Wegen eines eintägigen Warnstreiks bleiben am morgigen Mittwoch mindestens sieben Kindereinrichtungen in Wernigerode geschlossen. Die Stadtverwaltung kann für die mehr als 700 betroffenen Kinder keine Notbetreuung organisieren.

Wernigerode l Sechs städtische Kindertageseinrichtungen sowie ein Grundschulhort in Wernigerode werden am morgigen Mittwoch geschlossen bleiben. Dies teilt Sozialamtsleiterin Petra Fietz auf Volksstimme-Nachfrage mit. Der Grund dafür ist ein Warnstreik, zu dem die Vereinte Dienstleistungsgesellschaft (Verdi) aufgerufen hat.

Komplett schließen werden wegen des eintägigen Warnstreiks die Kindertagesstätten "Regenbogen", "Nöschenröder Hummelhaus", "Pusteblume" und "Löwenzahn" in Wernigerode sowie "Am Schäferteich" in Benzingerode und "Kleine Strolche" in Reddeber. Schließen wird ebenfalls der Hort der Diesterweg-Grundschule. Die Hortgruppen der Kindertagesstätte "Pusteblume" sind hingegen nicht vom Streik betroffen. In der Krippe "Lindenberg" wird die Hälfte der Mitarbeiter in den Ausstand treten. Betroffen sind insgesamt 717 Kinder.

Am Freitag habe die Stadtverwaltung erfahren, dass drei Einrichtungen schließen. Am gestrigen Montag seien weitere hinzugekommen. Derzeit sei davon auszugehen, dass die die übrigen neun städtischen Kinderinrichtungen öffnen, erklärt Rathaussprecher Andreas Meling. Sicher ist dies jedoch nicht. Es ist offen, wie viele Erzieherinnen und Erzieher sich kurzfristig den Streikenden anschließen. "Es steht jedem Mitarbeiter frei, sich zu beteiligen", sagt Amtsleiterin Petra Fietz. Ob diese gewerkschaftlich organisiert sind, spiele keine Rolle. Da keine Informationspflicht besteht, werde man erst am Mittwoch wissen, wie viele Mitarbeiter tatsächlich zur Verfügung stehen, bestätigt Andreas Meling.

Eine Notbetreuung für die betroffenen Kinder könne die Stadtverwaltung für Mittwoch nicht auf die Beine stellen. "In diesem Umfang können wir das nicht kompensieren - auch nicht in anderen Einrichtungen", sagt Andreas Meling. Er bittet die betroffenen Eltern um Verständnis. Auf die Verhandlungen zum Tarifvertrag, der ab 2016 gelten soll, habe die Stadtverwaltung selbst keinen Einfluss.

Gewerkschaft: Tätigkeit soll neu bewertet werden

Die Eltern sind am Freitag von der Gewerkschaft Verdi per Brief über den Warnstreik informiert worden. Darin heißt es, dass die kommunalen Arbeitgeber nach zwei Verhandlungsterminen noch kein Angebot vorgelegt hätten. Die Gewerkschaft fordert, dass die Tätigkeitsbewertungen, die seit 1991 unverändert seien, angepasst werden. "Während unsere Arbeit in den vergangenen 25 Jahren immer anspruchsvoller wurde, wurde an unserer Eingruppierung nichts verändert", heißt es in der Elterninformation. Vor der dritten Verhandlungsrunde am 9. April wollen die Arbeitnehmervertreter deshalb Druck aufbauen. Das Streiklokal, in dem die Teilnehmer sich treffen, soll nach Volksstimme-Informationen im Hotel "Blocksberg" in Sil-stedt eingerichtet werden.

Bei der Gewerkschaft Verdi war am Montagnachmittag noch keine Bestätigung für den Warnstreik zu erhalten. Offiziell will die Arbeitnehmerorganisation erst am heutigen Dienstagabend informieren, hieß es beim Verdi-Bezirksbüro in Magdeburg.