Es sollte schon längst da sein, doch die Benzingeröder warten noch immer auf schnelles Internet im Ort. Jetzt hat sich ein Anbieter gefunden, aber nicht alle sind zufrieden.

Benzingerode l Das Unternehmen SP: Homann ist außerhalb seines Firmensitzes Uetze-Hänigsen wohl nur Fachleuten aus der Telekommunikationsbranche bekannt. Dort, in der Nähe von Hannover, versorgt Chef Cord Homann mit seinem Team unter dem Namen "FNOH-DSL" Dörfer wie Schwüblingen, Adelheidsdorf und Eicklingen mit schnellem Internet. Bald soll auch Benzingerode dazukommen - und das liegt bekanntlich weitab von Hannover. Dennoch hat sich Homann zum Ziel gesetzt, den Einwohnern des Wernigeröder Ortsteils einen langgehegten Wunsch zu erfüllen: Noch in diesem Jahr sollen sie per superschneller Datenleitung ans weltweite Netz angeschlossen werden. Übrigens nicht von Homann alleine: Regionaler Kooperationspartner ist mit Heuer Sack ein Wernigeröder Unternehmen, das in der Stadt selbst massiv am Ausbau des Telekommunikationsangebotes beteiligt ist.

Offiziell wissen das die Benzingeröder noch gar nicht, weder FNOH-DSL noch Heuer Sack haben sich ihnen als neuer Dienstleister vorgestellt. Zeit genug hätten sie gehabt: Um die Jahreswende hatte Homann bei der Bundesnetzagentur beantragt, das Benzingeröder Netz ausbauen zu dürfen. Mit diesem Antrag hat er das Monopol im Ort, muss aber innerhalb eines Jahres tätig werden. Mit seinem Antrag sollen die Niedersachsen im Übrigen einem Großen der Branche zuvorgekommen sein: Die Telekom wollte den Ortsteil ebenfalls mit schnellem Internet versorgen. Ortsbürgermeister Gert Schlegel spricht von mehr als 200 Vorverträgen, die die Telekom mit den Benzingerödern abgeschlossen haben will. Bereits im Mai hätten die ersten Anschlüsse am Netz sein sollen.

Das liegt nun auf Eis, die Telekom kann nicht weiterbauen. Die Flaute im weltweiten Netz soll aber nur vorübergehend sein, sagt Homann. "Wir wollen noch in diesem Jahr fertig werden." Dann sollen die Benzingeröder per VDSL 50000, also 50 Mbit, versorgt werden. Ob allerdings die Daten per Funk oder über Datenleitung ins Ortsnetz eingespeist werden, das ist noch unklar. Diese Aspekte müssten in den nächsten Wochen erst geklärt werden. Erst dann kann Cord Homann den Benzingerödern auch im Detail sagen, was sie für ihren Internetanschluss bezahlen müssen. Eines weiß er aber jetzt schon: "Es werden marktübliche Preise sein und keine Mondpreise." Letztlich dürften sich laut Homann die Tarife an denen der Telekom orientieren.

Andreas Sack, Mit-Geschäftsführer von Heuer Sack, geht davon aus, dass er sich den Benzingerödern bald selbst mit seinen Ausbauplänen vorstellen kann. "Innerhalb der nächsten acht Wochen gibt es eine Einwohnerversammlung." Dann könnten die noch offenen Fragen geklärt werden. Nur eines stellte er klar: Es sei nicht so gewesen, dass Homann und er der Telekom das Geschäft vermasselt hätten. "Lange bevor die Telekom auf diese Idee gekommen ist, hatten wir schon Pläne."

Ortsbürgermeister Schlegel ist das ziemlich egal. Er ist sauer, weil sich im Ort nichts tut und fragt per Leserbrief an die Volksstimme: "Wer blockiert eigentlich den Ausbau des schnellen Internets in Benzingerode?"

Den Einwohnern sei es letztlich egal, ob die Telekom oder ein anderes Unternehmen den Ausbau vornimmt. Nur schnell solle es gehen, und die Qualität müsse stimmen. Deshalb lehne er eine Funklösung ab, sagte Schlegel. Zudem müsse gewährleistet sein, dass künftig auch Telefonie und Fernsehempfang übers Internet funktionieren. Mit seiner Kritik steht Schlegel nicht alleine. 166 Benzingeröder haben sich per Protestbrief bei der Bundesnetzagentur über deren Vergabepraxis beim Netzausbau beschwert.

Die Bundesnetzagentur bestätigte am Donnerstag den Eingang der Briefe. Diese würden von der Abteilung Verbraucherservice geprüft, so Sprecherin Steffi Thiele.