Ilsenburg l Die Ilsestadt möchte ihr letztes Filetstück verkaufen. Dabei handelt es sich um ein Areal im Forellenpark mit zwei Gebäuden, die einst als Kindergarten und Krippe genutzt wurden.

Längst ist der ehemalige Geschwister-Scholl-Kindergarten verwaist und hat der Zahn der Zeit an den Häusern genagt. Um so zuversichtlicher waren Bürgermeister Denis Loeffke (CDU) und Stadtratsmitglieder, als sich im Vorjahr ein Verkauf für das 2000 Quadratmeter große Grundstück samt Villa anbahnte. Ein Allgemeinmediziner wollte gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin die Immobilie erwerben und dort eine Praxis einrichten. Letztendlich kam der Verkauf nicht zustande. Offiziell hieß es: Beide Seiten konnten sich nicht einigen.

In der jüngsten Stadtratssitzung beschlossen die Mitglieder im nicht öffentlichen Beratungsteil, einen zweiten Verkaufsversuch zu starten. "Wir schreiben den Verkauf im Amtsblatt offiziell aus", sagte Loeffke gegenüber der Volksstimme. Die Möglichkeit, an die vorangegangenen Mitbewerber heranzutreten, sei nicht in Betracht gezogen worden.

In einer Ratssitzung im November 2013 stellten sich insgesamt fünf Bewerber vor, darunter eine Investorengruppe, die drei Wohnhäuser bauen wollte, und die Ilsenburger Wohungsbaugesellschaft.

Wünschenswert sei, so der Bürgermeister, dass das Grundstück für eine Wohnbebauung genutzt wird, wobei "uns der Baustil nicht egal ist", betonte Loeffke. Er sollte zur Parklandschaft passen, sich einfügen in die bisherige Bebauung am Rande des Forellenteiches. Dort hatte Industriebau Wernigerode vor zwei Jahren drei Stadtvillen gebaut, die komplett bezogen sind. Das Interesse, im Stadtzentrum zu wohnen, "ist nach wie vor groß", sagte Loeffke. Auf Nachfrage verriet er, dass das Mindesgebot für das städtische Grundstück samt Scholl-Immobile bei etwa 378 000 Euro liegt.

Kein Lärmschutzwall im "Ellerbach"

Um eine Bebauung ging es auch im offiziellen Teil der Stadtratssitzung. Konkret wurde die 2. Änderung eines Bebauungsplanes im Bereich "Ellerbach" beschlossen. Nach Prüfung und Abwägung der Stellungnahmen, die während der Auslegungsphase eingereicht werden konnten, wird nun kein Lärmschutzwall im Apfelweg errichtet. Wie der Bürgermeister auf Nachfrage informierte, haben die Auswertung vom Immissionsberechnungen ergeben, dass der geplante Wall "nicht zwingend notwendig ist". Deshalb wolle die Stadt darauf verzichten, zumal sie für den Bau des Walls Privatgrund erweben müsste.

In dem nun verabschiedeten Bebauungsplan ist anstatt des Walles ein zehn Meter breiter Grünstreifen vorgesehen. Außerdem ist festgelegt, dass sich in dem Gebiet nur sogenanntes nicht störendes Gewerbe ansiedeln darf. Der geänderte Plan wird erneut öffentlich ausgelegt.

Zinsgünstiger Umschuldung zugestimmt

Was der Häuslebauer kann, kann die Stadt Ilsenburg auch: ein Darlehen zinsgünstig umschulden. "Die Zeit dafür ist gut, warum nicht nutzen", sagte Loeffke. Für einen Kredit bei der Nord LB läuft zum 31. Mai die Zinsbindung aus. Die Restschuld beträgt rund 525 000 Euro, die die Stadt nicht mit einem Mal tilgen kann. Der Stadrat stimmte der Umschuldung zu, die Verwaltung kann nun Angebote einholen.