Frauenquoten sind in aller Munde, aktuell vor allem die in den Aufsichtsräten. Dass zunehmend auch Frauen in die Chefetagen von Schützenvereinen Einzug halten, zeigen drei Beispiele aus dem Raum Wernigerode. Kreisweit werden derzeit sechs Schützenvereine - von insgesamt 107 - von Damen geleitet.

Wernigerode l "Frauen leisten in unseren Vereinen eine ebenso gute Arbeit wie die Männer", sagt Wolfgang Luks, 1. Vizepräsident des Landesschützenverbandes Sachsen-Anhalt, im Volksstimme-Gespräch.

Aber noch immer hätten es die Damen mancherorts schwerer. Schließlich seien die alteingesessenen Schützenvereine jahrhundertelang von Männern geleitet worden, sagt Luks. Da braucht es auch die aktive Unterstützung der männlichen Seite. Die habe er als vormaliger Schützenvereinschef in Reddeber selbst geliefert, indem er für seine Nachfolge mit Anke Lauing die erste Frau im Amt der Vorsitzenden des Schützenvereins Reddeber 1870 e.V. protegierte.

"Es war anfangs nicht einfach", sagt Anke Lauing. Und sie ergänzt, dass es immer mal wieder "Holzköpfe" gegeben habe, die sie nicht akzeptieren wollten. "Die Akzeptanz wuchs, als auch die Kritiker sahen, dass ich ausschließlich im Interesse des Vereins handele."

Zunächst jedoch habe es tatsächlich Austritte aus dem Schützenverein gegeben, nachdem Anke Lauing 2007 deren Chefin wurde. "Die Mitgliederzahlen sind zwischenzeitlich sogar höher als die beim Ausgangsniveau", sagt die Reddeberanerin sichtlich erfreut. Bei allen schwierigen Seiten überwiege für Anke Lauing das Positive: "Schon in meiner Kindheit habe ich das Schützenfest in Reddeber geliebt." Mit dieser Tradition sei sie aufgewachsen und wolle diese der Nachwelt erhalten.

"Manchmal habe ich eine andere Feinfühligkeit."

Angela Dienst, Derenburg

Respekt musste sich auch Elke Meyer erst erarbeiten. Die "Taugetreckte" ist erst seit 2006 Mitglied bei der Schützengesellschaft Hasselfelde 1672. Seit fünf Jahren leitet sie den Verein. Mangel an Führungsnachwuchs bewog Meyer zur Übernahme des Postens. Anerkennung habe sie sich auch mit der Umstellung des Schützenfestes erworben. "Gemeinsam mit meinem Mann konnte ich viele Ideen in die Tat umsetzen", sagt Elke Meyer. Vor allem die Sponsoren des Vereins wüssten die kommunikativen Vorzüge des weiblichen Geschlechts zu schätzen. Die Vorsitzende: "Ich pflege zu unseren Sponsoren einen persönlichen Kontakt. Das kommt gut an." Und die Kommunikationsstärke sei außerdem beim Zusammenbringen der Vereinsmitglieder vorteilhaft. Als schönsten Moment im Kontext mit dem Schützenwesen bezeichnet Elke Meyer die Königs- proklamation.

Etwas anders verlief der Weg zu den Schützen bei Angela Dienst. Die heutige Vorsitzende des Schützenvereins Derenburg ging lange Zeit ihrem Vater zur Hand, der viele Jahre Schützenmeister war. Angela Dienst wirkte schon lange Zeit im Vereinsvorstand mit und war Stellvertreterin des Derenburger Schützenvereins. Nachdem die Leitungsfunktion plötzlich frei wurde, rückte Dienst als Vertreterin an die erste Stelle auf und wurde 2011 Schützenmeisterin und damit die Chefin des Vereins. Dienst wird von ihren Vereinsmitgliedern vor allem wegen ihrer ruhigen und sachlichen Art geschätzt, und das hat Auswirkungen auf das Miteinander. "Manchmal habe ich eine andere Feinfühligkeit", sagt Derenburgs erste Schützin.

Einig sind sich alle drei Frauen, dass sie dank ihrer leitenden Vereinsarbeit selbstbewusster geworden sind. Alle drei hätten sich verändert und scheuen keine Konflikte mehr, wie sie sagen. Anke Lauing, Elke Meyer und Angela Dienst versuchen, alle Vereinsmitglieder gleich zu behandeln. Anderen Frauen möchten sie den Mut geben, ebenfalls Verantwortung in führender Position in einem Verein zu übernehmen.