Die Hospitälerstiftung sucht Spender. Die niedrigen Zinsen lassen die Erträge schwinden, es ist kaum Geld für soziale Projekte übrig.

Wernigerode l Der Blick ins Sparbuch verheißt nichts Gutes. Bei den derzeitigen Niedrigzinsen ist das Wort Rendite mehr Wunschtraum als Realität, viel Hoffnung auf Besserung besteht nicht. Das ist aber nicht nur für den Kleinsparer ein Problem, auch Stiftungen stehen vor stetig sinkenden Zinseinnahmen. So zum Beispiel die Hospitälerstiftung aus Wernigerode. Die vergibt alljährlich den mit 1000 Euro dotierten Bürgerpreis und unterstützt weitere gemeinnützige Projekte in der Stadt.

Doch das geht nur, wenn Geld in der Stiftungskasse klingelt. Die im Jahr 2000 gegründete Bürgerstiftung verfügt über ein Kapital von 125000 Euro, das nicht angegriffen werden darf. Lediglich die Zinserträge dürfen verteilt werden. Bei Zinsen von aktuell unter einem Prozent wären das also kaum mehr als 1000 Euro das reicht gerade mal für den Bürgerpreis, aber nicht für mehr. Das Ziel der Stiftung, durch finanzielle Unterstützung einzelner sozialer Projekte dem Gemeinwohl zu dienen, gerät damit ins Wanken.

Der Vorsitzende der Hospitälerstiftung, Wernigerodes Sozialdezernent Andreas Heinrich, kann sich noch an bessere Zeiten erinnern. Bis zu 6000 Euro pro Jahr konnten verteilt werden, eine Summe, die derzeit undenkbar ist. In der jüngsten Vergaberunde gab es zwar noch einmal 2300 Euro. Dies aber nur, weil die Stiftung die Rücklage, also das normale "Sparbuch", angegriffen hat. Diese Rücklage betrug rund 5000 Euro, doch das ist Vergangenheit. "Das Geld ist jetzt bald weg", sagt Heinrich.

Viel Spielraum hat die Hospitälerstiftung nun nicht mehr. Anders als normale Sparer, denen die Zinsen zu niedrig sind, darf eine Stiftung keine riskanten, aber einträglichen Geldgeschäfte tätigen. Aktien sind tabu, die Geldanlage muss "mündelsicher" sein, so der Fachbegriff. Auch Zustiftungen, also eine Erhöhung des finanziellen Grundstocks, kann Heinrich nicht empfehlen, so lange die Zinsen derart niedrig sind. Seine einzige Hoffnung, die Hospitälerstiftung handlungsfähig zu halten, sind Spenden. Dieses Geld dürfen Heinrich und seine Kollegen vom Stiftungsvorstand direkt weiter verteilen.

Zumindest ein potenzieller Geldgeber ist bereits in Sicht. "Ich habe die Hoffnung, dass uns ein Unternehmen aus der Stadt hilft", kündigte Heinrich an. Weitere Geldgeber sind aber stets willkommen. Wer von der Stiftung unterstützt werden möchte, muss einen Antrag stellen. Bis zu 7000 Euro hätte Heinrich jährlich verteilen können, mithin ein reiches Betätigungsfeld für Spender.

Das Zinsproblem kennt die Stiftung der Wernigeröder Stadtwerke ebenfalls. Allerdings hat diese Stiftung einen Spender, von dem sie regelmäßig mit einer stolzen Summe bedacht wird die Stadtwerke selbst. Ohne deren Zuwendungen könnte die Stiftung, deren Kapital bei rund 100000 Euro liegt, wenig ausrichten. "Das lohnt nicht", sagt Stadtwerke-Mitarbeiterin Katharina Graf. Das städtische Versorgungsunternehmen spendet aber jährlich rund 20000 Euro an seine eigene Stiftung. Nur deshalb kann diese bis zu 20 Projekte im Jahr fördern.