Wernigerode l Die bündnisgrüne Stadträtin Sabine Wetzel will Oberbürgermeisterin werden. Einstimmig wurde die 50-jährige Grundschullehrerin aus Wernigerode am Montagabend von ihren Parteifreunden nominiert.

Ursprünglich hatten die Grünen nicht vorgehabt, den parteilosen Amtsininhaber Peter Gaffert, der für die SPD antritt, herauszufordern. Dass jedoch Linke und vor allem die im Stadtparlament stark vertretene CDU keinen Gegenkandidaten aufstellen, hatte bei den Grünen Missfallen hervorgerufen. Lediglich die Piraten schicken mit Michael Miede einen Bewerber ins Rennen.

Peter Lehmann bezeichnete es als "echten Skandal", dass die großen Parteien unfähig seien, den Bürgern eine Alternative anzubieten. Das sei verantwortungslos. "Die großen Parteien sind für eine niedrige Wahlbeteiligung verantwortlich", sagte Wetzel, die nun selbst diese Alternative sein möchte.

Wetzel rechnet sich nicht unbedingt Chancen aus, die Wahl am 12. April zu gewinnen. Doch die Ergebnisse der Kommunalwahl, bei der die Grünen ihre Mandate von einem auf drei erhöht hatten, zeigten durchaus, dass nicht alle Wernigeröder mit der Stadtpolitik zufrieden seien. Die Grünen zeigten sich verwundert über das Verhalten der Christdemokraten. Die CDU habe vor den Kommunalwahlen mit kritischen Aussagen zur Stadtpolitik Stimmen gefangen. Davon sei mit dem Verzicht auf einen eigenen Kandidaten nichts mehr zu bemerken.

Bei den Wählern will Wetzel vor allem mit einer kritischen Begleitung der Ausbauprojekte in Schierke punkten. "Was dort an Umweltsünden passieren soll, ist erschreckend." Sie warf Gaffert vor, zugunsten dieser Projekte das städtische Tafelsilber zu verkaufen und damit den finanziellen Spielraum einzuengen. "Wernigerode sind auch Kindergärten, Schule, Breitbandversorgung, Verkehrsinfrastruktur und nicht zuletzt das Philharmonische Kammerorchester."

Sabine Wetzel tritt zudem für mehr Transparenz ein. "Die Verwaltung führt ein Eigenleben." Informationen gebe es nur spät und auf Nachfragen, eigene Ideen seien nicht erwünscht. Das sorge auch bei anderen Stadträten für Unzufriedenheit. Ihre Kandidatur habe somit das Ziel, die künftige Position des Stadtrats gegenüber der Verwaltung zu stärken.