Das Internet in Wernigerode soll schneller werden. Diesen Wunsch gibt es schon lange. Hans-Martin Schulze von Harz-Optics ist vorsichtig optimistisch, dass es bald gelingen könnte.

Wernigerode l Das schnelle, oder nach Meinung vieler, zu langsame Internet in der Wernigeröder Innenstadt hat jetzt auch den Wahlkampf erreicht. Die Sozialdemokraten und Kandidat, Oberbürgermeister Peter Gaffert (parteilos), hatten für Montagabend zur öffentlichen Diskussionsrunde zum Thema "Breitbandversorgung" eingeladen. Fachmännisch begleitet wurde der Abend von Ulrich Fischer-Hirchert, dem Leiter des Breitbandzentrums, und von Andreas Sack von SP Heuer und Sack.

Aber zuerst kam die politische Wertung. Zwar habe die Landesregierung ein zweites, 110-Millionen-Euro schweres Förderprogramm aufgelegt, aber dennoch: "Sachsen-Anhalt trägt die rote Laterne", sagte Gaffert über den Stand der Breitbandversorgung im Land. Bayern, Baden-Württemberg, aber auch Sachsen seien in dieser Hinsicht bereits weiter.

Das hat Folgen. "Wirtschaftlich hängt viel dran", sagte Fischer-Hirchert, der mit seinem Unternehmen Harz-Optics, einem An-Institut der Hochschule Harz, den Breitbandausbau in der Region organisiert. Die Problem bei der Förderung : Zum einen reichen die 110 Millionen Euro bei weitem nicht aus, um flächendeckend tätig zu werden. Fischer-Hircherts Mitarbeiter Hans-Martin Schulze nannte tags darauf im Volksstimme-Gespräch die Summe von 100 Millionen Euro, die allein für den Landkreis Harz an Fördermitteln notwendig seien. Zum anderen werden nur Kommunen mit weniger als 20000 Einwohnern gefördert. Dafür ist Wernigerode zu groß. Doch "durch geschicktes Agieren" ließen sich die Gebiete so zuschneiden, dass auch die Innenstadt in den Genuss von Fördermitteln für den Netzausbau kommen könne, so Andreas Sack.

Möglicherweise geht es aber auch ohne finanzielle Hilfe vom Land. Hans-Martin-Schulze ist nicht nur von der Stadt beauftragt, die für eine eventuelle Fördermittel-Vergabe notwendige öffentliche Ausschreibung des Netzausbaus vorzunehmen. Er ist auch für andere Kommunen der Region sowie den gesamten Landkreis Harz tätig. Die Ausschreibung für den Landkreis ist am weitesten gediehen und kann in den nächsten Tagen veröffentlicht werden. Dann haben potenzielle Anbieter, also Telekommunikations-Unternehmen, zwei Monate lang Zeit, ihr Interesse an einem Ausbau zu bekunden. Erst wenn sich niemand findet, also ein so genanntes Marktversagen vorliegt, können öffentliche Fördergelder beantragt werden. Doch das ist nicht Schulzes vorrangiges Ziel. "Das ist eine ernstzunehmende Ausschreibung, und wir hoffen auf ernstzunehmende Reaktionen." Bei einer solchen Ausschreibung müssen die Unternehmen schriftliche Angebote abgeben, welchen Ort oder welchen Stadtteil sie ausbauen wollen. "Das bringt auf jeden Fall was."

Schulze hat dabei die Hoffnung, dass sich auch für Wernigerode ein Anbieter findet. Dennoch wird er, wie vom Stadtrat beschlossen, eine Ausschreibung für Wernigerode vornehmen, um auch hier die Marktlage zu testen und gegebenenfalls Fördermittel zu beantragen zu können.

Dazu gibt es zwei Möglichkeiten. Entweder ein Anbieter baut ein Netz auf, das in seinem Besitz verbleibt. Oder die Kommune selbst verlegt Leerrohre und ein Unternehmen mietet diese dann an. Diese Variante hätte den Vorteil, dass allem Glasfaserkabel zum Einsatz kämen, die deutlich schnellere Internetverbindungen ermöglichen als herkömmliche Kupferkabel. "Das wäre ideal", sagt Andreas Sack. Er kennt aber auch die Nachteile dieser Lösung. "Wir müssten dann anfangen, unsere schönen Straßen wieder aufzubuddeln." Deshalb benötige die Stadt zunächst ein Gesamtkonzept.