Am Sonntag ist es soweit: Die Wernigeröder entscheiden darüber, wer künftig im Rathaus das Sagen haben wird. Drei Bewerber stellen sich zur Wahl - der Amtsinhaber und zwei Herausforderer.

Wernigerode l Am Sonntagabend werden gleich zwei spannende Fragen beantwortet: Behauptet der parteilose Peter Gaffert seinen Chefsessel im Rathaus oder gelingt es seinen Mitbewerbern, Michael Miede von den Piraten oder Sabine Wetzel (Bündnis 90/Die Grünen), ihn abzulösen? Und die zweite Frage, die derzeit vor allem Wahlleiter Hans-Joachim Kühne und Frank Reuleke, Leiter des Wahlbüros im Rathaus, umtreibt: Wie hoch wird die Wahlbeteiligung sein?

Vor sieben Jahren, als Gaffert erstmals zum Oberbürgermeister gewählt wurde, hatten noch 46,1 Prozent der wahlberechtigten Wernigeröder ihre Stimmzettel abgegeben. Die damalige Wahl galt allerdings als Sonderfall - schließlich hatte Oberbürgermeister Ludwig Hoffmann aus Altersgründen sein Amt aufgegeben. Der SPD-Mann war von 1994 bis 2008 im Amt. Die Stadt stand damit am damaligen Wahlsonntag vor einem Neustart, der sicherlich viele Bürger an die Urnen lockte.

Ähnlich groß wie vor sieben Jahren dürfte nun das Interesse nicht sein, so die Befürchtung. Der Blick in die Region nährt diese Sorge: An den Bürgermeisterwahlen am 22. März in Blankenburg, Quedlinburg und Ballenstedt beteiligten sich weniger als 40 Prozent der Stimmberechtigen.

Ein wenig Hoffnung gibt allerdings die bisherige Resonanz auf die Briefwahl. Bis Donnerstagmittag haben rund 1700 Wernigeröder davon Gebrauch gemacht. Vor sieben Jahren gab es genau 1847 Briefwähler. Dieses Ergebnis hochgerechnet, könnte am Sonntag eine ähnlich hohe Wahlbeteiligung herauskommen wie im Jahr 2008. Ob aber eine hohe Wahlbeteiligung eher dem Amtsinhaber oder den Herausforderern nutzt, das wird sich erst am Sonntagabend zeigen.

Noch bis zum heutigen Freitag, 18 Uhr, kann in der Bürgerinfo am Wernigeröder Nicolaiplatz 1 per Briefwahl abgestimmt werden. Für Ausnahmefälle, wie zum Beispiel Krankheit, können am Wahlsonntag selbst noch bis 15 Uhr Briefwahl-Unterlagen in der Bürgerinfo abgeholt werden. Damit haben auch kurzfristig Erkrankte die Möglichkeit, die Geschicke der Stadt mitzubestimmen. Die Wahlbriefe können bis 18 Uhr im Rathaus abgegeben werden. Frank Reuleke und seine Kollegen kontrollieren um 18 Uhr, dem offiziellen Ende der Wahl, die Briefkästen am Rathaus, damit dort eingesteckte Briefe nicht unter den Tisch fallen.

Im Rathaus spielt am Sonntag ohnehin die Musik. Dort sind die drei Briefwahlvorstände angesiedelt. Im Foyer vor dem großen Sitzungssaal werden zudem die eingehenden Zählergebnisse aus den Wahllokalen per Beamer an die Wand geworfen. Wer also live dabei sein möchte, wenn das Ergebnis verkündet wird, sollte sich um 18 Uhr dort einfinden - und auf dem Weg ins Rathaus nicht allzulange trödeln. Reuleke rechnet damit, dass bereits um 19 Uhr die meisten Stimmen ausgezählt sein dürften.

Schließlich ist die Wahl nicht allzu kompliziert. Auf dem Stimmzettel stehen drei Namen, einer davon muss angekreuzt werden. Mehr ist nicht zu beachten. Damit dürfte auch die Aufgabe für die rund 200 Wahlhelfer recht einfach sein. Sie wurden in den vergangenen Tagen von Reuleke auf ihre Tätigkeit in den 23Wahllokalen vorbereitet.

Insgesamt sind am Sonntag 29249 Menschen wahlberechtigt. Darunter sind zahlreiche Jugendliche ab 16 Jahren sowie aus EU-Staaten stammende Ausländer, die in Wernigerode leben. Das kleinste Wahllokal ist in Minsleben mit 492, das größte in Stadtfeld mit rund 2000 Wahlberechtigten.

Gewählt ist am Sonntag der Kandidat, der mehr als 50 Prozent der Stimmen auf sich vereint. Schafft das keiner, gibt es am Sonntag, 26. April, eine Stichwahl zwischen den beiden Erstplatzierten.

Wer am Wahlsonntag nicht im Rathaus ist, kann auch auf der Internetseite der Harzer Volksstimme live dabei sein. Unter www.volksstimme.de/wernigerode läuft wieder unser Liveticker zur Wahl.