung.

Ein Pächter betrieb die 435Meter hoch gelegene Gaststätte, gab aber nach kurzer Zeit auf. Die Familie habe das Gebäude dann privat genutzt. Der Grund für das Scheitern sei die Insolvenz seiner Ehefrau gewesen. "Die Harburg liegt mir weiter am Herzen", sagt der Wernigeröder. Deshalb will er bei der Zwangsversteigerung mitbieten.

Ein bisher nicht gelöstes Problem ist die Wasserversorgung und Abwasserentsorgung auf der Harburg. Die Gaststätte ist nicht an das öffentliche Kanalnetz angeschlossen. Ob die Drei-Kammer-Klärgrube, die nach Angaben der Eigentümer das Abwasser auffängt, ausreicht, ist unklar. Hauptamtsleiter Rüdiger Dorff geht davon aus, dass Investitionen nötig sein werden. "Dort gibt es kein leistungsfähiges System. Ein solches wird aber gebraucht, wenn die Gaststätte professionell betrieben werden soll." Diese Fragen müssten dann beantwortet werden, wenn ein neuer Investor konkrete Pläne vorlegen könne.

Um diesen zu finden, ist die Stadtverwaltung "lose" mit Interessenten im Gespräch. "Unser Ziel ist, dass das Objekt erhalten und öffentlich genutzt wird", sagt Dorff. Ein Gutachten liegt vor. Es bescheinigt der Immobilie einen Restwert von 31900Euro. "Die Schwierigkeit ist, dass der Gutachter nicht in das Objekt hinein kann", sagt Dorff. Erkennbar sei aber: "Der Zustand ist desolat."

Das ist von außen zu sehen. Fensterscheiben sind eingeschlagen oder mit Presspanplatten abgedichtet, die Eingangstür ist aufgebrochen worden. Vandalismus sei ein großes Problem, sagt Wernigerodes Ordnungsamtsleiter Gerald Fröhlich. "Wir lassen regelmäßig Fenster und Türen vom Bauhof verschließen." Auf den Kosten dafür ist die Stadtverwaltung bisher sitzen geblieben.