Seit 115 Jahren sind in Blankenburg Sanitäter für das Deutsche Rote Kreuz im Einsatz, um Menschen zu helfen. Doch jetzt ist der DRK-Ortsverein selbst zum Notfallpatienten geworden. Erst hat der DRK-Kreisverband Wernigerode den Verein ausgeschlossen, nun flatterte ihm die fristlose Kündigung seiner Räume in der Bergstraße ins Haus.

Blankenburg l "Es war ein Schock für uns", sagt Franziska Müller. Die zweite Vorsitzende des DRK-Ortsvereins Blankenburg/Harz und Umgebung hat von der Blankenburger Wohnungsgesellschaft die fristlose Kündigung der Vereinsräume in der Bergstraße 1a erhalten. Binnen vier Wochen sollen die Sanitäter mit ihrem gesamten Material ausziehen. Schon jetzt steht für den Vereinsvorstand um dessen Vorsitzende Nancy Karries fest: "Das ist in dieser kurzen Zeit nicht zu schaffen." Denn aktuell gebe es keinerlei Alternative, wo der Verein unterkommen könnte. Ausgerechnet im 115. Jahr des Bestehens einer DRK-Gruppe in Blankenburg steht es gar nicht gut um die Gemeinschaft, die sich in erster Linie um Menschen in Notlagen kümmert. Nun braucht sie selbst dringend lebenserhaltende Hilfe.

Dabei waren die ehrenamtlichen Sanitäter nach eigenem Bekunden auf einem guten Weg, die Versäumnisse ihrer alten Vereinsführung auszuräumen. "Es war eine schwierige Situation", erklären die Vorstandsspitzen, die im Mai vergangenen Jahres die Regie übernommen haben und von der Höhe der Schulden "völlig überrascht" gewesen seien. "Seither haben wir viel Energie und Zeit investiert und das Gelände in Ordnung gebracht", so Franziska Müller. "Wir haben gerade etwas aufgeatmet und wollten in die nächste Phase gehen." Die dringend notwendige Küchenrenovierung und der Aufbau eines modernen Apothekerschranks als Materiallager seien ad acta gelegt worden.

Nicht zuletzt ein Gespräch mit Bürgermeister Hanns-Michael Noll (CDU) am Dienstag hat den Sanitätern ihre Situation noch einmal deutlich vor Augen geführt. Hohe Mietschulden für ihr Domizil und ausstehende Zahlungen gegenüber den Blankenburger Stadtwerken seien nicht mehr hinnehmbar, so Noll gegenüber der Volksstimme. Zudem gebe es ernsthafte Interessenten für den Kauf des Areals in der Bergstraße 1a. Vor allem nach dem Ausschluss des Blankenburger DRK-Ortsvereins durch den Wernigeröder Kreisverband favorisiere er den Neuaufbau einer DRK-Ortsgruppe mit Unterstützung der Feuerwehr.

Die Helfer um Nancy Karries und Franziska Müller versichern derweil, diesen Schritt bereits getan zu haben - allerdings ohne den Wernigeröder Kreisverband, mit dem es bereits seit Jahren Auseinandersetzungen gibt. Mit Unterstützung des Goslarer Kreisverbandes hätten die Blankenburger ihre Sanitätsausbildung absolviert und würden nun über alle notwendigen Qualifikationen nach Bundesstandard verfügen. Aktuell würde ihr Ortsverein unabhängig arbeiten und direkt dem DRK-Landesverband unterstehen.

Dies wiederum zweifelt Erich Goedecke, Geschäftsführer des Wernigeröder Kreisverbandes, an. "Unser Vorstand ist im Dezember dem Antrag aus Blankenburg zum Austritt aus unserem Kreisverband gefolgt", sagt er auf Volksstimme-Nachfrage. Seit 1. Januar dürften die Blankenburger im Kreisgebiet keine DRK-Arbeit mehr anbieten. "Sie können als Sanitätsgruppe arbeiten, aber nicht als Deutsches Rotes Kreuz", erklärt Goedecke. Den Blankenburgern stehe allerdings frei, sich einem anderen Kreisverband anzuschließen. "Aber auch dort müssen sie sich an die bundesweit gültigen Regeln halten", so der Wernigeröder DRK-Kreischef.

Während sich die Blankenburger Sanitäter nun intensiv um ein neues Domizil im Stadtgebiet bemühen wollen, bereiten sie kurzfristig alles für den Auszug aus der Bergstraße 1a vor. Bereits für Sonnabend, 7. Februar, kündigen sie einen Hausflohmarkt an, bei dem alles verkauft werden soll, was künftig nicht mehr benötigt wird. Dazu zählen neben Bekleidung und Kinderspielzeug, das eigentlich für eine spätere Babysachenbörse gedacht war, auch Haushaltsgeräte und Kleinmöbel. Mit dem Verkauf soll der Umzug finanziert werden. Interessenten können von 12 bis 20 Uhr in der Bergstraße vorbeischauen.

   

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