Der Ostharz soll bis 2017 eine "schnelle" Anbindung an die Bundesstraße 6 bekommen. Am Montag gaben Verkehrsminister Thomas Webel (CDU) und Ballenstedts Bürgermeister Michael Knoppik (CDU) den Startschuss für die Sanierung der Straße zwischen Ballenstedt und Hoym.

Ballenstedt/Hoym l Bitte was? Landesstraße 75? Wer Autofahrer auf die Verbindung zwischen Ballenstedt und Hoym anspricht, erntet bestenfalls ein mitleidiges Lächeln und muss schlimmstenfalls mit deftigeren Worten rechnen. Aus guten Grund: Die insgesamt rund 7,6 Kilometer lange Landesstraße ist bei Autofahrern ob ihres völlig desolaten Zustandes seit Jahren als Stoßdämpferkiller-Piste verschrien. Das soll sich nun ändern: Bis Mitte 2017 will das Land aus den Resten der maroden Straße ein tadelloses Asphaltband machen. Obendrein soll die jetzige Landesstraße dann zur Bundesstraße aufgestuft werden.

"Mit dem Projekt, in das rund sieben Millionen Euro investiert werden, wird ein weiterer wichtiger Zubringer zur vierspurigen Bundesstraße 6 bau- und verkehrstechnisch an die künftige Fahrzeugbelastung angepasst", betonte Verkehrsminister Webel beim symbolischen ersten Spatenstich in Ballenstedt. Auch der Ballenstedter Bürgermeister Michael Knoppik begrüßte den Baubeginn: "Das Projekt ist Resultat jahrelanger Bemühungen, um den Ostharz optimal an die jetzige B 6 anzubinden. Davon profitiert nicht nur Ballenstedt, sondern auch Orte wie Harzgerode, Mägdesprung und Alexisbad."

"Das Projekt ist Resultat jahrelanger Bemühungen, um den Ostharz optimal an die B 6 anzubinden. Davon profitiert nicht nur Ballenstedt, sondern auch Orte wie Harzgerode, Mägdesprung und Alexisbad."

Michael Knoppik (CDU), Bürgermeister Ballenstedt

Zusätzliche Bedeutung bekommt die Sanierung mit der von Sachsen-Anhalt betriebenen Aufstockung der vierspurigen B 6 zur Nordharz-Autobahn. Mittlerweile gibt es mit Niedersachsen eine länderübergreifende Initiative, die B 6 zur Autobahn zu machen. Aus Berlin gibt es Signale, dass die Chancen, aus der bislang in Karten gelb markierten überregionalen Harzanbindung tatsächlich eine blaue werden zu lassen, recht gut sind.

Die Arbeiten an der Verbindung zwischen Ballenstedt und Hoym sind laut Landesverkehrsministerium in zwei Abschnitten geplant. In diesem Jahr rückt zunächst der Bereich in Hoym in den Fokus. Dort werden rund 570 Meter an der innerörtlichen Ausfallstraße sowie gut 200 Meter der freien Strecke in Richtung Ballenstedt unter die Baggerschaufel genommen. "Bei planmäßigem Verlauf ist die Sanierung bis zum Ende dieses Jahres abgeschlossen", sagte Stefan Hörold, zuständiger Regionalbereichsleiter der Landesstraßenbaubehörde in Halberstadt. Im Jahr 2016 folge dann die rund 6,7 Kilometer lange Verbindungsstrecke zwischen beiden Orten. In diesem Zuge würden auch rund 280 Meter der Ortsdurchfahrt Ballenstedt - der Abschnitt bis zum früheren Bahnübergang - grundhaft ausgebaut.

Mit dem offiziellen Startschuss am gestrigen Montag gab es grünes Licht für die beauftragte Baufirma. Stefan Hörold rechnet damit, dass unmittelbar nach Ostern die eigentlichen Arbeiten beginnen. Dann müssen sich Autofahrer auf eine Vollsperrung einrichten. Eingerichtet würden dann zwei Umleitungen: Eine führt von Ballenstedt über Asmusstedt und Badeborn nach Hoym. Die Alternative wird von Ballenstedt aus über die B 185 bis Ermsleben und von dort über die Kreisstraße via Reinstedt nach Hoym ausgewiesen. Der Schwerverkehr soll großräumig über die Bundesstraßen 6, 180 und 185 rollen.

Mit dem Ausbau der jetzigen L 75 bekommt die Straße Bundesstraßen-Niveau. Aufwändig ist der Ausbau, weil acht Durchlässe und eine Stützwand neu zu errichten sind. Zudem werden beim Ausbau auf 7,50 Meter Breite sämtliche Nebenanlagen erneuert, um eine optimale Entwässerung zu garantieren.

Land und Bund denken nach Abschluss der Sanierung über eine Umstufung von L 75 und der jetzigen B 185 in Richtung Aschersleben nach. Da die L 75 zwischen Ballenstedt und Hoym perspektivisch eine größere Bedeutung als Anbindung des Ostharzes an B 6/Nordharzautobahn bekommt, soll sie zur B 185 und die heutige B 185 entsprechend abgestuft werden, kündigte Hörold an.

Ob und wann Ballenstedt und Hoym entlastende Ortsumfahrungen bekommen, ist derweil noch offen. In Ballenstedt wird seit Jahren an einer nördlichen Umfahrung geplant. Für Bürgermeister Knoppik ist sie die logische Fortsetzung der jetzigen Straßensanierung. "Damit würde der Fernverkehr aus dem Harz an unserer Stadt vorbeigeführt."

Anders sieht die Lage in Hoym, einem Ortsteil der Stadt Seeland im Salzlandkreis, aus. Dort hatten die Verkehrsplaner in der Vergangenheit ebenfalls eine Umfahrung vorgesehen. Allerdings überraschten die Stadtväter vor Jahren mit einem Stadtratsbeschluss, wonach eine solche Entlastungsstraße nicht gewünscht sei. Ein Votum, das seinerzeit mit der Freigabe der neuen B 6 zusammenhing. Weil sich die Verkehrssituation in Hoym dadurch merklich entspannte, wollten die Stadträte mit Blick auf die Gewerbetreibenden den übrigen Verkehr im Ort halten.

Ob diese Sicht heute noch aktuell ist, bleibt unklar. Zwar hat das Land die Umfahrung für die Überarbeitung des Bundesverkehrswegeplans angemeldet - allerdings liegen alle Planungen wegen des Ratsvotums gegenwärtig auf Eis.

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