Wernigerode l Zu einem wahren Krimi ist das Krimidinner im Gothischen Haus ausgeartet. Einem Teil der Gäste wurde am Sonnabend der Einlass zur Veranstaltung "Das Schreckensschloss" verwehrt.

"Am Eingang konnte man unsere Namen nicht auf der Gästeliste finden", schildert Stefan Bensing den Fall. Es habe sich herausgestellt, dass der Veranstalter, die Hazy Hartlieb Entertainment GmbH aus Wuppertal, Insolvenz angemeldet hatte. Die betroffenen Gäste hatten die Tickets bei externen Anbietern im Internet gebucht. Das Geld war bereits an den Veranstalter überwiesen worden und dadurch in die Insolvenzmasse geflossen. Die Karten hatten damit ihre Gültigkeit verloren. Die Veranstaltung fand dennoch statt, aber nur für die Gäste, die ihre Karten direkt im Gothischen Haus gekauft hatten.

"Alle anderen standen wie bestellt und nicht abgeholt vor dem Festsaal", berichtet Stefan Bensing. Besonders geärgert habe ihn, dass weder vonseiten des Veranstalters noch vom gastgebenden Hotel irgendetwas unternommen wurde, um die Gäste zu betreuen.

"Der Geschäftsbetrieb der Hazy Hartlieb Entertainment GmbH ist weitestgehend eingestellt", informiert Insolvenz-verwalter Dr. Mike Westkamp auf Volksstimme-Nachfrage. Bedauerlicherweise habe der Kundenservice der Wuppertaler Firma denjenigen Gästen, die aus insolvenzrechtlichen Gründen nicht an der Veranstaltung teilnehmen konnten, dies nicht mehr rechtszeitig mitgeteilt, so der Anwalt.

Antje Märker vom Gothischen Haus zeigt sich ebenso entsetzt über die Insolvenz des Veranstalters. "Das Krimidinner war seit Jahren eine etablierte Veranstaltung in unserem Haus und eine gelungene Ergänzung zum Kulturangebot der Stadt", sagt die Hoteldirektorin. Sie habe von der Insolvenz des Veranstalters gewusst. Der Insolvenzverwalter habe mitgeteilt, dass die Veranstaltung dennoch stattfinden könne. "Ich hatte jedoch keinerlei Kenntnis davon, dass einige Leute ihre Tickets im Internet bestellt hatten und dass diese nicht über die Insolvenz informiert wurden." Sie könne den Unmut der Betroffenen nachvollziehen. "Aber wir als gastgebendes Hotel haben das nicht zu verantworten", sagt sie. Den Vorwurf, die betroffenen Gäste seien nicht ordentlich betreut worden, weist Antje Märker entschieden zurück. "Ich stand den Wartenden von der ersten bis zur letzten Minute als Ansprechpartner zur Seite. Eine gastronomische Alternative konnte ich ihnen an diesem Abend aber nicht anbieten, denn wir waren voll besetzt."

Janin Wendt von der Hazy Hartlieb Entertainment GmbH bestätigt, dass die Schuld zu 100 Prozent bei ihrer Firma liegt. "Das Hotel ist als unser Kooperationpartner nur für den gastronomischen Teil zuständig und tritt nicht als Veranstalter auf. Hätten wir die Gäste trotzdem platziert, hätte dies zu einer rechtswidrigen Gläubigerbegünstigung geführt, die nach deutschem Insolvenzrecht untersagt ist."

Laut Wendt werde derzeit geprüft, ob eine Erstattung des Ticketpreises möglich sei. Eine endgültige Klärung sei in den nächsten Tagen zu erwarten. "Die Situation wird nicht ausgesessen. Wir lassen die Gäste nicht im Regen stehen."

Einigen Betroffenen ist das scheinbar zu wenig. Sie haben angekündigt, Anzeige zu erstatten.