Quedlinburg/Wernigerode l Rätselraten und Entsetzen bei Polizei und Rettungskräften nach einem schweren Unfall auf der B 6 bei Quedlinburg. Dort hatte eine 23 Jahre alte Frau aus Aschersleben am Sonnabend gegen 18.30 Uhr zwischen den Anschlussstellen Hoym/Nachterstedt und Quedlinburg-Ost die Kontrolle über ihren Wagen verloren. Der Toyota der jungen Frau kam laut Autobahnpolizei aus noch ungeklärter Ursache nach rechts von der Fahrbahn ab, überschlug sich mehrmals und landete im erhöhten Böschungsbereich abseits der Fahrbahn. Dabei wurde die Frau in ihrem Wagen eingeklemmt und schwer verletzt, so eine Polizeisprecherin.

Glücklicherweise konnte das Unfallopfer noch selbst den Notruf wählen. Tragischerweise war es der jungen Frau jedoch nicht möglich, dem Team in der Rettungsleitstelle ihre genaue Position mitzuteilen. Deshalb lösten die Verantwortlichen sofort einen größeren Alarm aus, um sie möglichst schnell zu finden.

Nach den Worten von Holger Mücke, Sprecher der Quedlinburger Feuerwehr, wurden neben den Quedlinburgern auch die Ditfurter Wehrleute alarmiert. "Weil die junge Frau vage davon gesprochen hatte, in westlicher Fahrtrichtung bereits die Abfahrt Quedlinburg-Ost passiert zu haben, konzentrierten wir uns bei der Suche auf den Abschnitt zwischen Quedlinburg-Ost und Quedlinburg-Zentrum. Während die Ditfurter samt Rettungswagen die westwärts führende Richtungsfahrbahn abfuhren, suchten die Quedlinburg in östlicher Fahrtrichtung", beschreibt Mücke Details der Suche.

Die blieb im genannten Abschnitt allerdings erfolglos. "Letztlich entdeckten wir Quedlinburger noch weiter in östlicher Fahrtrichtung, also zwischen Hoym und Quedlinburg-Ost, die Unfallstelle", so Holger Mücke. Die verunglückte Frau hatte sich beim Notruf offenbar geirrt. Sie war schon rund einen Kilometer vor der Ost-Abfahrt von der Straße abgekommen.

Und: Die Rahmenbedingungen, sie schnell zu finden, seien ungünstig gewesen, berichtet Mücke. Ein schwarzer Toyota, der in der Dunkelheit und offenbar ohne Zeugen von der Fahrbahn abgekommen und vergleichsweise weit oberhalb der Fahrbahn zum Liegen gekommen war. "Noch hinter dem Wildschutzzaun. Letztlich half uns, dass sich die Frau mit einer Taschenlampe oder der Lampe ihres Mobiltelefons bemerkbar machte", so der Wehrsprecher.

Der Rest war für die Retter Routine. Die hilflose 23-Jährige wurde aus dem Wrack herausgeschnitten, kam ins Klinikum Quedlinburg und wurde nach Volksstimme-Informationen später aufgrund ihrer schweren Verletzungen mit einem Rettungshubschrauber in eine Spezialklinik verlegt. Die B 6 war während der Rettungsarbeiten teilweise voll gesperrt.

Die Helfer hatten, bevor sie das Opfer eher zufällig entdeckten, bereits eine Handyortung aktiviert. "Dabei konnte die Position auf einen Umkreis von rund 1000 Metern eingegrenzt werden", so Holger Mücke. Das sei zwar ein Hilfsmittel, allerdings ein vergleichsweise ungenaues.

Das bestätigt Kai-Uwe Lohse von der Rettungsleitstelle Harz: "Eine Handyortung, die die Polizei auf Anforderung veranlassen kann, ist in solchen Fällen nur der zweitbeste Weg." Dabei erfolge eine Kreuzpeilung zwischen Funksendemasten. Während in Städten aufgrund der Vielzahl von Masten die Position relativ genau ermittelt werden könne, sei das Prinzip außerorts entsprechend ungenauer.

"Weitaus besser sind GPS-Daten, die mithilfe von Smartphon oder Navigationsgerät exakt erfasst werden können", stellt der Chef der Leitstelle Harz klar. Eine Option, bei der er insbesondere junge Leute mit modernen Mobilgeräten als Zielgruppe sieht: "Mit einer solchen GPS-Ortungs-App auf dem Smartphon können Verletzte ihren Standort extrem präzise und fast metergenau angeben und uns die Suche nach der Unfallstelle erleichtern", erklärt Lohse.

Für den Chefmanager in der Leitstelle ist der Nutzen derartiger Hilfsmittel unbestritten: "Fragen Sie mal jemanden, der in unbekanntem Terrain unterwegs ist, nach seinem genauen Standort." Und selbst in bekannten Gebieten sei darauf kein Verlass. "Im Notfall kommen Unsicherheiten, der Faktor Vergesslichkeit und Schock-Situationen hinzu."

Perspektivisch sollen derartige Ortungssysteme in Fahrzeugen zur Regel werden. In vielen Neufahrzeugen ist es heute schon Standard, dass Alarmmelder fest integriert sind. Entweder auf manueller Basis oder - bei modernen Fahrzeugen - automatisiert: "Löst der Airbag aus, spricht der Gurtstraffer an oder melden Sensoren einen Fahrzeug-Überschlag oder ein abruptes Abbremsen von hohem Tempo auf Null, gehen sofort Alarmmeldungen raus", erklärt Lohse das Prinzip. Jene Unfallmeldungen würden dann gekoppelt mit den exakten GPS-Daten an die Retter gesandt.

"Bislang betreiben noch die einzelnen Anbieter und Fahrzeugbauer eigene Call-Center, in denen die Notrufe eingehen und von dort an die zuständigen Leitstellen weitergeleitet werden", skizziert Kai-Uwe Lohse den Ist-Stand. "Wir sind aber bereits dabei, die Rettungsleitstelle entsprechend nachzurüsten, um diese automatisierten Notrufe direkt zu empfangen." Das sei längst keine Zukunftsmusik von übermorgen, sondern bereits greifbar nah. "Und damit wird es noch optimaler, weil ein Glied in der Meldekette wegfällt."

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