Der Harz-Kreis hat 2014 aus polizeilicher Sicht für Schlagzeilen gesorgt. Sowohl mit spektakulären Fällen als auch mit der Zahl aktenkundiger Taten und der recht guten Aufklärungsquote. Doch lässt sich dieses Resultat mit sinkendem Personal langfristig halten?

Halberstadt/Wernigerode l Die Taten waren spektakulär, das Vorgehen eine Mischung aus Gewieftheit und Skrupellosigkeit. Allein: Der Erfolg war nicht von Dauer. Die Bande, die 2014 im Harz mit gestohlenen Radladern und brachialer Gewalt in einen Baumarkt und diverse Banken eingedrungen war, um Tresore zu stehlen, ist überführt. Selbiges gilt für die Täter, die Gas in Geldautomaten pumpten, um sie zu sprengen.

Die Kriminalbeamten der eigens gebildeten Ermittlungsgruppen "Schaufel" und "Ilse" leisteten ganze Arbeit. Nach akribischer Spurensuche wurde ein im Wald entsorgter Müllbeutel mit einer Adresse der Radlader-Truppe zum Verhängnis. Mittlerweile warten fünf Männer und eine Frau auf ihren Prozess. Die beiden Männer, die mit einer explosiven Gasmischung mehrere Geldautomaten aufgesprengt haben sollen, stehen bereits vor dem Magdeburger Landgericht.

Zwei Serientaten, die die Kripobeamten des Harzer Polizeireviers und Kollegen aus dem Landeskriminalamt personell bis zum Äußersten gefordert haben. Zeitweise waren bis zu 120 Ermittler auf die Radladerfälle fokussiert. Der Erfolg, am Ende als Letzter gelacht zu haben, dürfte für sie auch Motivation gewesen sein.

Denn neben jenen spektakulären Fällen ist auch das Alltagsgeschäft zu stemmen. Hier bleibt der Harz mit 17 899 Fällen im Jahr 2014 ein heißes Pflaster. Allerdings steht der Zunahme im Vergleich zum Vorjahr auch ein Plus an aufgeklärten Fällen gegenüber. Während die Zahl der Straftaten um 366 Fälle stieg, wurden gleichzeitig auch 486 Fälle mehr aufgeklärt.

Zahlen, die Revierleiter Dietmar Schellbach mit Freude registriert: "Unsere Beamten arbeiten leidenschaftlich, mit hohem Engagement und sind gut verzahnt", sagte der Polizeioberrat bei der Vorstellung der Kriminalstatistik. "Wir können mit Stolz sagen, dass wir uns im landesweiten Vergleich gut einreihen."

Das stimmt mit Blick auf die Aufklärungsquote. Hier rangiere der Harz mit 62,6 Prozent im landesweiten Vergleich auf Rang zwei hinter dem Bördekreis, heißt es. Aber: Vergleicht man landesweit die Zahl der Fälle je 100 000 Einwohner, liegt der Harz nach Magdeburg, Dessau und Halle mit 8 395 Fällen auf dem weniger schmeichelhaften Rang vier.

Womöglich auch Folge vieler Straftaten, bei denen arglose Touristen Opfer werden. Immer wieder werden auf Parkplätzen Autos aufgebrochen. Oder die Serie von Autoaufbrüchen in Quedlinburg, die viele Besucher traf. Dort knackten Unbekannte 2014 fast täglich Fahrzeuge, in denen Wertgegenstände lagen.

Die Häufung mündete in die Bildung der Ermittlungsgruppe "Scheibe" und letztlich in einen Erfolg: Zwei Quedlinburger - 24und 27 Jahre alt und drogenabhängig - wurden geschnappt. Ihnen werden fast 220 Taten vorgeworfen. "Der 24-Jährige hat sogar rund 500 Diebstähle gestanden", heißt es. Mit den Brüchen finanzierte das Duo den Drogennachschub.

Apropos Drogen: Aus Sicht der Ermittler ein immer gravierenderes Problem im Harz. Immer mehr Fälle mit immer jüngeren Tätern. Die Fälle von Drogenbesitz und -handel stiegen im Jahresvergleich um 29 Prozent auf 428 im Jahr 2014. "Das Dunkelfeld dürfte ungleich größer sein", so Schellbach bei der Vorstellung der Zahlen. Mit anderen Worten: Je mehr personellen Einsatz die Ermittler hier leisten, desto höher dürften die Fallzahlen steigen.

Zwei Harzer - eine 25-Jährige und ein 27-Jähriger - bezahlten 2014 übermäßigen Konsum von Crystal Meth mit ihrem Leben (die Volksstimme berichtete am Dienstag). Die Folgen des Konsums dieser Synthetikdroge sind gravierend. Holger Eheleben, Chef des Ermittlungsbereichs Rauschgift/Jugend berichtete bei der Vorstellung der Zahlen von einer 15-Jährigen, die "dank" Crystal-Konsums 14 Tage ohne Schlaf überstand. Letztlich, so der Tenor in der Runde, müsse in der Gesellschaft entschieden werden, wie mit der Drogenthematik umgegangen werde.

Ob sich der Ermittlungsdruck im Drogenbereich steigern lässt, ohne gleichzeitig andere Bereiche der Kriminalität zu vernachlässigen, ist freilich offen. Schon jetzt stöhnen die Ermittler unter dem Druck, trotz personellen Spardiktats möglichst viele Fälle aufzuklären. Zahlen, wie viele Beamte im Harz überhaupt im Einsatz sind, wollte beim Vorstellen der Kriminalstatistik niemand nennen. Nach Volksstimme-Informationen drohen aufgrund von Umstrukturierungen auch dem Harz massive personelle Einschnitte im Kripobereich.

Deshalb will Schellbach nichts schönreden. "Der Trend bei den Straftaten ist seit 2011 steigend. Wir mutmaßen, dass dieser Trend anhalten wird."