In den letzten Kriegstagen sind in Hüttenrode 52 Menschen umgekommen, 19 Gebäude wurden zerstört und beschädigt. Daran erinnert eine Gedenktafel, die am Sonnabend, 18. April, eingeweiht wird.

Hüttenrode (jmü) l In diesen Tagen wiederholt sich zum 70. Mal die sinnlose Zerstörung von Gebäuden in Hüttenrode. Engagierte Einwohner mit Willi Barthauer an der Spitze haben in mühevoller Kleinarbeit die Geschichte des Krieges in ihrem Heimatort aufgearbeitet und daraus eine Sammlung von Berichten und Informationen angefertigt. Sie soll nun öffentlich gemacht werden. Darüber hinaus wird am Sonnabend, 18. April, eine Kriegserinnerungstafel in der Teichstraße aufgestellt. Die Initiatoren um Willi Barthauer, der den endgültigen Tafeltext verfasst hat, laden alle Interessierten dazu herzlich ein. Beginn ist um 15 Uhr.

Ein Blick zurück: 20 Tage vor Ende des Zweiten Weltkrieges wurde Hüttenrode vom Krieg überrollt. Am 18. April 1945 beschossen amerikanische Tiefflieger die sich zurückziehenden Wehrmachtsfahrzeuge. Die amerikanische Artillerie schoss in das Oberdorf, in dem sich deutsche Wehrmachts- und Waffen-SS-Einheiten verschanzt hatten. Bei diesem erbitterten Ringen explodierten durch Volltreffer die dort abgestellten Militärfahrzeuge. Dabei gingen die umliegenden Wohn- und Wirtschaftsgebäude von drei großen Grundstücken in Flammen auf. Im Bereich des Bahnhofes wurde sogar nachts gekämpft.

Am 19. April griffen amerikanische Bodentruppen konzentriert mit Panzern und Infanterie von der Elbingeröder Hochfläche her an. Die Verteidigungslinie am Sonnenberg wurde überrannt. Die Ortseingänge im Bereich Rübeländer, Altenbraker und Kampstraße verteidigten kleinere Einheiten der Waffen-SS und der "Infanteriedivision Potsdam" erbittert und verlustreich - auch für die Amerikaner. Insgesamt soll das Oberdorf mehrmals den Besitzer gewechselt haben; dies zeigt überdeutlich den mörderischen Charakter dieses letzten Kampfes vor dem endgültigen Finale am 21. April in Blankenburg. Panzer- und Artilleriebeschuss richteten bei vielen Grundstücken in der Altenbraker und Teichstraße einschließlich benachbarter Gassen sowie auch dem E-Werk verheerende Schäden an. Das Fazit der Hüttenröder Heimatforscher: "Noch niemals gab es im Laufe der über 875-jährigen Ortsgeschichte derartig umfangreiche Zerstörungen im Ort."

Nach Aufgabe der Verteidigung der Ortseingänge nahmen die Amerikaner das gesamte Dorf in Besitz. Es fielen nur noch vereinzelte Schüsse. Die Eroberung des Dorfes war vollzogen. US-Soldaten durchsuchten jedes Haus.

Es dauerte ein paar Tage, bis die Einwohner die Schäden sowie die Tragik der Geschehnisse erfassten. Sie bestatteten die in und um Hüttenrode gefallenen Soldaten auf dem Friedhof. Sie gilt seither als einzige Kriegsgräberstätte im Ostharz. 48 deutsche Soldaten und vier Hüttenröder fanden den Tod. 19 Gebäude waren zerstört oder schwer beschädigt.

Bilder