Wernigerode l Es durftet nach Brötchen und Kaffee, die Tische eingedeckt mit Blumen und Servietten, angeregte Gespräche: Man fühlt sich wie in einem Café zur Frühstückszeit. Der Eindruck täuscht. Die rund 30 Besucher sind keine zahlenden Gäste. Sie sind bedürftig.

Zwei Mal in der Woche, montags und mittwochs, erhalten sie in den Wintermonaten im Haus Gadenstedt in Wernigerode um 9Uhr eine kostenlose Mahlzeit. Das letzte Frühstück dieser Saison findet am 1. April statt.

In den vergangenen Monaten sind es mehr Gäste gewesen, als in den Vorjahren, berichtet Hildegunde Fischer. Sie ist Mitglied des 14-köpfigen Wärmestuben-Teams. Wer die Neuen sind und warum sie auf das Essen angewiesen sind, wisse sie nicht. "Wir fragen nicht nach", sagt Hildegunde Fischer. "Was wir wissen: Sie fühlen sich bei uns wohl."

Damit das so ist, treffen sich die Ehrenamtlichen an den Frühstücks-Tagen um 7.30Uhr. Sie decken ein, füllen Kannen und Brotkörbe. Nach dem Essen wird aufgeräumt und gespült. Wer welche Aufgaben hat, ist strikt organisiert. Auch wer einkauft, muss geklärt sein.

Finanziert wird die Wärmestube durch Spenden. Seit Jahren gehört die Hasseröder Brauerei zu den Förderern. Am Mittwoch überreichten Mitarbeiter wieder einen Scheck über 1000 Euro. "Es wurde auf der Weihnachtsfeier gesammelt. Wir als Unternehmen haben die Summe verdoppelt", sagt Geschäftsführer Uwe Treetzen.

Neben Firmen spenden Privatpersonen, auch solche, die selbst nicht viel haben, berichtet Hildegunde Fischer. Sie und das Team seien sehr dankbar für die Unterstützung.

Denn so war es nicht immer. "Früher mussten wir regelrecht betteln", erinnert sich Hanna Kolbe. 1996 wurde die Wärmestube ins Leben gerufen, damals als Anlaufstelle für Obdachlose. Mit den Jahren hat sich das Klientel geändert. "Hauptsächlich sind es nun alleinstehende Rentner", berichtet Hildegunde Fischer.