Blankenburg/Halberstadt l Jenen Montag im April werden die Mitarbeiter des Hotels und Restaurants "Zum Klosterfischer" in Michaelstein wohl so schnell nicht vergessen. Gegen 17.30 Uhr hatte sich ein maskierter Mann über die Wäschekammer Zutritt zum Büro verschafft und dort sofort den Geschäftsführer angegriffen. Trotz Gegenwehr konnte der Täter mit den Einnahmen vom Wochenende flüchten.

Allerdings kam er nicht weit. Fischverkäufer Sven Auerswald (26), Koch Kai Festerling (27), Kochlehrling Patrik Lengyuel (22) und Hausmeister Walter Bähr (63) mit Hund "Ilas" nahmen sofort die Verfolgung auf und stellten den Dieb auf einer benachbarten Pferdekoppel. Dort klickten wenig später die Handschellen.

Für ihr engagiertes und couragiertes Verhalten sind die vier Männer am Mittwoch von Dietmar Schellbach, Leiter des Polizeireviers Harz in Halberstadt, offiziell belobigt worden. Aus seinen Händen nahmen sie eine Urkunde und ein Schreibset als Dankeschön entgegen. "Wir sind sehr froh, dass die Männer den Täter stellen konnten und dass ihnen dabei nichts passiert ist", so Schellbach, der den Vieren herzlich für ihr Eingreifen dankte. Als weiteren Erfolg wertete er, dass der 32-jährige, polizeilich bekannte Räuber nun tatsächlich im Gefängnis sitzt.

Schellbach lobte das Eingreifen der Männer als besonders herausragend. Denn gerade in solchen Situationen sei es wichtig, klug und rational zu handeln. Dabei stehe aber an erster Stelle, sich selbst nicht in Gefahr zu begeben.

Für die Mitarbeiter des "Klosterfischers" habe sich diese Frage aber nie gestellt, wie sie selbst bekannten. "Als wir die Schreie unserer Kollegin hörten, sind wir sofort los", schilderten sie die Situation an jenem Montagabend. Allerdings hatten sie zunächst gedacht, dass es brenne oder jemand einen Herzinfarkt erlitten habe. "Dann kam uns aber der Mann drohend mit dem Elektroschocker entgegen. Da war uns klar, was passiert war."

Ohne groß zu überlegen, rannten die Männer hinter dem Räuber hinterher, trieben ihn quer über das Klostergelände und schließlich soweit in die Enge, dass sie ihn auf einer Pferdekoppel einkesseln konnten. Hilfe bekamen sie dabei auch von einer Frau in einem Geländewagen, die dem Flüchtenden den Weg zum Parkplatz abgeschnitten hatte. "Da war einfach nur Wut. Wir gehen von morgens bis abends arbeiten. Und der nimmt uns einfach das Geld weg", beschrieben die vier die Motivation, sofort zu handeln. Das Grübeln, was hätte passieren können, kam erst, als alles vorüber war. "Dann haben wir erst einmal zwei Stunden zugemacht", berichteten die Helden vom Klosterfischer. Dann ging`s wieder an die Arbeit: "Das Geschäft musste ja weitergehen."