Mit Briefen an Bundestagsabgeordnete will die Bürgerinitiative "B 244 - Wernigerode ohne Schwerlastverkehr" für ihr Anliegen kämpfen: Eine Ortsumfahrung, damit Dreck und Lärm in der Stadt ein Ende haben.

Wernigerode l "Brummis raus!" Die Mitglieder der Bürgerinitiative "B 244 - Wernigerode ohne Schwerlastverkehr" machen mobil. Mit einer Briefaktion und einer neuen Website kämpfen sie für eine östliche Ortsumfahrung. Die Strecke samt Tunnel durch den Fenstermacherberg und Anschluss an die B 6 soll die Stadt vom Verkehr entlasten.

Die B 244 zieht sich vom Mühlental übers Westerntor bis zur Ilsenburger Straße durch Wernigerode. Täglich brettern unzählige Schwerlaster mitten durch die Innenstadt. Vor allem in der Nöschenröder Straße, aber auch an der Schönen Ecke und in der Bachstraße ärgern sich die Anwohner seit Jahren über Lärm und Dreck.

"Wenn man etwas erreichen will, geht das nur mit persönlichem Einsatz", schwor Brigitte Tannert ihre Mitstreiter bei der Versammlung der Bürgerinitiative ein. Ziel ist es, das Projekt Ortsumfahrung auf der Prioritätenliste des neuen Bundesverkehrswegeplans ganz nach vorn, nämlich in den "vordringlichen Bedarf plus", zu bringen. "Nur in dieser Kategorie haben wir die Chance auf eine Realisierung", so Tannert. Der Plan wird in den kommenden Monaten in Berlin erstellt. Problem: Die Wernigeröder Ortsumgehung ist nicht das einzige Bauvorhaben. Rund 2000 Projekte konkurrieren um einen vorderen Platz im Verkehrswegeplan, allein in Sachsen-Anhalt über 90.

Der Bundestagsabgeordnete Burkhard Lischka hatte bei einer Diskussionsveranstaltung zur Thematik Schwerlastverkehr angeregt, eine Briefaktion zu starten. "Schreiben Sie an die 41 Entscheidungsträger im Bundesverkehrsausschuss", hatte der SPD-Politiker geraten. "Wenn jeder von ihnen plötzlich 50 Briefe bekommt, macht das Eindruck." Er selber wolle der Bürgerinitiative eine Liste mit den Kontaktdaten seiner Abgeordnetenkollegen zuarbeiten.

Gesagt, getan. Beim Treffen der Bürgerinitiative präsentierte Brigitte Tannert diese Liste. Jeder, der das Anliegen unterstützen möchte, solle sich schriftlich an die einzelnen Politiker wenden.

Bundestagsabgeordnete haben Besuch angekündigt

"Wichtig ist es, in den Briefen oder E-Mails die Besonderheiten von Wernigerode herauszustellen: die 164 denkmalgeschützten Fachwerkhäuser, die im Stadtgebiet an der B 244 liegen, der Tourismus, der durch die hohe Verkehrsbelastung gefährdet ist, die gesundheitlichen Beeinträchtigungen, die zwei Schulen, das Altersheim, das Krankenhaus und der Schulsportplatz, die sich in unmittelbarer Nähe befinden. Außerdem riet Brigitte Tannert ihren Mitstreitern, darauf hinzuweisen, dass Oberbürgermeister Peter Gaffert (parteilos), der Stadtrat und der Kreistag das Projekt befürworten. "Je mehr Briefe eingehen, desto besser. Jeder kann sich beteiligen", sagte die Wernigeröderin. "Das ist eine Menge Arbeit, die auf uns zukommt, aber vom Nichtstun passiert nichts. Die Zeit drängt. In Berlin wird jetzt die erste Vorauswahl getroffen."

Das wurde auf Volksstimme-Nachfrage vom Bundesverkehrsministerium bestätigt. Bis zum Spätsommer werden die Projekte bewertet, heißt es aus dem Ministerium. Die Vorhaben werden unter anderem anhand einer Kosten-Nutzen-Analyse und nach umwelt- und raumordnerischen Kriterien beurteilt. Nach Abschluss dieser Phase wird ein erster Entwurf vorgelegt, der dann einem sechswöchigen "Konsultationsverfahren" unterzogen wird. Der daraufhin erstellte zweite Entwurf geht Ende des Jahres ins Bundeskabinett.

Hoffnung setzen die Mitstreiter der Initiative nun auf den Besuch der Bundestagsabgeordneten Burkhard Lischka, Heike Brehmer (CDU) und Manfred Behrens (CDU und Mitglied im Bundesverkehrsausschuss). Das Treffen war zuerst für den 25. April angekündigt. Inzwischen wurde es auf Juni verschoben. Dann wollen sich die Politiker ein Bild von der Situation an der B 244 machen.

Übrigens: Unterstützung erfährt die Bürgerinitiative zudem von Patrick König. Der Wernigeröder ist selbst Anwohner der B 244 und hat eine Website eingerichtet, auf der das Anliegen präsentiert wird - mit Informationen sowie aussagekräftigen Bildern und Videos.

Wer die Bürgerinitiative unterstützen möchte, kann sich im Internet unter www.b244-wr.de informieren, Kontakt ist per E-Mail info@b244-wr.de möglich.