Der Kunst- und Kulturverein Wernigerode feiert sein 25-jähriges Bestehen. In einer Ausstellung, die am Sonntag, 19. April, eröffnet wird, geben die Vereinsmitglieder einen Überblick über Künstler und Kunstwerke, die seit 1990 in der Marktstraße 1 zu sehen gewesen sind.

Wernigerode l An den Wänden hängen Bilder, vom abstrakten Farbenrausch bis zur stillen Grafik in Schwarz-Weiß. Leinwände lehnen an den Wänden, Blätter liegen auf Tischen neben Passepartouts und warten auf die Rahmung. In der Galerie 1530 des Wernigeröder Kunst- und Kulturvereins wird derzeit eine besondere Ausstellung vorbereitet. Unter dem Motto "25 Jahre Kunstverein" soll sie ab Sonntag, 19. April, 11 Uhr, einen Querschnitt durch ein Vierteljahrhundert Galeristentätigkeit bieten, wie Vereinschef Rainer Schulze, der ehemalige Galerist Richard Küster und seine Nachfolgerin Elke Kath berichten.

Für die Jubiläumsschau greifen die Vereinsleute tief in den Fundus. Dieser umfasst etliche Gemälde, Aquarelle, Grafiken und Fahnen - wie viele es sind, wissen die Vereinsmitglieder nicht. Die unterschiedlichen Stücke zu arrangieren, sei eine Herausforderung, wie Richard Küster berichtet. "Normalerweise geht es um einen Künstler und sein Werk. Hier sind es 100 Künstler - bringen Sie die mal unter einen Hut!"

Bis 2010 hatte Richard Küster als Galerist den sprichwörtlichen Hut des Verantwortlichen auf. Nach der Wende musste der selbstständige Müller seinen Betrieb aufgeben. Der Wernigeröder landete "durch einen sehr glücklichen Zufall" als ABM-Kraft in der Galerie, die er später jahrelang professionell geführt hat. "Ich habe sehr viel von den Künstlern gelernt", sagt der 76-Jährige.

Vor fünf Jahren hat Elke Kath den Staffelstab als hauptamtliche Mitarbeiterin übernommen und kümmert sich praktisch um alles. "Wer hier arbeitet, braucht auch handwerkliche Fähigkeiten", betont Schulze - da müssen nicht nur Bilder aufgehängt, sondern auch Stühle gerückt und Getränke besorgt werden.

Im Januar 1990 hat sich der Kunst- und Kulturverein gegründet und die Gebäude in der Marktstraße 1, die er heute nutzt, mit Förderung der Denkmalpflege und der Stadt Wernigerode saniert. Rund zwei Millionen Euro sind in das historische Ensemble geflossen, berichtet Rainer Schulze, der ursprünglich seit Mitte der 1980er-Jahre mit seinen Mitstreitern ein Grafikzentrum geplant hatte. "Das ist die Keimzelle unseres Vereins." Schulze ist stolz darauf, wie viel der heute 130 Mitglieder zählende Verein über die Jahre auf die Beine gestellt hat. "Wir sind eine Dienstleistungseinrichtung für Leute, die etwas mit Kunst im Sinn haben", sagt der Vereinschef. Rund 2000 Veranstaltungen haben die Mitglieder in 25 Jahren in der Marktstraße organisiert. Darunter waren etwa 200 Ausstellungen, 150 Jazzkonzerte, 120 Filmvorführungen, 90 Kabarettabende, 60 historisch-literarische Salons, 30 Kammerkonzerte, 15 Pleinairs bildender Künstler und 200 Chorkonzerte. Jeden Tag sei zudem die Galerie geöffnet, dank ehrenamtlicher Helferinnen. Darauf ist Rainer Schulze stolz. "So etwas 25 Jahre durchzuhalten, schafft nicht jeder."

Rund 50.000 Besucher, einschließlich der Gäste von Stadtführungen, begrüßt der Verein pro Jahr in seinen Räumen. "Wir machen Kultur für jedermann, aber auf hohem Niveau", sagt Schulze. Man wolle den Leuten die Angst vor der bildenden Kunst nehmen, unter anderem mit den traditionellen Künstlergesprächen zu den Ausstellungseröffnungen.

Gefeiert wird der 25. Vereinsgeburtstag außerdem mit einem Jazzbrunch, der am 5. Juli von 11 bis 14 Uhr im Kunsthof stattfinden soll.