Einladend wirkt der Bahnhof in Blankenburg nicht. Zugesperrt und mit vernagelten Fenstern steht das Gebäude seit Jahren fast ungenutzt da. Ein Zustand, den die Verwaltung nun ändern möchte. Unterstützung erhofft sie sich durch die Landespolitik.

Blankenburg l Willkommen in der Blütenstadt am Harz - für Reisende, die am Bahnhof ankommen, muss der Beiname Blankenburgs wie Hohn klingen: Das dreistöckige Gebäude ist verriegelt, die Fenster sind mit Brettern vernagelt, Unkraut wuchert und die Wände sind mit Graffiti beschmiert.

"Der derzeitige Zustand des Gebäudes ist einer Blütenstadt nicht würdig. Es ist Zeit, dass sich etwas ändert", sagt Hanns-Michael Noll. Der Bürgermeister (CDU) hofft, dass sich seriöse Interessenten für den Bau finden. Wichtig sei Noll, dass das Gelände wieder an Attraktivität gewinnt und Touristen wie Einheimische anspricht. "Öffentliche Toiletten fehlen vor Ort, die wieder vorzuhalten ist ein Muss." Auch sei von Seiten der Stadt eine gastronomische Einrichtung erwünscht. Der Bahnhof solle wieder zur Begegnungsstätte und ein Treffpunkt werden.

Verwaltung hofft auf private Interessenten

"Ein privater Investor ist unsere präferierte Variante", so der Christdemokrat. Angesichts der Haushaltslage sei dies wünschenswert. "Wir sichern einem potenziellen Eigentümer unsere volle Unterstützung zu."

Sollte sich kein Interessent finden, gibt es Überlegungen der Verwaltung, dass Gelände über kommunale Mittel zu kaufen. "Erste Konzepte, wie der Bahnhof wirtschaftlich genutzt und attraktiver werden kann, gibt es bereits", berichtet Hanns-Michael Noll. Unter anderem gehören eine Ausleihstation für Fahrräder und Mietwohnungen in den oberen Etagen zu den Plänen.

"Eine Investition lohnt sich jedoch nur, wenn sichergestellt wird, dass an der Stelle nachhaltig ein Verkehrsknotenpunkt bleibt." Derzeit wird die Bahnstrecke für den Pendelverkehr nach Halberstadt und von der Rübelandbahn genutzt. Vom Vorplatz aus fahren mehrere regionale Busse und die Stadtlinie ab. Von Seiten der Verkehrsbetriebe habe der Ortsvorsteher positive Signale erhalten.

Nun baut er zusätzlich auf Rückhalt der Landesregierung. Am 4. März kommt Sachsen-Anhalts Verkehrsminister Thomas Webel (CDU) nach Blankenburg. "Wir wollen uns vor Ort mit ihm einen Überblick verschaffen und Lösungsansätze besprechen", informiert Hanns-Michael Noll.

Deutsche Bahn hat Gelände bereits 2007 veräußert

Seit zehn Jahren verwahrlost das Blankenburger Bahnhofsgebäude, es ist bis auf einen kleinen Kiosk zur Straßenseite hin fast ungenutzt. 2007 ist das Haus von der Deutschen Bahn AG veräußert worden. "Die Stadt hat damals nicht ihr Vorkaufsrecht genutzt. Ein Fehler meiner Meinung nach", sagt Bürgermeister Noll. Käufer sei eine Holding-Gesellschaft gewesen.

Diese will den Blankenburger Bahnhof nun wieder abstoßen: An Fenstern des 1873 errichteten Gebäudes sind "Zu verkaufen"-Zettel angebracht. Als Vermittler ist die Main Asset Management GmbH mit Sitz in Schkeuditz vermerkt. Laut seiner eigenen Internetseite berät das Unternehmen bei der Entwicklung, der Vermietung und dem Verkauf von Immobilienobjekten und Liegenschaften. Unter anderem werden Eigentümer bei der Betreuung von mehr als 1000 Bahnhöfen in Deutschland aus ehemaligem Besitz der Deutschen Bahn AG unterstützt.

Bahnhof für 95 000 Euro im Internet angeboten

Auskunft zum Bahnhof in Blankenburg und dem derzeitigen Eigentümer hat Main Asset Management auf Volksstimme-Nachfrage nicht erteilt.

Aufschlussreicher ist ein Immobilienportal im Internet, auf dem der Bahnhof inseriert ist. Für einen Kaufpreis von 95000,00 Euro wird das denkmalgeschützte, 1479 Quadratmeter große Gebäude angeboten. Allerdings sind die Fotos, mit denen das Objekt angepriesen wird, alles andere als aktuell: Sie tragen einen Zeitstempel vom 25. Oktober 2010.

   

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