Mehrere Ski-Langläufer aus dem Harz sind vor wenigen Tagen bei der neunten Auflage der Moonlight-Classic-Wettkämpfe auf der Seiser Alm in Südtirol gestartet. Im 15-Kilometer-Rennen schnitt ein Friedrichsbrunner als bester Deutscher ab. Und nicht nur dort punkteten die Harzer.

Harz/Friedrichsbrunn/Seiser Alm l Wenn im Harz Schnee liegt und rund um Friedrichsbrunn der Name Nordhaus fällt, ist im Prinzip fast alles sofort klar. Logisch, dass es um irgendwas mit Ski gehen muss. Vornehmlich um die schmalen Bretter für Langläufer. Offen ist allein, ob sich das Thema um Udo oder Sigmar dreht. Was wiederum eine gewisse Logik hat. Schließlich "grassiert" das Ski-Langlauf-Virus seit Jahren in der Familie Nordhaus. Spätestens wenn die Landschaft wieder weiß eingezuckert ist, bricht die "Krankheit" aus. Dann klettern die Brüder Udo und Sigmar in den kleinen Pistenbully und ziehen auf den Friedrichsbrunner Wiesen und im Wald frische Loipen für Langläufer. Und steigen - so oft es die Zeit erlaubt - selbst auf die schmalen Bretter. Nicht nur vor der eigenen Haustür oder im Oberharz, sondern auch in internationalen Loipen.

In letzteren waren sie jüngst unterwegs. Und ganz passabel, wie sie nicht ohne Stolz berichten. Bei der neunten Auflage des Moonlight-Classic auf der Seiser Alm in Südtirol waren die Nordhaus-Brüder zusammen mit vier weiteren passionierten Langläufern aus dem Harz in der 15-Kilometer-Distanz gestartet. Mit großem Erfolg: Sigmar Nordhaus brillierte bei dem legendären Nachtrennen als bester Deutscher mit Rang 23 unter insgesamt 187 Startern. Alle weiteren fünf Harzer holten Ränge unter den ersten 100 Platzierten.

Dass sie sich auf die weite Reise bis in die Südtiroler Dolomiten machen, stand für die Freizeitsportler schon seit Langem fest. "Zum Glück meinte es Petrus gut mit uns und schickte rechtzeitig Schnee nach Friedrichsbrunn, sodass wir vorab noch mal aktiv trainieren konnten", erinnert sich der 50 Jahre alte Sigmar Nordhaus, der einst auf der Sportschule in Oberhof trainierte.

Das Training in der klassischen Langlauf-Parallel-Technik kurz vor dem Start in Norditalien war mit Blick auf die Resultate bares Gold wert. Schließlich gehen auf der Seiser Alm Starter aus der ganzen Welt ins Rennen - wahlweise über 15 oder 30 Kilometer und auf jeden Fall mit vorgeschriebener Stirnlampe. Was der Sicherheit in der Loipe und dem eigenen Sehvermögen geschuldet ist, avanciert ganz nebenbei zum Garant für grandiose Fotos und unvergessliche Lichtimpressionen für die Zaungäste auf der Seiser Alm.

Für das Harzer Sextett, das erstmals beim Nachtrennen dabei war und auf der 15-Kilometer-Distanz startete, eine unvergessliche Nacht, wie Sigmar Nordhaus euphorisch berichtet. Und ein sportliches Ergebnis, das sich sehen lassen kann: Fast 600 Starter gingen über die 15 und 30 Kilometer langen Strecken in die Loipe. In der 15-Kilometer-Runde war der Tscheche Jiri Rocarek mit 34:55 Minuten der Schnellste, Sigmar Nordhaus passierte als 23. exakt zehn Minuten und elf Sekunden später als schnellster Deutscher die Ziellinie.

Und: Die sechs Harzer hatten nach dem nächtlichen Rennen längst noch nicht genug. Ganz nach dem Motto: Wer Hunderte Kilometer auf Autobahnen unterwegs ist zu einem Langlauf-Skirennen, sagt nicht nur A sondern auch B, starteten sie vier Tage später noch mal im Südtiroler Toblach. Beim klassischen Rennen über 30 lange Loipen-Kilometer ging es von der Nordic-Arena in Toblach ins Fiames-Sport-Nordic-Center in Cortina d´Ampezzo.

"Ein Rennen, das mit einem Fotofinish beendet wurde", berichtet der 63-jährige Udo Nordhaus. Ganz knapp nur verpasste Giorgio Di Centa den Sieg und überließ Mattia Pellegrin die Trophäe der 38. Ausgabe des Toblach-Cortina-Laufes nach einer Stunde, 26 Minuten und drei Sekunden Kampf .

"Wegen Schneemangels in den unteren Lagen war die Distanz von 42 auf 30 Kilometer verkürzt worden. Doch auch die waren für die Teilnehmer aufgrund des starken Windes eine absolute Herausforderung", erinnert sich Sigmar Nordhaus. Trotzdem gingen über 1000 Sportler aus 22 Nationen ins Rennen. Darunter waren allein 330 Norweger. Noch stärker vertreten als die "Wikinger" waren nur die Gastgeber aus Italien.

Erst waren die 3,3 Kilometer der Weltcup-Strecke in Toblach zu absolvieren. "Aus dieser schweren Runde kommend ging es rund 20 Kilometer lang pausenlos bis auf 1600 Meter Höhe - fast immer auf der früheren Trasse einer stillgelegten Bahnstrecke", erinnert sich Sigmar Nordhaus. "20 Kilometer ohne die kleinste Abfahrt und ohne eine Sekunde der Erholung machten aus dem Rennen einen harten Kampf - auch weil der Wind die Loipen ganz schnell wieder mit Schnee füllte und das Vorankommen an einigen Stellen sehr schwierig war."

Aber: Das Harzer Sextett hat durchgehalten bis zum Finish. Bei den Herren belegte Sigmar Nordhaus den 165. Platz (1:59:39 Stunde). Die Platzierungen der weiteren Harzer: Mario Fricke (Platz 210), Matthias Hinze (235), Bernd Kubiak (272) sowie Reimund Freystein (304) und Udo Nordhaus auf Platz 311 mit 2:14:56 Stunden.

Für die Nordhaus-Brüder und die vier Mitstreiter zwei unvergessliche Erlebnisse, die nicht die einzigen bleiben sollen: "Das war traumhaft - beim zehnten Nachtlauf auf der Seiser Alm wollen wir 2016 auf jeden Fall wieder starten."

 

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