Ein Verein löst sich auf, und freut sich noch darüber. Denn er sieht sein Hauptziel erreicht: Pünktlich viermal am Schultag fahren 43 Oberharzer Schüler aus Benneckenstein, Sorge und Tanne zum Lernen nach Braunlage und wieder zurück.

Benneckenstein l Gut 25 Jahre nach dem Fall von Mauer und deutsch-deutscher Grenze ist es fast schon normal, dass ein Bus zwischen den Oberharz-orten Benneckenstein, Tanne und Sorge in Sachsen-Anhalt schultäglich nach Braunlage in Niedersachsen fährt. Doch so normal war es sehr lange Zeit ganz und gar nicht.

In den DDR-Jahren galt schon der geäußerte Gedanke, überhaupt mal nach Braunlage in die damalige BRD zu wollen, als gefährlich. Aber auch nach dem Grenzfall 1989 und der deutschen Einheit 1990 taten sich die Behörden noch jahrelang schwer, über die weiter bestehenden Landesgrenzen hinweg einen Schüleraustausch im Interesse von Eltern in einigen Oberharzer Orten zu organisieren.

"2006 entschieden sich Eltern von damals 13 Schülern aus Benneckenstein, Tanne und Sorge dafür, ihren Kindern längere Schulwege zu ersparen", blickt Thoralf Bokeloh zurück. Die Eltern wagten sich eigenverantwortlich an den Aufbau einer Schülerbeförderung zwischen Benneckenstein und Braunlage. Sie richteten eine Art Zubringerdienst für den Unterricht ab der 5. Klasse ein. Bei Wind und Wetter sicherten die Eltern die Fahrten zur Schule und zurück für den Nachwuchs ab. Trotz mancher Schwierigkeiten habe es dabei keinen einzigen Tag Ausfall gegeben, wie Bokeloh mit Dank und auch mit Stolz auf diese Leistung hervorhebt.

Die Zahl der Schüler stieg mit der Zeit. 2008 nutzten 21 Mädchen und Jungen sowie Jugendliche den Service, und weitere wollten gerne mit. Das überstieg dann doch langsam die Möglichkeiten der Eigeninitiative. "Eine andere Lösung musste gefunden werden", berichtet Bokeloh, und sie wurde schließlich auch gefunden.

Es entstand der "Förderverein Schulzentrum Braunlage", Bokeloh selber wurde Vorsitzender, die Zahl der Mitglieder stieg schnell auf 45. Hauptziel des Vereins war es, eine Schulbuslinie einzurichten. Die Schulverwaltungen der Landkreise Harz und Goslar gaben ihre Zustimmung zum grenzüberschreitenden Lernen. Goslar verzichtete sogar auf den Gastschulbeitrag, so Bokeloh, damit Oberharzer in der 5. bis 10. Klasse inklusive Gymnasialstufe lernen können. Auch die Harzer Verkehrsbetriebe kamen ins Boot.

Sie fahren heute viermal am Tag von Benneckenstein über Tanne, Sorge nach Braunlage und zurück. Die Linie gilt als sicher, der Verein sieht sich am Ziel und beschloss bereits seine eigene Auflösung.

"Mit der Buslinie wächst nun hoffentlich noch besser zusammen, was doch eigentlich zusammen gehört", resümiert Thoralf Bokeloh. "Die Linie erhöht die Attraktivität der Region und zeigt: Wo Menschen den Mut haben, neue Wege zu gehen und sich nicht beirren lassen, können sie über Grenzen hinweg andere Menschen zu vernünftigen Entscheidungen bewegen."

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