Politiker sind auch nur Menschen - mit allen Stärken und Schwächen. Die Volksstimme traf sich mit den Kandidaten für das Amt des Oberbürgermeisters an ihrem Lieblingsplatz in der Stadt und sprach mit ihnen über alles - außer Politik.

Wernigerode l Manchmal, nach einem anstrengenden Tag, fährt Peter Gaffert zum Wernigeröder Schloss. Dann lehnt er an der Brüstung der Terrasse und blickt ins Tal. "Wenn man ein turbulentes Leben führt wie ich, ist es schön, einmal Ruhe zu haben und nicht reden zu müssen", sagt der parteilose Oberbürgermeister. Hoch über der Stadt zeige sich besonders, wie schön Wernigerode ist.

Es ist ein seltener Einblick in die privaten Gedanken des Stadtoberhauptes. Was sein Leben außerhalb des Rathauses angeht, gibt Peter Gaffert wenig Auskunft. "Das ist so gewünscht und bleibt so", sagt der 54-Jährige bestimmt. Zwei erwachsene Söhne hat er, gibt er dann doch preis. Ebenso, dass ihm das Verhältnis zu seiner Mutter, die in der Nähe von Eisleben lebt, wichtig ist. Unweit der Lutherstadt ist Gaffert aufgewachsen. Den Dialekt hat er bis heute nicht abgelegt, obwohl der diplomierte Forstwirt seit einem Vierteljahrhundert im Harz lebt. "Hier bin ich zuhause."

Einfach sei seine erste Zeit in Wernigerode nicht gewesen. "So ist das halt, wenn man noch niemanden kennt," sagt Gaffert schulterzuckend. Mittlerweile habe er die Menschen ins Herz geschlossen. Und spätestens als Bürgermeister hat er die Einwohner der bunten Stadt kennengelernt.

Ein Job, der Sitzungen bis in den Abend und Veranstaltungen an Wochenenden beinhaltet. Freizeit kommt oft zu kurz. Hat der Forstwissenschaftler hin und wieder den Wunsch, in den Wald zu flüchten? "Das kann ich nicht leugnen", gibt er lachend zu. Im Wald finde er Ausgleich - beim Laufen, Radfahren und Skilanglauf. Alles Hobbys, bei denen man allein ist. Ein Einzelgänger sei er deshalb nicht: Sich selbst beschreibt Peter Gaffert als "lebensfroh, konsequent und freundlich".

Konsequent hat er auch seit seiner Kindheit seinen Berufswunsch verfolgt. Bereits vor dem Studium arbeitete Gaffert als Waldarbeiter. Wie verschlägt es einen aus dem Wald in den Chefsessel eines Rathauses?

Ein Anruf von Ludwig Hoffmann hat die Weichen für den beruflichen Wechsel gestellt. Das damalige Stadtoberhaupt stellte sich nach zwei Amtszeiten 2008 nicht erneut zur Wahl. Er schlug Gaffert vor, als parteiloser Kandidat für den SPD-Ortsvereins anzutreten."Ich war überrascht", sagt Gaffert - mit Politik hatte er bis dato nichts am Hut.

Damals leitete er den Aufbau des Nationalparks Kellerwald-Edersee in Bad Wildungen. "Es war ein Glücksfall, dass die Hessische Landesregierung mich fragte - einen aus dem Osten für den Aufbau West", erinnert sich Gaffert.

Deshalb sagte er nicht gleich Ja zur Kandidatur. "Ich habe gezögert, ob ich meinen sicheren Posten für ein solches Risiko aufgebe." Doch der Wunsch, in den Harz zurückzukehren, sei größer gewesen. Und: "Viele haben sich noch an mich erinnert."

Also stellte er sich dem Votum - erfolgreich. Mit 56 Prozent der abgegebenen Stimmen wurde der Parteilose auf Anhieb ins Rathaus gewählt. Im ersten Jahr war das schwer, gibt der Politiker zu. In vieles habe er sich einarbeiten müssen. "Wer kennt schon alle Feinheiten des Abwasserrechtes? Ich damals zumindest nicht."

Damit nicht genug: Sein Amtsvorgänger legte ihm eine "Liste mit 14 Zusatzaufgaben" auf den Tisch - vom Vorsitz im Aufsichtsrat bis zur Schirmherrschaft. Er sei froh gewesen, dass er auf die Erfahrung seiner Mitarbeiter bauen konnte. Neben einem guten Team brauche ein Oberbürgermeister Kommunikationsstärke und ein breites Kreuz. "Die Arbeit ist so komplex wie kaum eine andere", sagt der 54-Jähige - vergleichbar mit der Führung eines großen Unternehmens. Was ihn allen Stress und lange Arbeitstage vergessen lässt, ist der Anblick des hell erleuchteten Rathauses, bevor er sich auf sein Fahrrad schwingt und nach Hause fährt. "Das entschädigt für alles."