Einen knappen Monat vor der Bürgermeisterwahl in Quedlinburg gibt es bei den Sozialdemokraten handfesten Krach: Das bisherige Parteimitglied Bettina Ringel-Owczarzak kandidiert bei der Wahl gegen SPD-Kandidat Bernd Skudelny. Dem drohenden Parteiausschluss will sie zuvor kommen.

Quedlinburg l Eine Frau, drei Männer und ein handfester innerparteilicher Zoff: So stellt sich das Sammelsurium rund um die Oberbürgermeisterwahl am 22. März in Quedlinburg aus Sicht der Sozialdemokraten dar. Bis zum 23. Februar war der Haussegen noch weitestgehend in Ordnung, Stunden später hing er mächtig schief.

Auslöser war besagte Frau im Quartett, dessen Mitglieder am 22. März Amtsinhaber Eberhard Brecht (SPD) beerben wollen: Bettina Ringel-Owczarzak, ihres Zeichens Besitzerin eines SPD-Parteibuches, schickte sich an jenem Montag an, dem Wahlleiter ihre Bewerbungsunterlagen vorzulegen. Was an sich nichts Gravierendes ist, würde das langjährige SPD-Parteimitglied damit nicht gegen den von der SPD offiziell gewählten OB-Kandidaten Bernd Skudelny antreten. Und bei einer solchen Gegenkandidatur haben die Sozialdemokraten klare Regeln im Statut: den Parteiausschluss.

Allerdings reagiert der Quedlinburger SPD-Ortsvereinschef Andreas Steppuhn nur bedingt empört. Im Gegenteil: Bettina Ringel-Owczarzaks persönlichen Ambitionen scheinen bei den Genossen beinahe mit unterschwelliger Freude registriert zu werden: "Auch wenn es bedauerlich ist, dass es Menschen gibt, die eindeutige innerparteiliche demokratische Entscheidungen nicht akzeptieren, verspüren wir aktuell eher eine große Erleichterung innerhalb der SPD, da damit das Thema Bettina Ringel-Owczarzak absehbar erledigt ist", findet Steppuhn überraschend deutliche Worte.

Anlass dafür ist die Vorgeschichte, die sich aus Steppuhns Sicht so darstellt: Bettina Ringel-Owczarzak habe schon seit Längerem signalisiert, bei der anstehenden OB-Wahl als SPD-Kandidatin ins Rennen zu gehen. "Allerdings habe ich ihr in der Vergangenheit mehrfach zu verdeutlichen versucht, dass ich im Ortsverein keine Mehrheit für ihre Kandidatur sehe", so Steppuhn am Dienstag zur Volksstimme.

Am Ende habe sich Bernd Skudelny parteiintern - und ganz demokratisch - als Kandidat dem Votum der Quedlinburger SPD-Mitglieder gestellt. "Frau Ringel-Owczarzak ist bei der entscheidenden Kandidatenkür auch nicht gegen Bernd Skudelny angetreten", so An-dreas Steppuhn.

Aus Ringel-Owczarzaks Perspektive betrachtet, klingt das ganz anders. Die 57-jährige Ex-Lehrerin und Versicherungsfachfrau spricht von Intrigen und einer innerparteilichen Schlammschlacht und Mobbing gegen sie. Daher habe sie nach der Kommunalwahl 2014, bei der sie trotz eines hinteren Listenplatzes ihr Stadtratsmandat verteidigt habe, mit dem parteilosen Matthias Kirsch die Zwei-Personen-Fraktion "Freie Fraktion Quedlinburg" gebildet.

Trotz jener Konkurrenz zur SPD-Fraktion habe sie das Parteibuch aber behalten - "weil ich hinter dem SPD-Programm stehe", wie sie sagt. Das wiederum habe ihr ein SPD-internes Ausschlussverfahren eingebracht, das nach ihrem Widerspruch momentan ruhe.

Die Aneinanderreihung von wundersamen Konstellationen innerhalb des Stadtrates und bei der bevorstehenden Bürgermeisterwahl lässt sich fortsetzen: Auch fraktionsintern pflegt Bettina Ringel-Owczarzak eine, wie sie sagt, "gesunde Konkurrenz". Während sie als Kandidatin der Liste "Zukunft für Quedlinburg" antritt, will Fraktionskollege Matthias Kirsch bei der OB-Wahl am 22. März als parteiloser Bewerber ins Rennen gehen.

Wie auch immer das fraktionsinterne Kräftemessen ausgeht - für SPD-Ortschef Steppuhn ist das Maß mittlerweile voll: Er will Bettina Ringel-Owczarzak nun ultimativ vor die Wahl stellen: Kandidatur oder Parteiaustritt. Die Post sei schon vorbereitet: Binnen Wochenfrist soll die Parteifreundin erklären, auf die Kandidatur oder die Amtsannahme zu verzichten. Andernfalls, so Steppuhn, werde sie aus der SPD ausgeschlossen.

Ein Schreiben, mit dem Bettina Ringel-Owczarzak längst rechnet. Und dem sie zuvorkommen wolle, wie sie sagt: "Bevor ich ausgeschlossen werde, trete ich nach 21 Jahren lieber selbst aus. Was jedoch nicht heißt, dass ich später nicht wieder eintrete."