Die Kosten für das Verwaltungspersonal sind der größte Posten im Wernigeröder Haushalt. Daran lässt sich wenig ändern. Die Stadt würde gern mehr jüngere Leute einstellen, hat aber nur wenige Stellen anzubieten. Das könnte mittelfristig zum Problem werden.

Wernigerode l 582 Vollzeitstellen zählt die Wernigeröder Stadtverwaltung derzeit. Dies berichtete Wernigerodes Hauptamtsleiter und Justiziar Rüdiger Dorff unlängst im Finanzausschuss. Dort stellte er den Stellenplan vor, der Teil des Haushaltsplanes für das laufende Jahr ist.

Auf knapp 26,5 Millionen Euro belaufen sich die Ausgaben für das städtische Personal - das ist mit Abstand der größte Posten im Etat 2015 und ein wenig mehr als im vergangenen Jahr, als knapp 25,9 Millionen Euro für die Mitarbeiter geplant waren. An der Summe lässt sich nach Aussage von Dorff nicht allzu viel ändern. Die Mehrkosten seien vor allem auf die Bestimmungen des Kinderförderungsgesetzes (Kifög) zurückzuführen. In den Kindertagesstätten wird deshalb zusätzlich Personal gebraucht. "Wir haben mehr Erzieherinnen, als die Verwaltung Mitarbeiter hat", erklärt Dorff.

2,65 Vollzeitstellen spart die Verwaltung in diesem Jahr laut Plan ein. Das liegt daran, dass die Verträge der Mitarbeiter, die eigens für den Sachsen-Anhalt-Tag eingestellt worden sind, auslaufen. Weitere Gründe sind die Umstrukturierung des Stadtforstes und der Abschied von Kollegen, die in Altersteilzeit gegangen sind. "Gemessen am Haushaltsvolumen steigen die Personalkosten immer weiter. Man kann nur in kleinen Schritten dagegen halten", sagt Rüdiger Dorff.

Ein Problem, mit dem sich die Stadtverwaltung auseinandersetzen muss, ist der demografische Wandel. "Mit Ende 40 sind wir nicht die jüngste Verwaltung, liegen aber im deutschen Durchschnitt", sagt Dorff. Das bedeutet, dass sich in den kommenden Jahren zahlreiche Mitarbeiter in den Ruhestand verabschieden werden - möglicherweise auch vorzeitig. "Die Rente mit 63 ist für viele Kollegen attraktiv", weiß Dorff. Seit Sommer 2014 seien auf diesem Weg bereits 15 Mitarbeiter vorzeitig ausgeschieden. "Das führt zu einer Verjüngung der Verwaltung, stellt uns aber auch vor Probleme. Letztlich geht Erfahrung verloren", so Dorff.

Der Nachwuchs wiederum rückt nicht in gleichem Maße nach. Die Stadt hat in 23 Jahren 90 junge Leute ausgebildet. Für 2015 ist der Abschluss von neuen Lehrverträgen für drei Verwaltungsfachangestellte, drei Gärtner und einen Fachangestellten für Bäderbetriebe geplant. Die Qualität der Bewerbungen sei aber nicht immer ausreichend. "Und die Bewerberlage wird insgesamt nicht besser", sagt Dorff. Deshalb plädiert er dafür, gute Leute, die in der Verwaltung anfangen möchten, einzustellen - auch wenn nicht genügend Stellen ausgeschrieben sind. Umgekehrt sei es schon vorgekommen, dass Stellen nicht besetzt wurden, wenn es keine qualifizierten Kandidaten gab.

Allen Absolventen bietet die Stadtverwaltung im Anschluss an die Ausbildung einen Ein-Jahres-Vertrag an. Doch bei einer Wochenarbeitszeit von 32Stunden und einer Eingruppierung in die Gehaltsstufe 5 seien junge Mitarbeiter nicht immer zu halten - obwohl die drei besten von ihnen einen unbefristeten Vertrag erhalten. "Gut ausgebildete Kräfte, die anderswo eine Stelle bekommen und mehr verdienen, sind weg", sagt Dorff. Bei den Erzieherinnen sei der Bedarf inzwischen aber so groß, dass Neulinge grundsätzlich unbefristet eingestellt werden.

Bewegung komnmt in absehbarer Zeit in die Führungsetage der Stadtverwaltung. Zwei Dezernenten werden in den kommenden Jahren ausscheiden, was laut Personalkonzept "Spielraum für strukturelle Veränderungen" biete. Damit sind Überlegungen gemeint, die Stelle eines Beigeordneten an der Verwaltungsspitze zu schaffen. 2015 spiele dies aber noch keine Rolle, so Rüdiger Dorff.

Veränderungen könnte es an anderer Stelle geben - im "Wildpark Christianental". Fünf Vollzeitstellen sind im dort angesiedelt, der Bauhof und das Sachgebiet Grünanlagen arbeiten ebenfalls mit, heißt es im städtischen Personalkonzept. "Der Wildpark ist ein sehr begehrtes Ziel der Wernigeröder. Eine Schließung kommt nicht infrage", betonte Dorff. Denkbar sei aber eine Privatisierung mit Anschluss an die Park und Garten GmbH, die den Bürgerpark betreibt.

"Bei Altersstruktur und Entlohnung sind wir sehr handgenäht", sagte Ordnungsdezernent Volker Friedrich über die städtische Tochtergesellschaft. Er mahnt: "Wir müssen dort stabilisieren, um vernünftige Arbeitszeiten und Gehälter zu erreichen." Man müsse prüfen, in welchen Bereichen ein Zusammengehen Sinn habe. "Wir sollten nicht Gebilde bauen, die gut gemeint sind, aber nicht funktionieren."