Seit 15 Jahren unterstützen sie die Patienten - die Grünen Damen und Herren im Wernigeröder Harzklinikum. Doch die Ehrenamtlichen plagen Personalsorgen. Neue Mitstreiter werden dringend gesucht.

Wernigerode l Manchmal reicht ein kurzes Gespräch, ein Streicheln der Hand oder ein kleines Lächeln, damit ein kranker Mensch wieder Hoffnung schöpft. Den Grünen Damen ist es ein Anliegen, Hoffnung zu verbreiten - auch im Harzklinikum.

Seit 15 Jahren existiert die Gruppe in Wernigerode. Ins Leben gerufen wurde der ehrenamtliche Besuchsdienst vom ehemaligen Pfarrer und Seelsorger Matthias Schmidt. "Die damalige Geschäftsleitung des Klinikums war sehr offen für diese Idee", erinnert er sich. Seither versucht er mit seinen Mitstreiterinnen, den Patienten den Aufenthalt im Krankenhaus zu erleichtern.

"Ich sehe Krankenhäuser als Orte der Sehnsucht", sagt Schmidt. "Sehnsucht nach Leben und Gesundheit." Oft würden die Patienten aber auch von Ängsten und Unsicherheiten geplagt. "Wir gehen zu diesen Menschen und schenken ihnen ein bisschen Zeit", sagt Marlies Krebs, die sich seit fast zehn Jahren als Grüne Dame engagiert. Dafür brauche man Menschenkenntnis und Einfühlungsvermögen "Wichtig ist, dass man nicht ständig von sich erzählt. Unsere Aufgabe ist das Zuhören." Sie selbst sei aus Dankbarkeit zur Gruppe gestoßen", sagt Marlies Krebs. Sie sei vor einigen Jahren schwer krank gewesen, konnte aber geheilt werden. "Diese Dankbarkeit vor dem Leben und vor Gott will ich weitergeben", so die ausgebildete Krankenschwester.

Die Grünen Damen arbeiten eng mit den Ärzten und Schwestern und darüber hinaus mit Krankenhausseelsorgerin Ulrike Hackbeil zusammen. "Die Schwestern weisen uns auf Patienten hin, die sich über einen Besuch freuen würden", sagt Matthias Schmidt. Die Begegnungen seien so unterschiedlich wie die Menschen selbst. "Es gibt kurze Gespräche, aber auch intensive Unterhaltungen, bewegende Lebensgeschichten", so der ehemalige Pfarrer. "Und viele Überraschungen." Einmal habe ihn eine alte Dame um eine saure Gurke gebeten, weil sie diese an ihre Kindheit erinnerte. "Das sind die kleinen Wünsche kurz vor dem Sterben, die wir gern erfüllen." Es sei eine schöne Aufgabe, so Marlies Krebs. Zwar fühle sie sich manchmal klein, im Vergleich zur Last, die andere zu tragen haben. Gleichzeitig werde einem so viel gegeben. "Man geht reicher aus dem Zimmer hinaus als hinein."

Aber die Grünen Damen und Herren haben Sorgen. "Wir sind nur noch zu fünft, das ist zu wenig", sagt Matthias Schmidt. "Über neue Mitstreiter würden wir uns freuen." Interessierte könnten über die Pflegedirektion des Harzklinikums mit der Gruppe in Kontakt treten. Und die Ehrenamtlichen haben noch einen Herzenswunsch: einen Raum der Stille, in den Angehörige sich zurückziehen und Ruhe von Verstorbenen Abschied nehmen können.