Es gehört zum Sommer wie der Schnee zum Brocken - das Wernigeröder Altstadtfest. Doch nun ist es in Gefahr. Die Veranstalter drücken gestiegene Kosten für die Gema.

Wernigerode l Das Altstadtfest in Wernigerode steht auf der Kippe. "Wir sind in einer prekären Situation und müssen sehen, wie es weitergeht", sagt Festorganisator Michael Wiecker. Grund für das mögliche Aus des hochsommerlichen Vergnügens sind laut Wiecker die drastisch gestiegenen Forderungen der Gema. Die Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte vertritt die Rechte von Komponisten. Wer eines ihrer Werke aufführt, muss dafür Geld bezahlen.

Dagegen haben Wiecker und seine Mitstreiter vom Verein, der das Fest auf die Beine stellt, nichts einzuwenden. Dass die Forderungen in den vergangenen Jahren aber stetig gestiegen sind, hat ihnen die Festfreude dann doch verhagelt. "2014 ist es richtig teuer geworden", sagt Wiecker und spricht von rund 5000 Euro, die die Gema an Aufführungsgebühren verlangte - und das bei einem Festetat von nur 15000 Euro. Laut Wiecker werte die Gema neuerdings nicht nur den Marktplatz als Festareal, sondern auch die angrenzende Breite Straße.

Damit sei die Fläche, die die Berechnungsgrundlage für die Gebühren ist, von 1000 auf 5000 Quadratmeter gestiegen. Nachvollziehen kann Wiecker das nicht. Schließlich gebe es nur eine Bühne, auf der Musik gespielt wird, nämlich die auf dem Marktplatz. In der Breiten Straße stehen zwar Stände, aber ohne Musik.

Bezahlt hat der Altstadtfest-Verein das Geld noch nicht, sondern verhandelt mit der Gema. Es gebe mittlerweile einen umfangreichen Schriftwechsel, sagt Wiecker.

Ob er damit Erfolg hat, ist offen. Laut Gaby Schilcher von der Gema-Pressestelle gibt es mittlerweile höchstrichterliche Urteile, die das Abrechnungsprozedere absegnen. Bei einem Stadtfest genüge es nicht, nur die Fläche vor einer Bühne zu berechnen. Schließlich sei Musik ein wichtiger Faktor bei solch einem Ereignis und locke viele Besucher an, die über das ganze Gelände bummeln.

Laut der Gema-Sprecherin sei das Wernigeröder Festareal letztmals im Jahr 2011 vermessen worden. Die Forderungen seien gestiegen, weil das Fest um einen Tag verlängert wurde. Eine Aussage, die Wiecker doch arg verwundert. Das Altstadtfest habe schon immer am Freitagabend begonnen und bis Sonntag gedauert.

Michael Wiecker ist nicht der einzige Wernigeröder Veranstalter, dem die Gema Sorgen bereitet. Auch Ordnungsamtsleiter Gerald Fröhlich, der den Weihnachtsmarkt organisiert, sprach im Kulturausschuss von einer hohen Rechnung (Volksstimme berichtete). Er hat aber zumindest noch die Möglichkeit, auf die musikalische Hilfe von Schulchören zurückzugreifen oder Gema-freie Hintergrundmusik zu spielen. Diese Variante bietet sich für ein Ereignis wie das Altstadtfest nicht gerade an. Organisator Wiecker und seine Mitstreiter überlegen nun, wie es weitergeht. "2015 wird alles so bleiben", verspricht Wiecker. Aber alles Weitere ist ungewiss: "Wir müssen sehen, ob wir das weiterführen können. Bei den hohen Kosten ist das sinnlos."