Unter dem Motto "Herkommen - Hierbleiben - Zurückkommen" will der Harz-Kreis die hohe Abwanderungsquote stoppen. Mit Unterstützung des Landes soll an ein europäisches Projekt, bei dem der Harz Pilotregion war, angeknüpft werden.

Halberstadt/Drübeck l Keine Frage: Jennifer Heinrich lebt und verkörpert augenscheinlich genau das, was Sozialminister Norbert Bischoff (SPD) gerade eben angemahnt hat: Die junge Frau, die bei der Kreisverwaltung Harz angestellt ist, versprüht bei ihrem Vortrag gleichsam Sympathie wie Motivation. Jennifer Heinrich referiert über demografische Eckdaten, blickt in die Zukunft und hat dabei die Kernfrage im Fokus: Was kann und sollte auf Kreisebene passieren, um mehr Menschen in den Harz zu locken oder zurückzuholen und so den bislang negativen Bevölkerungs- und Wanderungssaldo zu stoppen und ihn im Optimalfall umzukehren? Die Referentin verbreitet dabei genau jene positive Grundeinstellung, auf die Minister Norbert Bischoff Minuten zuvor den Fokus gerichtet hatte: Sachsen-Anhalt habe doch so viel Positives - das sollte auch so verbreitet werden, regte der Minister an.

Im Kloster Drübeck ging es am Freitag darum, bei diesem Thema begonnene Wege fortzusetzen und neue Pfade zum Ziel zu gestalten. Die Runde mit Kommunalpolitikern, Unternehmensvertretern sowie Gesandten aus Bildungseinrichtungen und Vereinen war der Startschuss für das Projekt "Herkommen - Hierbleiben - Zurückkommen". Damit rücke die Kreisverwaltung ein Ziel in den Mittelpunkt, sagte Vize-Landrätin Heike Schäffer: "Wir wollen die demografische Entwicklung nicht nur verwalten, sondern gestalten." Und dabei gelte es, auch unkonventionelle Wege zu beschreiten.

Apropos Wege: Mit dem Programm, in das 100 000 Euro fließen, beschreitet der Kreis keineswegs Neuland. Von 2011 bis 2014 war der Harz neben dem Kreis Görlitz eine der beiden deutschen Modellregionen auf EU-Ebene. Unter der Regie der Harz AG war damals auf der Internetplattform www.zuhause-im-harz.de eine Willkommensagentur etabliert worden - gewissermaßen ein Wegweiser für rückkehrwillige Sachsen-Anhalter und Zuwanderer. Nunmehr setzt der Harz-Kreis dieses Projekt mithilfe der Landesförderung fort.

Dafür stehen bis Dezember insgesamt 100 000 Euro bereit. Die 80 000 Euro, die Arbeits- und Sozialminister Bischoff am Freitag übergab, werden vom Kreis mit 20 000 Euro gegenfinanziert. Mit diesem Budget solle die Harz AG weiter die Suche nach Lösungen begleiten, erklärte Jennifer Heinrich. Neu im Boot sei die Maco Vision GmbH aus Halberstadt. Auch ihr falle nach der erfolgten Ausschreibung in erster Linie die Suche nach Lösungen und Ideen zu. Die weitere Entwicklung der Internetplattform als Willkommensagentur werde federführend die Kreisverwaltung übernehmen. Deren Übersetzungen ins Englische und Spanische sei schon beschlossene Sache, um die potenzielle Zielgruppe zu vergrößern.

Gleich nach dem offiziellen Startschuss wurde das neue Projekt am Freitag sofort mit Leben erfüllt. Im Kloster Drübeck suchten die Gäste in drei thematischen Arbeitsgruppen nach ersten konkreten Ideen, um das von Heike Schäffer und Jennifer Heinrich eingangs skizzierte Ziel zu erreichen. Neben "Schüler und Studenten" sowie "Pendler und Wohnen" gab es dabei auch die Schwerpunktgruppe für "ausländische Fachkräfte".

Minister Bischoff motivierte die Gäste, mit positiven Grundgedanken an die Lösungssuche zu gehen und bis zum Jahresende die entscheidenden Weichen zu stellen. Heike Schäffer strebt dabei ein "breites, buntes Netzwerk" an und will möglichst viele Menschen und Vereine in die Phase der Ideenfindung einbeziehen. Sie konstatierte aber auch Entwicklungsbedarf auf Landesebene.

Jennifer Heinrich, bei der gewissermaßen alle Fäden zusammenlaufen, ist wild entschlossen, mit den Partnern bis zum Jahresende möglichst viele Ideen, Gedanken und Lösungsansätze zusammenzutragen. Sie hat ein klares Ziel: Die Bevölkerungsentwicklung im Harz besser zu gestalten, als es Prognosen bislang erwarten lassen. In nüchternen Zahlen und Fakten ausgedrückt: Sie will zusammen mit ihren Mitstreitern verhindern, dass die aktuell rund 220 000 Harzer bis 2025 auf rund 190 000 schrumpfen. Sie - und die Verantwortlichen im Landratsamt - haben obendrein eine Vision: "Im Jahr 2025 ist der Harz-Kreis die Nummer eins unter den Landkreisen in Sachsen-Anhalt."

Jennifer Heinrich ist offen für Ideen und unter Telefon (0 39 41) 59 70 42 03 erreichbar.

Die Willkommensagentur im Internet: www.zuhause-im-harz.de