Die Ausstellung im Wernigeröder Feuerwehrmuseum ist um einige Glanzpunkte reicher. Teilnehmer eines von der KoBa geförderten Projekts haben die historischen Exponate aufgearbeitet.

Wernigerode l Das Prunkstück des Wernigeröder Feuerwehrmuseums steht auf vier Rädern in einem Winkel. Die Handdruckspritze, die einst von Pferden gezogen wurde, ist 1895 von der Leipziger Firma Jauck gebaut worden. Eine "Augenweide" sei das historische Löschgerät, schwärmt Frank Häusler, Vorsitzender des Fördervereins für das Feuerwehrmuseum. Umso mehr, seit die Spritze generalüberholt worden ist. Zu verdanken ist dies fünf arbeitslosen Männern und Frauen, die im Rahmen eines Projektes Exponate des Museums restauriert haben.

Gefördert wurden sie von der KoBa, angeleitet von den Fachleuten der Oskar-Kämmer-Schule (OKS). Ursprünglich waren sechs Monate für das Projekt angesetzt. "Doch wir haben festgestellt, dass die Sammlung sehr umfangreich ist und intensiv restauriert werden muss", sagt OKS-Koordinatorin Sabine Bauer. Neben der Handdruckspritze warteten auch Pumpen, Hydrantenkarren und Leiterwagen auf eine Schönheitskur. Einige Teile waren nicht mehr brauchbar und mussten ersetzt werden. Und weil es Ersatz für historische Objekte nicht im Baumarkt zu kaufen gibt, mussten sich die Teilnehmer etwas einfallen lassen.

Deshalb wurde das Projekt auf zwölf Monate verlängert, bis Ende März dieses Jahres. Sabine Bauers Einschätzung: "Die Teilnehmer haben sich sehr eingebracht." Zum Beispiel Carsten Lange. Der Wernigeröder arbeitet zwar lieber im Grünen als in der Werkstatt, sagt aber: "Es war interessant, und wir haben viel dazu gelernt." Technische und handwerkliche Begabung gehöre dazu, sagt er und verweist auf seinen Kollegen Oliver Rieke. "Der ist ein Multitalent." Der Wernigeröder winkt jedoch bescheiden ab. "Wenn man nicht zwei linke Hände hat, dann fuchst man sich ein."

Speziell mit der Handdruckspritze hatten die Mitarbeiter viel Arbeit. Sie wurde in alle Einzelteile zerlegt und nach der Aufarbeitung wieder zusammengefügt. "Das ist ganz akribisch dokumentiert worden", sagt Frank Häusler. Wo es nötig war, haben Mitarbeiter des städtischen Bauhofs die Teile per Sandstrahl gesäubert.

Hilfe leisteten auch Harald Glathe, Ausbilder für Maler bei der OKS, sowie zwei Auszubildende. Dass die Handdruckspritze einen frischen Anstrich in Mattgrün erhalten hat, ist ihnen zu verdanken. "Es war nicht einfach, die Originalfarbgebung wieder hinzubekommen", betont Frank Häusler.

Der ursprüngliche Anstrich war unter vielen Schichten verborgen und wurde mühsam rekonstruiert. "Wir mussten experimentieren", berichtet Glathe. Für seine Schützlinge war das Feuerwehrprojekt eine Abwechslung. "Die Arbeit war sehr umfangreich, hat uns aber viel Spaß bereitet", sagt Malerlehrling Franz Häusler.

Die erneuerten Ausstellungsstücke sind wieder im Museum in der Steingrube eingetroffen. Auf 200 Quadratmetern werden im ältesten Gerätehaus der Stadt Einblicke in die Geschichte des Brandschutzes geboten. Rund 2000Besucher haben sich im vergangenen Jahr dafür interessiert. Mit den erweiterten Öffnungszeiten dürften es noch mehr werden, schätzt Frank Häusler.

Doch das ist nicht alles. "Wir haben noch etliche Pumpen, Hänger und andere Dinge, die von den Mitgliedern nach und nach aufgearbeitet werden", sagt der Fördervereinschef. Im Juni 2014 wurde der Verein aus der Taufe gehoben. "Wir haben es uns auf die Fahnen geschrieben, die alte Feuerwehrtechnik zu erhalten", erklärt Häusler. Die ältesten Stücke datieren aus dem 19.Jahrhundert und stammen aus ganz Deutschland. Er hofft auf weitere Unterstützung durch KoBa und Oskar-Kämmer-Schule: "Es wäre schön, wenn wir weiterhin so gut zusammenarbeiten." Wenn es nach Teilnehmer Klaus Lehrmann geht, wäre das kein Problem. "Es war eine sinnvolle Arbeit, weil sie der Allgemeinheit dient."

Öffnungszeiten: Dienstag, Mittwoch und Freitag 10bis 14 Uhr, Donnerstag 10 bis 16.30 Uhr, Sonnabend 14.30 bis 17 Uhr