Immer mehr Konsumenten, die immer jünger werden. Das ist die Tendenz beim Drogenkonsum. Im vorigen Jahr haben zwei junge Menschen im Harz die Sucht mit ihrem Leben bezahlt.

Halberstadt l Zwei. Eine Zahl, die besondere Tragik bekommt mit dem zweiten Wort - der Maßeinheit, wenn man so will: Tote. Zwei Tote. Das ist die Bilanz, die Andreas von Koß vom Landeskriminalamt mit Blick auf die Drogenszene im Harz für das Jahr 2014 auf Anfrage der Volksstimme bestätigt hat.

Zwei Menschen, junge Menschen, haben 2014 den Konsum von Crystal Meth mit ihrem Leben bezahlt. Eine 25 Jahre alte Blankenburgerin starb nach Volksstimme-Informationen Anfang Dezember in der Wohnung ihres Freundes in Blankenburg an einer Überdosis Crystal. Schon im Oktober war ein 27 Jahre alter Langzeit-Abhängiger aus Halberstadt nach Konsum der synthetischen Droge gestorben.

Zwei Fälle, die jedoch nur die Spitze des Drogenkonsums im Harz markieren. Die höchst tragische freilich. Der Harz rangiert nach den Großstädten Halle und Magdeburg im landesweiten Vergleich weit vorn. Das hängt nicht zuletzt mit den zahlreichen Techno-Partys in der Region zusammen.

Die überregionale Magnetwirkung der Region, die ganz automatisch viele Drogenkonsumenten anlockt, ist jedoch nur ein Aspekt. Ein anderer klingt erschreckender: "Die Erstkonsumenten werden immer jünger", bestätigt Holger Eheleben, der zuständige Sachgebietsleiter Drogen/Jugend im hiesigen Polizeirevier, auf Anfrage. Vor Jahren, sagt der Erste Kriminalhauptkommissar, hätten Jugendliche im Schnitt mit 15 Jahren erstmals Kontakt zu Drogen gehabt. Oftmals zu weichen wie Cannabis. "Heute liegt der Einstiegsbereich mitunter schon bei 12 bis 13 Jahren und mit Crystal." Jener extrem schnell abhängig machenden Synthetikdroge, die überwiegend in tschechischen Drogenküchen gekocht wird.

Eheleben nennt keine Zahlen und hält sich mit Blick auf die am heutigen Dienstag geplante Vorstellung der Kriminalitätsstatistik im Harz für das Jahr 2014 mit Details zurück. Er sieht jedoch im Bereich Drogen ganz allgemein einen Schwerpunkt für die Ermittler der Kripo. "Wir konzentrieren uns dabei insbesondere auf den Drogenhandel und Vertriebswege."

"Generell registrieren wir seit Jahren eine Zunahme im Drogenbereich - das lässt sich jedoch nur schwer in Zahlen fassen." Der Grund sei einfach: Nur Fälle, die Ermittler aufdecken und so aus dem Dunkel- in den Hellbereich ziehen und mit Anzeigen zu Vorgängen machen, würden aktenkundig. Mit anderen Worten: Viele Ermittler und viele Einsätze in der Party- und Drogenszene führen zu einer entsprechend hohen Fallzahl.

Im Harz muss nach Konsumenten und Abhängigen nicht lange gesucht werden. Speziell die beliebten Techno-Events seien ein Tummelbecken für Konsumenten, Süchtige und Händler gleichermaßen, plaudert ein Insider aus dem Nähkästchen. Drogen und insbesondere Crystal seien dort gang und gäbe. "Grob geschätzt laufen dort 80 bis 90 Prozent aller Gäste verpeilt rum", sagt der Szenegänger, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will.

Punkte und Fakten, zu denen Eheleben nichts sagen will. Er sorgt sich jedoch vor allem mit Blick auf die stetige Zunahme des Konsum von Methamphetamin wie Crystal. Die synthetische Droge halte - kurzfristig gesehen - lange wach, steigert das Selbstbewusstsein und die Leistungsfähigkeit und macht - auf lange Sicht - extrem schnell abhängig. Crystal-Süchtige sind vom Konsum recht schnell auch äußerlich gezeichnet.

"Wir tun, was wir können", sagt Holger Eheleben aus polizeilicher Perspektive. Allerdings sei es wegen der beschriebenen Rahmenbedingungen schwer, wirklich nachhaltig erfolgreich zu agieren. "Wir kratzen an der Oberfläche und kennen nur die Fälle, die wir ermitteln." Was in Beratungsstellen oder an Kliniken passiere, bleibe im Dunkeln. Extrem wichtig sei es, frühzeitig an den Schulen präventiv tätig zu werden, um das "gesamtgesellschaftliche Problem Drogen anzugehen", betont der Chefermittler im Drogenbereich.

Gleichwohl sieht Eheleben die Dinge mit realem Blick: Nicht zuletzt die extrem hohen Gewinnmargen für Hersteller und Dealer dürften immer wieder Nachwuchs locken. "Es ist wie mit Unkraut - ziehen wir eine Pflanze raus, wachsen sofort neue nach." Wirklich ausgerottet, sagt Eheleben, ist das Problem damit nicht.

Was mit Blick auf die Preise nachvollziehbar wird: Das Gramm Marihuana kostet den Konsumenten im Schnitt 7,50 Euro - die Gewinnspanne liegt nach Volksstimme-Recherchen je nach Vertriebswegen zwischen 50 und 100 Prozent. Ähnlich die Situation bei Crystal Meth: Meist in Tschechien gekocht, kostet das Gramm auf den ersten Vertriebsabschnitten etwa 35 bis 40 Euro. Die Konsumenten müssen 80 bis 100 Euro hinblättern. Dazwischen liegen lukrative Gewinnspannen, denen Dealer nicht widerstehen.