Wie schätzen die Wernigeröder die Fahrradfreundlichkeit ihrer Stadt ein? Wolfgang Strauhs, Chef des ADFC-Kreisverbandes, wertet den aktuellen Fahrradklimatest aus. Sein Fazit: "Nicht schlecht, aber es ist noch Luft nach oben."

Wernigerode l Ob auf gemeinsamen Geh- und Radwegen, in der Fußgängerzone oder auf der Straße - Radfahrer gehören in Wernigerode zum Stadtbild dazu. Doch wie schätzen die Radler die Fahrradfreundlichkeit der Stadt ein? Aufschluss gibt der aktuelle Fahrradklimatest des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC).

"Wernigerode hat die Note 3,22 erreicht", sagt Wolfgang Strauhs, Chef des ADFC Kreisverbands Ostharz. Damit habe sich die Stadt im Vergleich zum Jahr 2012 (3,37) leicht verbessert. In der Stadtgrößenklasse von Gemeinden unter 50000Einwohnern belegt Wernigerode den 49. Platz von insgesamt 292 getesteten Städten. "Das ist erst einmal nicht schlecht", sagt Strauhs. "Aber eine 3 ist nicht der Brüller. Da ist noch Luft nach oben."

Anhand von 27 Schwerpunkten konnten Wernigeröder die Fahrradfreundlichkeit ihrer Stadt beurteilen. Positiv bewertet wurde beispielsweise die Erreichbarkeit des Stadtzentrums (2,1), Einbahnstraßen, die für Radler auch in der Gegenrichtung freigegeben sind (2,2) sowie die Orientierung mit Hilfe von Wegweisern (2,3).

Kritisiert wurde unter anderem die oftmals geringe Breite der Radwege (3,8) sowie die Vorbeiführung an Baustellen (4,1). Besonders problematisch findet Strauhs das gern an Baustellen verwendete Schild "Radfahrer absteigen". "Und danach sollen sie sich auflösen? Dieses Schild gibt es laut Straßenverkehrsordnung überhaupt nicht", so Strauhs.

Verbessert habe sich dagegen die Möglichkeit, Fahrräder in Regionalbussen zu transportieren. "Zwei Räder dürfen mitgenommen werden. Und es war ein langer Kampf, das durchzusetzen." Zufrieden ist Strauhs mit der Lösung nicht. "Was ist, wenn eine Familie mit drei oder vier Fahrrädern an der Haltestelle steht? Bleiben die dann stehen?"

Ein weiterer Kritikpunkt für Wolfgang Strauhs sind die Abstellmöglichkeiten für Fahrräder in der Innenstadt. "Die vorhandenen Ständer sind toll, keine Felgenkiller. Aber es sind einfach zu wenig."

Außerdem wünscht sich der ADFC-Kreischef den Ausbau der Fahrradstraße bis zum Holfelder Platz. "Dann hätten wir ab der Schönen Ecke eine durchgehende Umgehung der Nöschenröder Straße."

Auch in der Wernigeröder Stadtverwaltung stieß das Ergebnis des Fahrradklimatests auf Beachtung. "Das verkehrspolitische Ziel der Stadt ist es weiterhin, eine Stärkung des Fahrradverkehrs in Verbindung mit dem Öffentlichen Personennahverkehr und dem Fußgängerverkehr vorzunehmen", sagt Rathaussprecher Andreas Meling auf Volksstimme-Nachfrage. Bei allen Bauprojekten werde schon während der Planung auf die Anforderungen des Radverkehrs geachtet. Darüber hinaus arbeiten die Mitarbeiter des Stadtplanungsamts gerade intensiv an der Neuaufstellung eines landesweiten Fahrradkonzeptes mit.

Die Resonanz auf den Fahrrad-Meckerbriefkasten an der Stadtecke sei im vergangenen Jahr verschwindend gering gewesen, so Andreas Meling. Gerade einmal zwei Briefe seien eingegangen. "Wir werten das aber als positives Zeichen für eine wachsende Zufriedenheit."