Heimburg l In einer schmalen Straße des beschaulichen Vorharzortes herrschte am Freitagnachmittag emsige Betriebsamkeit. Das Pfarrerehepaar Marlis und Hartmut Barsnick hatte einen Lagerraum zur Verfügung gestellt, in dem die Spenden für Tansania gesammelt und gelagert wurden. Nun galt es, einen Lkw der Blankenburger Spedition von Heiko Duckek für den Transport nach Hamburg zu beladen.

Bereits zum dritten Mal beteiligt sich die Hilfsorganisation aus dem Harz an einer Gemeinschaftsaktion, bei der ein Container komplett mit Zuwendungen für die Menschen in dem ostafrikanischen Land gefüllt wird, wie Maria Barsnick berichtete. In den zurückliegenden Wochen und Monaten hatte sich das Lager gut gefüllt und die Spenden waren in 423 Kartons verpackt. Gespendet wurden Kinderbekleidung, Schuhe, besonders aber auch Babykleidung. "In den Bergen ist es zur Trockenzeit sehr kalt", erläuterte Marlis Barsnick. Daher wurde bereits im letzten Jahr von der Frauenarbeit des Kirchenkreises in Tandala in Tansania eine Kleiderkammer für Babykleidung eingerichtet. Die Vorsitzenden der Frauenarbeit in den Dörfern schicken Listen nach Tandala. Dort werden die Sachen dann zusammengestellt und in die Dörfer geschickt. Bei der Vergabe der Kleidung an die Waisenkinder sind die Barsnicks zusammen mit dem Pfarrer der jeweiligen Kirchengemeinde anwesend, so dass eine gerechte Verteilung sichergestellt ist.

Pfarrer Stephan Werther ist mit für die Organisation der Verpackungen zuständig gewesen. Er sagte: "Die vielen Bananenkartons aufzutreiben, war schwieriger als zu DDR-Zeiten Bananen zu bekommen." Neben der Kinderbekleidung waren auch Wolle, Stoffe und Nähmaterialien für das seit sechs Jahren bestehende Waisenprojekt "Hauswirtschaftsschule Mategemeo" in Mang´oto in den Kartons verpackt.

Für Container-Transfer wird noch Geld benötigt

Für das 2014 initiierte Frauenprojekt "Cafe Harz" wurden zudem ein Gasherd, Bestecke, Töpfe und weiteres hauswirtschaftliches Gerät verladen. Auch 27 Säcke mit Decken für Kinder, Aids-Kranke und Senioren beinhaltet die Fracht. Die meisten Menschen, so die Erfahrung von Marlis Barsnick, schlafen auf dem Lehmboden ihrer Hütten und besitzen weiter nichts.

Ebenfalls verpackt worden war Spielzeug, Seife und Hautcreme für das Projekt Kinderkrippen. Vor drei Jahren entstanden die ersten dieser Einrichtungen, da viele Mädchen und Jungen tagsüber sich selbst überlassen sind. Sie sind oft Waisen oder Halbwaisen und niemand kümmert sich um sie. Tagsüber bekommen sie nichts zu essen. Da sie auch nicht gepflegt werden, haben viele der Kinder durch Kälte, Staub und in der Regenzeit durch Nässe schwerwiegende Hautprobleme. Inzwischen gibt es zwölf Krippen, die versuchen, die Not zu lindern, beschreibt Marlis Barsnick die Situation in Tansania.

Neben all diesen Hilfsgütern wurden elektrische Nähmaschinen für die Frauenarbeit in Tandala verladen. Nur dort gibt es elektrischen Strom. Auch zwei Honigschleudern mit mechanischem Antrieb für das vor drei Jahren angelaufene Bienenprojekt sind mit an Bord, wie Marco Jede vom Imker-Verein Wernigerode berichtete. Das schwerste und größte Paket wurde zuletzt verladen - eine kleine Solaranlage.

Möglich wurde das gesamte Spendenaufkommen durch die Beteiligung von Kindern, Eltern und Lehrern aus den Grundschulen Hessen und Derenburg. Engagiert haben sich außerdem Lernende und Lehrende der Sekundarschule Dardesheim, der Tansa- niakreis Halberstadt, das Team vom Kindergarten "Am Regenstein" in Blankenburg, das Käthe-Kollwitz-Gymnasium Halberstadt, der Pfarrsprengel Ströbeck, das Kirchenspiel Veltheim/Osterode und viele Privataktionen von Wernigerode bis Greifswald.

So groß der Kreis der Spenden, war auch die Herkunft der Helfer beim Verladen der Fracht. Den weitesten Weg hatte die elfjährige Hannah Wendt, die bei den Großeltern in Osterode ihre Ferien verbringt. Sie stammt eigentlich aus Greven bei Münster, in Nordrhein-Westfalen. Zu denen, die kräftig mit zupackten gehörten auch Klaus Ditze und seine Frau Regina vom Tansaniakreis Halberstadt, ebenso wie Bob Cowen, Dozent an der Hochschule Harz in Wernigerode und dessen Frau Andrea, Astrid Wiegand vom Pfarrsprengel Ströbeck, Pfarrer Stephan Werther mit seiner Frau Regine aus Osterode sowie Imker Marco Jede.

Aber auch Nachbarin Regina Schmieder war mit ihrem 15 Jahre alten Enkelsohn Martin Sonnenberger zu Stelle, um mit anzupacken.

Der Pfarrsprengel Ströbeck hat bereits seit 26 Jahren eine Partnerschaft mit dem Pfarrsprengel Mang´oto in Tansania. Hartmut und Marlis Barsnick fahren in diesem Jahr zum siebenten Mal für sechs Monate nach Tansania in den Kirchenkreis Tandala, einer armen Gebirgsregion des afrikanischen Landes.

Auch jetzt können Bürger, die gern Hilfe leisten möchten, das Projekt noch unterstützen, sagte Marlis Barsnick. Für die Finanzierung des Transportes des Containers nach Tansania, der übrigens drei Monate unterwegs sein wird, werden noch Geldspenden benötigt.

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