Der Feuerwehreinsatz am 10. Januar wegen eines Sturmschadens auf dem Dach eines Blankenburger Mehrfamilienhauses hat verwaltungsintern zu einem Eklat geführt. Grund ist eine Inventur der Warenbestände der Feuerwehr. Die Kameraden fühlen sich vor den Kopf gestoßen.

Blankenburg l Einen ungewohnten Zulauf an Zuschauern hat die jüngste Stadtratssitzung in Blankenburg erfahren. Mehr als 30 Feuerwehr-Männer und -Frauen aus mehreren Ortsfeuerwehren füllten die Plätze am Mittwochabend im Festsaal des Rathauses. Allen voran Stadtwehrleiter Werner Greif, der in der vorgezogenen Einwohnerfragestunde heftige Vorwürfe gegenüber der Stadtverwaltung äußerte. Konkret richtete sich seine Kritik gegen den Fachbereichsleiter Recht, Ordnung und Soziales, Philipp Eysel. Dieser hatte nach dem rund zehnstündigen Feuerwehreinsatz am 10. Januar, bei dem etwa 70 Einsatzkräfte den Absturz von Dachaufbauten auf einem Mehrfamilienhaus in der Herzogstraße verhindert hatten, eine Inventur der Warenbestände im Feuerwehrgerätehaus angeordnet.

Auslöser war der Kauf von 24 Paketen Kaffee, Dutzenden Gläsern Würstchen sowie alkoholfreien Getränken inklusive Pfand, die die Logistikgruppe der Feuerwehr an jenem Einsatztag in einem Großmarkt zur Verpflegung der Helfer beschafft hatte. Kostenpunkt: rund 440 Euro. Diese Summe sprengte augenscheinlich den normalen Rahmen. Laut Eysel habe die Ortswehr allein damit zwei Drittel ihres Jahresbudgets ausgegeben. Deshalb habe er am 21. Januar den Warenbestand durch eine Mitarbeiterin kontrollieren lassen. Was von dem Verwaltungsexperten zunächst als Routinevorgang eingeschätzt wurde, hat sich inzwischen zu einem handfesten Krach zwischen ihm und der gesamten Feuerwehr entwickelt.

"Die Art und Weise der kurzfristigen Kontrolle hat bei den Kameraden nicht nur zu Irritationen geführt, sondern zu Frustration", erklärte Stadtwehrleiter Werner Greif. Damit sei eine "rote Linie überschritten" worden. Ortswehrleiter Alexander Beck, der zugleich für die CDU im Stadtrat vertreten ist, sieht das Vertrauensverhältnis zwischen den Kameraden und der Verwaltung massiv gestört. "Einer der wichtigten Punkte der Feuerwehrarbeit ist Motivation. Und die ist nachhaltig beschädigt worden", erklärte Beck. Er hoffe, dass die gemachten Fehler der Verwaltung erkannt und korrigiert werden. So ließen sich Einsätze und Verpflegungskosten nicht planen, allenfalls nur schätzen. Gerade diese Schätzung sei im vorliegenden Fall ohne Beteiligung der Feuerwehr erfolgt. Die gute Praxis, gemeinsam mit Stadt- und Ortswehrleiter Themen zu besprechen, sei aus dem Fokus geraten, erklärte Beck weiter.

Konsequenzen gefordert

Rainer Selle, der für die Feuerwehr Derenburg ebenfalls der CDU-Stadtratsfraktion angehört, sprach von einem Imageverlust gegenüber allen Ortsfeuerwehren und rügte das Vorgehen der Mitarbeiterin, das von den Kameraden als "Hausdurchsuchung" empfunden worden sei. Selle regte sogar an, über disziplinarische Konsequenzen nachzudenken. "Die Moral ist nach dieser Aktion jedenfalls im Keller", merkte Marcel Bruch an, der mit seinen Kameraden die Ratssitzung verfolgt hatte.

Bürgermeister Hanns-Michael Noll (CDU) versprach, die offenen Fragen in einem gemeinsamen Gespräch zu klären. Er nehme die Kritik sehr ernst, betonte er. Enttäuscht zeigten sich die Kameraden der Blankenburger Wehr darüber, dass es am Abend kein persönliches Wort der Entschuldigung gegeben hat.

Das hat Philipp Eysel, der sich für die SPD um das Amt des Bürgermeisters bewirbt, am gestrigen Donnerstag nachgeholt. In einer Erklärung räumte er ein, dass die Kontrolle so nicht hätte vonstatten gehen dürfen. Sie hätten vorher besser kommuniziert und mit dem Stadtwehrleiter gemeinsam geplant werden müssen. "Die von mir veranlasste Inventur war deshalb ein Fehler, für den ich mich bei allen Kameraden der Ortswehr und Stadtwehrleiter Werner Greif entschuldige", so Eysel. "Die Feuerwehren leisten mit ihrer ehrenamtlichen Arbeit einen unschätzbaren Beitrag für unser aller Sicherheit und den sozialen Zusammenhalt in der Kernstadt und unseren Ortsteilen. Wie sehr ich diese Leistung jeder einzelnen Feuerwehrfrau und jedes einzelnen Feuerwehrmannes in unserer Stadt wertschätze und achte, habe ich durch meine Arbeit in den vergangenen acht Jahren in Blankenburg gezeigt und den Wehren jederzeit die größtmögliche Unterstützung zukommen lassen", erklärte er weiter. "Daran hat sich nichts geändert und daran wird sich nichts ändern. Wenn ein anderer Eindruck aufgrund meines Fehlers entstanden ist, dann bedauere ich dies zutiefst."